Nouri und Gisdol stecken mit Werder und dem HSV im Tabellenkeller

Neue Besen kehren nicht gut

Die Punkteschnitte sind ernüchternd: Werders Alexander Nouri (links) und Hamburgs Markus Gisdol (rechts) ist es bisher nicht gelungen, ihre Mannschaften aus dem Tabellenkeller zu führen.
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Die Punkteschnitte sind ernüchternd: Werders Alexander Nouri (links) und Hamburgs Markus Gisdol (rechts) ist es bisher nicht gelungen, ihre Mannschaften aus dem Tabellenkeller zu führen.

Bremen - Von Malte Rehnert. Werder und der HSV. Beide stecken tief in der Krise, beide können sich im Nordderby keine Niederlage erlauben. Im Krisen-Management gehen sie aber unterschiedliche Wege.

Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Alexander Nouri war als Jugendfußballer schon auf dem Sprung zum Hamburger SV. Hätte er es gemacht, wäre diese Affinität zu Werder, wohin er dann wechselte und wo er nun Chefcoach ist, wohl nie entstanden. Und Markus Gisdol war vor ein paar Wochen auf der Liste als neuer Bremer Trainer – er ging dann aber zum HSV. Am Samstag (15.30 Uhr) treffen die Zwei im mit Spannung erwarteten 105. Nordderby im Volksparkstadion aufeinander.

Nouri (37) ist als Nachfolger von Viktor Skripnik in Bremen seit dem 18. September im Amt (erst als Interims-, ab 2. Oktober als Cheftrainer). Gisdol, der den entlassenen Bruno Labbadia ersetzte, hat in Hamburg seit dem 25. September das Sagen. Bei beiden lässt sich als Zwischenfazit festhalten: Die neuen Besen kehren nicht gut – zumindest noch nicht.

Die Punkteschnitte (0,875 bei Nouri, 0,33 bei Gisdol) sind ernüchternd, ein klarer Aufwärtstrend ist weder an der Weser noch an der Elbe zu erkennen. Sowohl an Nouri als auch an Gisdol wachsen die Zweifel, ob sie ihre Mannschaften aus dem Tabellenkeller führen können. Die Verantwortlichen in beiden Clubs lehnen Trainerdiskussion ab, aber das Umfeld murrt schon. Und zwar immer lauter. Werder ist 16., der noch sieglose HSV Letzter.

Nouri und Gisdol gehen im Krisen-Management unterschiedliche Wege

Bei der Moderation der Krisen gehen die beiden unterschiedliche Wege. Nouri, der zwischendurch immerhin sieben Punkte eingefahren hat, setzt weiter auf Starkreden und Motivation. Man werde sich von dem eingeschlagenen Weg nicht abbringen lassen, betont er immer wieder. Allerdings wirkt er dabei nicht mehr ganz so locker und souverän wie am Anfang. Die vier Niederlagen in Folge haben auch an seinen Nerven gezerrt.

Gisdol dagegen hat schon mehrfach den Kurs gewechselt. Erst versuchte er es mit Positivem à la „Wir schaffen das“. Dann bemängelte er, keine intakte Mannschaft übernommen zu haben, kritisierte die Qualität des Teams – und schließlich auch noch die angeblich überzogene Erwartungshaltung der HSV-Oberen. Von Nouri war bisher kein schlechtes Wort über Werder zu hören.

Der Bremer Coach hat trotz der Durststrecke nur wenig in den Abläufen verändert. Ausnahme: Vor dem letzten Heimspiel gegen Frankfurt mussten die Profis nicht ins Hotel, sondern durften zu Hause schlafen. Der Teamgeist sei eben gut und müsse durch viel gemeinsame Zeit nicht weiter gestärkt werden, meint Nouri. Gisdol sieht das bei seinem Club anders. Er ist mit dem HSV vor dem Nordderby ins Kurz-Trainingslager nach Barsinghausen gefahren. Das Zusammensein, findet der 47-Jährige, sei in einer solchen Phase „sehr wichtig“. Auch daheim in Hamburg setzt er auf die Stärkung des Kollektivs, die Spieler müssen seit Kurzem länger auf dem Vereinsgelände bleiben.

2:2 gegen Hoffenheim soll beim HSV die Wende eingeleitet haben

Viele seiner Maßnahmen – etwa die missglückte und schnell korrigierte Umstellung auf eine Dreier-Abwehrkette beim 2:5 gegen Dortmund – haben nicht gegriffen. Als Krisenmanager wirkte Gisdol eher kopflos, schien kein gutes Erfolgsrezept zu haben. Doch dann kam Hoffenheim. Vor dem Auswärtsspiel berief er Johan Djourou als Kapitän ab und gab Gotoku Sakai die Binde. Er ließ die schnellen Außenspieler Filip Kostic und Nicolai Müller auf ihren angestammten Positionen ran. Müller rechts, Kostic links. Beide trafen beim 2:2, das beim HSV allgemein als großer Fortschritt gewertet wurde – und das die Wende eingeleitet haben soll.

Auch Nouri, der zu Beginn seiner Amtszeit gerne der identischen Startelf vertraut hatte, nahm zuletzt mehrere Wechsel vor. Personell und taktisch – von 4-1-4-1 auf 4-2-3-1. Vor allem wegen der Rückkehrer Claudio Pizarro und Max Kruse. Gebracht hat es beim 1:2 gegen Frankfurt letztlich nichts. Der Druck auf Nouri wird deshalb immer größer. Äußerlich reagiert er darauf recht entspannt: „Das sind die Mechanismen des Geschäfts, da geht es relativ schnell in alle Richtungen. Wenn man sich dieser Profession verschreibt, muss man damit leben können.“ Sollte Werder aber auch beim HSV verlieren, wird das Trainerleben für Nouri noch härter.

Gleiches gilt für Gisdol bei einer HSV-Pleite. Ernsthaft um seinen Job bangen müsste der 47-Jährige dann aber wohl (noch) nicht. Richtig eng dürfte es stattdessen für den Vorstandsvorsitzenden Dietmar Beiersdorfer (einen Ex-Bremer) werden.

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