Noch mehr Schiris: Wiese findet’s gut

Ein Torrichter wird Tim Wiese in der Europa League ganz genau auf die Finger schauen.

Bremen (kni) - Achtung, Werder! In der Europa League passen mehr Schiedsrichter auf als in allen anderen Wettbewerben.

Die UEFA testet erstmals auf großer Bühne den sogenannten Torrichter – und Bremens Keeper Tim Wiese findet’s gut: „Wenn der Ball hinter der Linie ist, dann ist er dahinter – und es muss auch Tor geben. Deshalb ist es richtig, dass es einen Torrichter gibt.“ Und mit einem Schmunzeln fügt er noch an: „Dann kann man als Torwart auch nicht mehr schummeln, obwohl ich das natürlich nie gemacht habe; ich bin ja ein fairer Sportsmann.“

Christian Vander blickt der Einführung der beiden Torrichter, die dem Schiedsrichter auch Fouls und andere Vergehen im Strafraum melden sollen, dagegen skeptisch entgegen. „Viele Köche verderben den Brei“, sagt der Ersatzmann von Wiese. Und damit ist er der gleichen Meinung wie Werder-Boss Klaus Allofs: „Je mehr Personen entscheiden, umso mehr unterschiedliche Wahrnehmungen und Interpretationen einer Situation entstehen. Womöglich wird dann auch noch lange diskutiert. Man darf aber den Charakter des Spiels nicht verändern.“ Der 52-Jährige bezeichnet sich beim Thema Schiedsrichter als „altmodisch“ und wünscht sich, „dass von der Bundesliga bis zur sechsten Klasse möglichst alles gleich ist. Das zeichnet unseren Sport doch aus.“ Dass es hin und wieder zu Fehlentscheidungen kommt, müsse man in Kauf nehmen. „Bei allem Gejammere, eigentlich haben wir doch in der Vergangenheit alle mit Ungerechtigkeiten ganz gut leben können“, lautet sein Fazit.

Vander spricht derweil noch einen anderen Punkt an. „Es ist bestimmt ein komisches Gefühl, wenn hinter oder neben dem Tor noch ein Schiedsrichter steht“, glaubt der 28-Jährige. Deshalb plädiert er für eine andere Neuerung: Den Chip im Ball , der beim Überschreiten der Torlinie ein Signal an den Unparteiischen sendet. „Das wäre viel besser und wahrscheinlich auch exakter“, meint Vander. Genauso sieht es Eugen Strigel , der stellvertretende Vorsitzende der DFB -Schiedsrichterkommission: „Auch bei einem Torrichter handelt es sich um einen Menschen, der Fehler machen kann. Wir favorisieren deshalb die Lösung mit einem Chip im Ball.“

Ganz unvorbereitet trifft Werder diese Neuerung übrigens nicht. Der Bremer Bundesliga-Referee Peter Gagelmann hat das Thema Torrichter bei seiner jährlichen Lehrstunde für die Werder-Profis vor Saisonbeginn angesprochen. Richtig ernst wird’s dann nächste Woche Donnerstag, wenn das erste Europa-League-Spiel in Funchal ansteht.

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