Liveticker Hamburger SV vs Werder Bremen

Werder unterliegt 0:2

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Bremen - von Marc Stehr. Das 101. Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen verspricht auch in diesem Jahr jede Menge Spannung. Nach katastrophalem Saisonstart und frühen Trainerwechseln steht für beide Teams eine richtungweisende Partie an.

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Vorbericht:

Drei Spiele – drei Siege. So lautet die Bilanz von Viktor Skripnik seit seiner Amtsübernahme. Zwar stehen die Bremer auf dem 16. Tabellenplatz, doch geht der Trend unter dem 45-Jährigen klar nach oben. Insbesondere die Defensive, unter Dutt die große Schwachstelle, konnte stabilisiert werden. Fingen sich die Grün-Weißen in den ersten neun Begegnungen satte 23 Gegentreffer, klingelte es unter dem ehemaligen U23-Trainer lediglich einmal. Vor dem Klassiker bereitet die Personalsituation allerdings Grund zur Sorge. Abwehrchef Sebastian Prödl musste seinen Einsatz gestern Nachmittag abhaken, ihn plagt eine Zerrung am Hüftbeuger.

Mit Franco di Santo fällt zudem die „Lebensversicherung“ aufgrund einer Außenbandzerrung im rechten Knie aus. Sechs der 14 Bremer Treffer gehen auf das Konto des Argentiniers. Eine Quote, die zeigt, wie wichtig der 25-Jährige im Abstiegskampf ist. Bei der Frage, wer seinen Platz im Sturm einnehmen soll, ließ sich Skripnik noch zu keiner klaren Aussage verleiten. Wahrscheinlich trifft die Wahl Nils Petersen, für den der HSV so etwas wie ein Lieblingsgegner ist. In vier Nordderbys traf der Zweitliga-Torschützenkönig von 2011 dreimal ins Netz. Beim letzten Aufeinandertreffen in der Imtech-Arena erledigte Petersen den HSV quasi im Alleingang, indem er beide Treffer zum 2:0-Sieg erzielte.

Skripniks ein Jahr jüngerem Hamburger Amtskollegen, ebenfalls aus der zweiten Mannschaft zum Cheftrainer befördert, gelang es bislang noch nicht, seinem Team die nötige Konstanz einzuimpfen. Während das Zinnbauer-Team gegen Bayern (0:0), Dortmund (1:0), Hoffenheim (1:1) und Leverkusen (1:0) punkten bzw. sogar gewinnen konnte, setzte es gegen Frankfurt (1:2), Berlin (0:3) oder zuletzt Wolfsburg (0:2) verdiente Niederlagen. Noch nie in ihrer 52-jährigen Bundesliga-Geschichte erzielten die Hamburger so wenige Treffer nach elf Spielen wie in diesem Jahr (vier). Dabei ist die Offensivabteilung mit Pierre-Michel Lasogga, Lewis Holtby, Rafael van der Vaart und Co. Alles andere als schlecht besetzt. Das Resultat der Misere: Neun Zähler, Rang 17. Ob heute gegen Werder der Knoten platzt?

Ein Blick auf die Statistik verrät: An Toren hat es diesem Duell nie gemangelt. Knapp dreimal pro Partie zappelt der Ball im Netz, das letzte torlose Duell liegt bereits 14 Jahre zurück. A propos Tore. Der höchste Derbysieg datiert aus dem der Bremer Meistersaison 2003/2004. Seinerzeit demontierte die Meistermannschaft um Ailton und Ivan Klasnic den Erzrivalen mit 6:0. Insgesamt stehen 36 Bremer Siegen 31 HSV-Erfolgen gegenüber. Das letzte der 33 Remis liegt bereits vier Jahre zurück, damals endete das Duell nach Toren von Claudio Pizarro und Ruud van Nistelrooy mit 1:1.

Geleitet wird die Begegnung von Felix Zwayer aus Berlin. Der 33-Jährige hat die Aufgabe, das emotionsgeladene Spiel unter Kontrolle zu halten. Sollten die Hamburger wie gegen Leverkusen erneut das Maß überschreiten, sehen sich die Bremer gewappnet. Zlatko Junuzovic kündigt an: „Wir werden uns nicht abschlachten lassen, sondern dagegenhalten.“

Das Nordderby: Kuriose Fakten und spektakuläre Ereignisse

Symbolbild
Beim Nordderby im Jahr 1967 fand die erste Auswechslung der Bundesliga-Geschichte statt. Hamburgs Torhüter Arkoc Özcan hatte sich in der 18. Minute den kleinen Finger gebrochen – für ihn kam Ersatzkeeper Erhard Schwerin in den Kasten. Die Regel, die Auswechslungen ermöglichte, war erst kurz zuvor eingeführt worden. © imago sportfotodienst (Symbolbild)
Nordderby
Ende einer Serie: 36 Bundesligaspiele in Folge war der HSV zwischen den Jahren 1982 und 1983 ungeschlagen. Ausgerechnet Werder stoppte den Lauf des Rivalen. Die Grün-Weißen siegten 3:2. © imago sportfotodienst
Nordderby
Das Nordderby im Jahr 1972 wurde vor gerade einmal 8000 Zuschauern ausgetragen – Negativrekord. Weniger kamen davor und danach nie zum Duell der Nordrivalen. Ein Grund für das geringe Interesse: Kurz zuvor war der legendäre Bundesliga-Skandal aufgeflogen. © imago sportfotodienst
Nordderby
Ehrenrunde über dem Weserstadion: Nach Hamburgs Meisterschaft in der Saison 1982/1983 hatte Horst Hrubesch eine ganz besondere Idee. Auf dem Rückflug vom letzten Spieltag überredete der HSV-Profi den Piloten der Fokker-Maschine, eine Ehrenrunde über dem Weserstadion in Bremen zu drehen. © imago sportfotodienst
Nordderby
An diesen Tag erinnern sich die Bremer nur ungern. Am 27. November 1971 lässt Schiedsrichter-Legende Walter Eschweiler die Werder-Profis in der zweiten Halbzeit beim Auswärtsspiel in Hamburg mit HSV-Trikots auflaufen. Der Grund: Für Eschweiler waren sich Werder- und HSV-Trikots zu ähnlich – Verwechslungsgefahr! Weil Werder aber keine Ersatztrikots dabei hatte, mussten die Grün-Weißen die ungeliebte HSV-Raute auf der Brust tragen. © imago/Future Image
Nordderby
Ailton ist eben doch ein Bremer! 2006 nagelte der Brasilianer im Trikot der Hamburger den Ball im Derby völlig freistehend aus acht Metern über das leere Tor. Der HSV unterlag 1:2. Durch die Pleite zog nicht Hamburg, sondern Bremen in die Königsklasse ein. Wenig später war Ailtons Zeit beim HSV beendet – er wurde verkauft. © imago images / Thorge Huter
Nordderby
Beim Derby 2008 versuchten die Hamburger im Kampf um die Champions-League-Plätze mit einem Psychotrick zu punkten: Beim Duell in Hamburg wurde die Gästekabine mit HSV-Flaggen ausstaffiert. Der erhoffte Erfolg blieb aus. Die Bremer ließen sich nicht beeindrucken, gewannen und wurden am Ende Zweiter in der Tabelle – der HSV musste sich mit Rang vier begnügen. © imago images / HochZwei/Christians
Nordderby
Werders höchster Auswärtssieg in Hamburg gelang am 22. September 2001 mit einem 4:0. Bremens gefeierter Held: Marco Bode. Der Stürmer erzielte einen Treffer selbst und bereitete zwei weitere vor. Der höchste Heimsieg war in der Meistersaison 2004 sogar ein 6:0. © imago images / Kolvenbach
Nordderby
Das wohl berühmteste Tor der Nordderby-Geschichte: Frank Baumanns Kopfballtreffer bedeutet für Werder den Einzug ins UEFA-Cup-Finale 2009. Es sorgte auch für einen der drei Werder-Siege gegen den HSV in drei Wettbewerben binnen 19 Tagen. Kurios war aber auch die Entstehung der Ecke vor Baumanns Tor: Der Ball hoppelte über eine Papierkugel, die ein HSV-Fan auf den Rasen geworfen hatte. HSV-Abwehrmann Michael Graavgaard traf den Ball nicht richtig - es gab Ecke für Werder. © imago
Nordderby
Ausgerechnet ein Wahl-Hamburger ersteigerte die legendäre Papierkugel. Matthias Seidel, Gründer von „transfermarkt.de“, erwarb die Kugel, um sie später im Werder-Museum ausstellen zu lassen. © imago images / Philipp Szyza
Nordderby
Adrian Maleika. Der Name steht synonym für die größte Tragödie der Derby-Geschichte. Der Werder-Fan wurde vor dem Spiel am 16. Oktober 1982 auf dem Weg ins Volksparkstadion von Hamburger Hooligans brutal angegriffen. Bei einem Steinwurf erlitt der 16-jährige Lehrling einen Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen. Einen Tag später starb er. Er gilt als erstes Todesopfer bei Hooligan-Übergriffen in Deutschland. © imago
Nordderby
Noch eine der ganz bitteren Geschichten des Nordderbys: Am 20. September 1989 spielte Ditmar Jakobs sein letztes Bundesliga-Spiel. Im Weserstadion rutschte der HSV-Verteidiger bei einer Rettungsaktion ins Tor. Dort bohrte sich ein defekter Karabinerhaken der Toraufhängung in seinem Rücken. Jakobs kam nicht mehr los, der Haken musste mit einem Skalpell herausgeschnitten werden. Dabei wurden seine Nerven so stark verletzt, dass an Profisport danach nicht mehr zu denken war. © imago
Nordderby
Niederlagen sind nie schön, die am 14. Mai 1988 gegen den HSV gilt aber als eine der schönsten Werder-Pleiten. Die Mannschaft von Trainer Otto Rehhagel ging zwar zu Hause mit 1:4 gegen die Hamburger baden. Aber das juckte keinen: Die Bremer hatten die zweite Deutsche Meisterschaft der Vereinsgeschichte schon perfekt gemacht - und durften nach dem Spiel die Schale vor den Augen des Rivalen in die Höhe recken. © imago
Nordderby
So unschön die Szene, so schnell wurde sie auch legendär: Werder-Keeper Tim Wiese verwechselte im Mai 2008 Fußball mit Kung Fu und senste beim Herauslaufen HSV-Stürmer Ivica Olic derart um, als wolle er ihm den Kopf abtreten. Ob Wiese da schon den Gedanken an eine Karriere im Wrestling entwickelt hat? Franz Beckenbauer sprach danach von Mordversuch, ein Unbekannter stellte sogar Strafanzeige wegen versuchten Totschlags. Der Schiedsrichter zeigte im Spiel jedenfalls nur Gelb. © imago
Nordderby
Klar ist: Werder Bremen gegen den Hamburger SV - es ist das ewige Duell der Bundesliga. Kein Spiel gab es häufiger. Zum 100. Nordderby präsentierten die Werder-Fans im Weserstadion eine beeindruckende Choreografie. „100 Spiele wie im Märchen“, schrieben die Fans und klappten das Geschichtsbuch auf. Am Ende stand: „Und die Moral von der Geschicht‘, Bremen ist geil, Hamburg nicht.“ © imago images / osnapix

Der SV Werder Bremen gewinnt das Nordderby, weil ...

1.) ... er von den bisher 100 Derbys 35 gewonnen hat, der HSV nur 31, also alles für die Bremer spricht. © nordphoto
2.) ... der HSV die zweitschwächste Heimmannschaft der Liga ist und der SVW in der Auswärtstabelle immerhin auf Rang 12 steht. © bundesliga.de
3.) ... "Viktory" Skripnik das Sieger-Gen mitbringt. © nordphoto
4.) ... es nichts Schöneres gibt, als in Hamburg drei Punkte einzufahren und darauf mit Bremer Heimatwasser aus der grünen Flasche anzustoßen.. © dpa
5.) ... er Derby kann. © nordphoto
6.) ... er mit drei Pflichtspielsiegen in Folge an die Elbe reist. © nordphoto
7.) ... die Hamburger immer wieder beweisen, dass Geld alleine eben doch keine Tore schießt. © dpa
8.) ... der HSV zwar gute Spieler, aber keine Mannschaft hat. © nordphoto
9.) ... es endlich Zeit wird, dass einer diese dämliche Bundesliga-Uhr in der Arena - wie heißt sie eigentlich zurzeit? - abschaltet. © dpa
10.) ... er die beste Nummer 12 der Liga hat. Und die Nummer 12 - das sind "Wir"! © nordphoto
11.) ... notfalls sogar eine billige Papierkugel hilft, um die Hamburger gehörig ins Schwitzen zu bringen. © nordphoto

Der HSV gewinnt das Nordderby, weil ...

1.) ... Holsten am dollsten knallt. Und: Alster oder Wasser? © nordphoto
2.) ... sich der HSV mit Elia für Ailton rächt. © nordphoto
3.) ... nicht mit Papierkugeln gespielt wird. © nordphoto
4.) ... Lasogga © nordphoto
5.) ... der HSV die schönste Raute (das Logo) hat, die noch nie verändert wurde. © nordphoto
6.) ... Josef Zinnbauer bisher jedes Spiel gegen Skripnik gewonnen hat. (Anm. d. Red. es war ein Spiel) © nordphoto
7.) ... Werder, sollten sie doch die Klasse halten, einen Rivalen braucht, sonst wäre man ja nur Bremen, und das interessiert kaum. © nordphoto
8.) ... Werder Bremen, als der HSV 1923 erstmals Meister wurde, in der Kreisliga kickte. © nordphoto
9.) ... "Hamburger" auf der Welt jeder kennt. Und weil "Bremer" nach Fisch stinken. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
10.) ... Hamburg das Tor zur Welt ist, der Bremer Schlüssel aber nicht passt. © nordphoto
11.) ... Nur der HSV © nordphoto

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