Lange Flaute, doch Eichin lobt die Einstellung: „Solche Jungs brauchen wir“

Nils Petersen und sein täglicher Traum vom Tor

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Werder-Stürmer Nils Petersen wartet schon lange auf sein sechstes Saisontor. Trotzdem sind die Bremer Verantwortlichen nicht unzufrieden mit dem 25-Jährigen. ·

Bremen - Nils Petersen ist eben ein waschechter Stürmer – und manchmal verfolgt ihn das bis in den Schlaf. Er habe, gestand Werders Angreifer gestern mit einem Schmunzeln, schon mal davon geträumt, ein Tor zu schießen: „Dann bin ich morgens aufgewacht, und es war leider doch nicht so.“

Das ist lange her, ergänzte der 25-Jährige noch. Der sehnliche Wunsch nach einem persönlichen Erfolgserlebnis begleitet ihn aber noch immer. „Ich träume jeden Tag davon“, sagt Petersen.

In letzter Zeit sogar noch intensiver, denn bei Werders Nummer 24 herrscht totale Flaute. Beim 2:3 in Berlin hat Petersen am 16. Dezember 2013 sein letztes Bundesliga-Tor geschossen (und auch seine letzte Vorlage geliefert). Seither wartet und träumt er. Drei Monate lang – oder, umgerechnet: 648 Minuten. Im vergangenen Jahr hatte er saisonübergreifend schon mal eine lange Durststrecke: Damals waren es sogar 1 366 Minuten, ehe er im Nordderby gegen den HSV per Doppelpack den Bann brach. Petersen selbst zählt die Minuten nicht, weiß aber: „Es ist eine schwierige Phase. Meine Quote ist bei weitem nicht optimal.“

Mit fünf Saisontreffern ist er allerdings noch immer Werders bester Schütze, dicht dahinter folgen Aaron Hunt und Eljero Elia (je vier). „Ich glaube, mit so wenigen Toren vorne zu sein, gab es lange nicht mehr in Bremen. Und das ist bestimmt der schlechteste Wert der Liga“, mutmaßt Petersen. Richtig gedacht, in der Top-Torjägerliste ist keiner der 17 anderen Clubs schlechter als Werder.

Dass Petersen durchschnittlich nur alle vier Spiele trifft und in letzter Zeit gar nicht mehr, hat drei Hauptgründe. Erstens die verschütt gegangene Kaltschnäuzigkeit. „Gegen den HSV oder Gladbach hatte ich zum Beispiel meine Möglichkeiten, habe sie aber nicht genutzt“, sagt Petersen. Zweitens bekommt er weniger Einsatzminuten. Trainer Robin Dutt wechselte ihn in der Rückrunde in acht Spielen bereits fünf Mal aus, nur gegen Braunschweig und Hamburg durfte er durchspielen. Sein Status als Stürmer Nummer eins bröckelt. Und drittens das geänderte Bremer System. Nominell sind seit einigen Wochen in Franco Di Santo (zwei Saisontore) und Petersen zwei Stürmer auf dem Platz. Beide können sich aber nicht vorne austoben, sondern sollen auch sehr viel Defensivarbeit verrichten – das geht zu Lasten der eigenen Torgefahr. „Das ist nicht der attraktivste Spielstil, aber für uns momentan der erfolgreichste. Das Wichtigste ist, dass hinten die Null steht. Und ich trage meinen Teil dazu bei“, meint Petersen.

Die Mannschaftsdienlichkeit des Ex-Bayern ist auch das, was die Verantwortlichen derzeit am meisten an ihm schätzen. „Nils geht viele Wege, arbeitet sehr gut im Pressing, reißt Löcher für andere und hat viele gute Aktionen ohne Ball. Sein Stellenwert ergibt sich auch daraus, wie Franco Di Santo sich bei uns gesteigert hat. Es funktioniert gut“, findet Dutt. Und Sportchef Thomas Eichin urteilt: „Ich bin sehr zufrieden mit Nils. Für ihn sind die Tore wichtig, ich messe ihn aber nicht nur an den Buden. Er hält sich prima an die Vorgaben des Trainers, ist ein Teamplayer, macht seinen Job für die Mannschaft – und nur das zählt momentan. Nicht, dass ein Einzelner geniale Aktionen hat.“ Petersen sei „ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft – auf dem Platz und in der Kabine. Er ist ein richtiger Typ, hat eine sehr gute Einstellung. Solche Jungs brauchen wir“, schwärmt Eichin. Und bald, glaubt der Sportchef, klappt es auch wieder mit den Toren: „Das Schussglück wird wiederkommen.“

Petersen freut sich über die warmen Worte: „Schön, wenn die Offiziellen erkennen, dass man sich reinhaut und alles für die Mannschaft gibt. Das baut einen auf, ist ein kleiner Trost.“ Richtig zufrieden ist er aber erst, wenn er wieder trifft, räumt Petersen ein: „Das Tor fehlt, um sehr glücklich zu sein.“ · mr

Die Top-Torjäger der Bundesliga

1. Bayern München Mario Mandzukic. 17 Tore

2. Borussia Dortmund Robert Lewandowski. 15 Tore

Hertha BSC Adrian Ramos 15 Tore

4. 1899 Hoffenheim Roberto Firmino 13 Tore

5. 1. FC Nürnberg Josip Drmic 12 Tore

Borussia M‘gladbach Raffael 12 Tore

7. Bayer Leverkusen Stefan Kießling 11 Tore

Hamburger SV Pierre-Michel Lasogga 11 Tore

FSV Mainz 05 Shinji Okazaki 11 Tore

10. FC Augsburg André Hahn 10 Tore

VfB Stuttgart Vedad Ibisevic 10 Tore

12. FC Schalke 04 Klaas-Jan Huntelaar 9 Tore

13. Hannover 96 Mame Diouf 8 Tore

VfL Wolfsburg Ivica Olic 8 Tore

15. SC Freiburg Admir Mehmedi 7 Tore

16. Eintracht Frankfurt Alexander Meier 6 Tore

Eintr. Braunschweig Domi Kumbela 6 Tore

18. Werder Bremen Nils Petersen 5 Tore

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