DeichBlick-Kolumne: Nils Petersen schreibt für die DeichStube

„Rashica ist eine der schärfsten Waffen in der Bundesliga“

Die DeichBlick-Kolumnisten von links nach rechts: Thomas Schaaf, Nils Petersen, Klaus Allofs, Rolf Fuhrmann und Sebastian Prödl.

Von Nils Petersen. Werder und die Chancenverwertung – sie haben wieder zueinander gefunden: Drei Treffer beim BVB, vier Dinger gegen Augsburg. Mittendrin der angebliche „Chancentod“ Milot Rashica.

Von wegen! Und wenn der Knoten erst mal geplatzt ist, geht vieles von alleine. Ja, das ist eine beliebte Floskel im Fußball, aber es steckt einfach sehr viel Wahres drin.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Eine Torflaute kann dich als Stürmer wirklich kirre machen. Ich kann mich gut an eine Phase bei Werder erinnern, in der ich einfach nicht getroffen habe. Anfänglich sagst du dir: „Okay, das war nicht dein Tag, weiter geht's.“ Aber je länger die Phase andauert, desto mehr passiert im Kopf: Woran liegt es? Mache ich 'was anders? Was kann ich tun?

Nachts vom Toreschießen geträumt

Für die Medien ist das dann eine gute Geschichte: Die Minuten ohne Tor werden gezählt, die Konkurrenz gepusht und Schlagzeilen gemacht – das bekommst du als Spieler mit, dem kannst du nicht entfliehen. Ich habe damals nachts geträumt, wie ich Tore mache – und bin dann enttäuscht aufgewacht: Ach, da war ja 'was!

Daraufhin habe ich vieles versucht, um den Schalter umzulegen: Andere Schuhe ausprobiert, im Training zusätzliche Torschuss-Schichten eingelegt, mich selbst stark geredet und mental an mir gearbeitet. Aber was mir am meisten geholfen hat: Videomaterial vergangener Tore ansehen. Daraus habe ich Selbstbewusstsein gezogen: „Mensch, du kannst es doch eigentlich!“

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Glück beim Tor hebt dich mental auf ein anderes Level

Fußball ist zu mindestens 50 Prozent Kopfsache. Nun bin ich kein Psychologe, und deswegen kann ich das nicht ausreichend erklären, aber wenn nach einer Torflaute dann mal wieder einer reingeht, ist das ein unbeschreibliches Glücksgefühl, das dich mental wieder auf ein anderes Level hebt. Manchmal reicht ein kurzer, entscheidender Moment, um den Knoten zum Platzen zu bringen und wieder in einen Fluss zu kommen: Plötzlich gehen Dinger rein, die fast unmöglich sind – und manchmal springt sogar ein Tor des Jahres dabei heraus.

Und Milot Rashica? Der ist in der aktuellen Form eine der schärfsten Waffen in der Bundesliga. Sein Tempo, seine Fähigkeiten im Eins-gegen-eins sind im Zusammenspiel mit der neu entdeckten Abschlussstärke kaum zu verteidigen. Da möchte man kein Abwehrspieler sein oder muss auf Bremer Chancenwucher hoffen. Aber wenn der Knoten erst mal geplatzt ist...

Nils Petersen

Zur Person: Nils Petersen kam 2012 vom FC Bayern München zum SV Werder. Für die Grün-Weißen erzielte er in 72 Pflichtspielen 18 Tore und bereitete neun weitere vor, ehe er im Januar 2015 zum Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg transferiert wurde. Im Breisgau ist Petersen – wie auch schon in Bremen – Publikumsliebling. Kurz vor der WM 2018 feierte er mit 29 Jahren sein Debüt im deutschen Nationalteam.

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