Werder in der Krise – wieviel Schuld trägt die sportliche Leitung? / Nur Arnautovic feierte schon Siege

Noch kein Glück mit den Neuen

Bremen - Von Björn Knips · Der vermeintliche Egotrip einiger Spieler ist die eine Erklärung für die Krise von Werder Bremen – aber wieviel Schuld trägt die sportliche Leitung? Die Transferpolitik von Clubboss Klaus Allofs darf durchaus als ungewöhnlich bezeichnet werden.

Die vier Neuen sind längst noch nicht die erhofften Verstärkungen. Und Coach Thomas Schaaf hat beim alljährlichen Bastelkurs „Wieder ein Star weg – wie forme ich eine neue Mannschaft“ noch keine Lösung gefunden.

„Neuverpflichtungen werden gerne schon vor ihrem ersten Ballkontakt in die Kategorie Volltreffer oder Flop einsortiert. Wir machen das nicht“, sagt Allofs und verteidigt seine Einkaufspolitik: „Wir glauben an diese Spieler. Und der Blick zurück hat gezeigt, dass wir oft richtig gelegen haben.“

Auch diesmal? Den ersten Neuzugang für diese Spielzeit gab’s schon im vergangenen Winter. Sandro Wagner kam für eine geschätzte Ablöse von 150 000 Euro vom MSV Duisburg – allerdings verletzt (Kreuzbandriss). In diesem Sommer sollte der 22-Jährige durchstarten. Doch von seinen vier Einsätzen blieb nur eine Platzwunde in Genua, ein Lattenkopfball gegen Mainz und zwei enttäuschende Erkenntnisse in Erinnerung: Wagner hat noch kein Werder-Niveau – und mit ihm gab’s nur Niederlagen.

Die Trainingseinheit am Donnerstag

Das Training am Donnerstag

Marko Arnautovic macht da mehr Hoffnung – zumindest manchmal. Seinen besten Auftritt hatte der 6,5-Millionen-Euro-Mann von Twente Enschede (zuletzt an Inter Mailand ausgeliehen) beim 4:2-Sieg gegen Köln, als er zweimal traf und noch ein Tor vorbereitete. Aber es gibt auch den Problemfall Arnautovic, bei dem Trainer Schaaf in der Vorbereitung schon mal Supernanny spielen musste. Der 21-Jährige ist noch ziemlich unreif – oder warum trägt er mitten in der Werder-Krise und der Diskussion um zu viel Egoismus ein T-Shirt mit dem Aufdruck „It‘s good to be the king“ („Es ist gut, der König zu sein“)?

Immerhin stand Arnautovic bei allen neun Pflichtspielen auf dem Platz – und demnach auch bei den drei Siegen. Genauso wie Wagner wissen die beiden Späteinkäufe Wesley und Mikael Silvestre noch nicht, wie sich ein Bremer Sieg anfühlt. Das Problem bei beiden: Ihnen fehlt die Vorbereitung mit den neuen Kollegen und deshalb auch die Abstimmung auf dem Platz. „Wenn du dann reingeworfen wirst und drumherum sowieso schon alles wackelt, dann ist auch ein erfahrener Spieler wie Mikael nicht auf der sicheren Seite“, nimmt Allofs den ablösefreien 33-Jährigen in Schutz. Der bei Arsenal London ausgemusterte Abwehrspieler blieb bislang jeden Nachweis seiner Klasse, die er einst bei Manchester United bewiesen hatte, schuldig. Und es stellt sich die Frage: Warum kümmerte sich Werder wieder einmal so spät um einen neuen Linksverteidiger? Das ging schon im Winter bei Aymen Abdennour nicht gut. Und warum wurde Sebastian Boenisch ein Freifahrtsschein ausgestellt, und dann spielte doch die Notlösung Petri Pasanen? Immer einleuchtend ist Allofs‘ Transferpolitik und Schaafs Aufstellung nicht.

Das betrifft auch Wesley. Dem Brasilianer wurde bei seiner Verpflichtung keine Position zugeordnet – mit dem Verweis: „Der kann alles im Mittelfeld spielen.“ Genauso sieht oft auch das Spiel des 23-Jährigen aus, er ist überall und nirgends – quasi noch auf der Suche. Laufen allein reicht nicht, vor allem nicht auf der Position des Spielmachers. Da müssen Ideen her. Dem neuen brasilianische Nationalcoach ist das offenbar egal. Mano Menezes berief Wesley gestern als einzigen Bundesliga-Profi in den Kader für zwei Testspiele in Europa (6. bis 13. Oktober). Ein Riesending für den Werder-Profi, denn er hat noch nicht das Trikot der „Selecao“ getragen. Und vielleicht ist das auch ein Hinweis, dass Werder doch einen richtig Guten verpflichtet hat.

Allofs ist davon natürlich überzeugt und prophezeit: „Alle Neuen werden mithelfen, dass wir erfolgreich sein werden.“ Aber wann? Die Zeit drängt. Auch Schaaf ist ungeduldig. „Normalerweise findet sich in den ersten Wochen immer eine erste Elf. Aber das haben wir diesmal nicht gehabt“, rechtfertigt Schaaf seine häufigen Umstellungen auch mit Ausfällen von Stammkräften wie Claudio Pizarro, Naldo und Per Mertesacker. Und er nimmt sich selbst in die Pflicht: „Wir überprüfen nicht nur die Spieler, sondern hinterfragen auch uns.“ Und zumindest gesteht er, dass er bei Einwechslungen zuletzt nicht immer ein glückliches Händchen hatte.

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