Raphael Wolf über seine Rolle als Ersatztorwart

„Es ist nicht so leicht auf der Bank“

+
Die Leiden eines Ersatzkeepers: „Du wirst am Wochenende nicht für dein Training belohnt“, erklärt Raphael Wolf. ·

Bremen - Parkplatz Weserstadion, kleiner Plausch mit Raphael Wolf – plötzlich ertönt eine bekannte Stimme: „Beginnt jetzt die Hetzjagd?“ Die Frage kommt von Sebastian Mielitz, dem Gewinner im Kampf um die Nummer eins im Tor des SV Werder.

Der 23-Jährige lächelt, wohl wissend, dass Kontrahent Wolf ganz bestimmt nicht öffentlich Rabatz machen wird. Das würde nicht zu ihm passen. Wolf ist zwar selbstbewusst, aber fair. Er akzeptiert seine aktuelle Rolle, wenn auch mit Bauchschmerzen.

„Es ist nicht so leicht auf der Bank“, gesteht der 24-Jährige und blickt kurz zurück: „Ich habe schließlich drei Jahre in Österreich durchgespielt.“ Beim SV Kapfenberg. Dort war Wolf ein Star, wurde am Ende mit viel Tamtam verabschiedet, obwohl der Club abgestiegen war. Wolf wagte den Sprung zurück nach Deutschland, wo er im Nachwuchs des Hamburger SV und der SpVgg Unterhaching gespielt hatte.

Sprints und Fußballtennis beim Training

Sprints und Fußballtennis beim Werder-Training

Werder holte ihn, um Mielitz Druck zu machen. Der Nachfolger von Tim Wiese, den die Bremer nach Hoffenheim ziehen ließen, startete mit einem kleinen Vorsprung in die Vorbereitung – und dabei blieb es auch. „Der Trainer hat gesagt, dass ,Miele“ einen Tick vorne ist, er ihn schon länger kennt und ihm deshalb das Vertrauen schenkt“, berichtet Wolf von dem entscheidenden Gespräch mit Coach Thomas Schaaf vor dem Pokalspiel in Münster. Die Sache mit dem Vertrauen findet Wolf sogar gut: „Das braucht man als Torwart, das ist wichtig.“ Dass er leistungsmäßig etwas zurückliegt, möchte er nicht groß kommentieren: „Der Trainer hat so entschieden, das habe ich zu akzeptieren.“

Wolf ist kein Lautsprecher, aber auch kein Leisetreter. „Ich weiß, was ich kann. Es war richtig, zu Werder zu wechseln. Das ist ein toller Club“, sagt er. Den Vorwurf, dass er nur in Österreich gespielt habe, kontert er mit Humor: „Hier wird nicht härter geschossen als in Österreich, außer wenn Marko Arnautovic draufhaut, aber der kommt ja auch aus Österreich.“ Wolf schmunzelnd. So lässt sich die Reservistenrolle besser ertragen. Denn zufrieden ist er natürlich nicht.

„Man darf ruhig mal enttäuscht sein“, gesteht der gebürtige Münchner. Zuspruch von Familie oder Freunden habe er nach der für ihn negativen Entscheidung des Trainers aber nicht gebraucht. „Ich bin mental stark genug, um jetzt nicht den Kopf hängen zu lassen“, versichert der 24-Jährige: „Rückschläge gehören im Sport dazu.“

Und so hart das auch klingen mag: Im Prinzip muss Wolf nun auf Rückschläge seines Konkurrenten warten. Denn macht Mielitz keine größeren Fehler, fliegt nicht vom Platz oder verletzt sich nicht, dann bleibt er die Nummer eins. Ein heikles Thema. „Es kann halt nur einer spielen. Ich wünsche ,Miele“ nichts Böses“, sagt Wolf. Es klingt ehrlich. Aber natürlich hofft er auf seine Chance: „Ich muss hellwach sein, wenn ich gebraucht werde.“ Deshalb gibt er im Training Vollgas, bereitet sich auf jedes Spiel so vor, als würde er an diesem Tag im Werder-Tor stehen. Es ist die erlaubte Jagd, mit der auch Mielitz kein Problem hat: „Konkurrenz gehört in diesem Geschäft dazu. Jeder will doch spielen.“ · kni

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

Leaks nach Manchester-Anschlag: Trump verspricht Aufklärung

„Hoya ist mobil“ 2017

„Hoya ist mobil“ 2017

Treckertreffen in Dreeke

Treckertreffen in Dreeke

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Ginsengfest und Mittelalter-Spektakel in Walsrode

Meistgelesene Artikel

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Schierenbeck zu Sargent-Gerücht: „Das ist mir neu“

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

Werders teure Pleite beim BVB: Zwölf Millionen Euro sind futsch

Lukimya verlängert beim Liaoning FC

Lukimya verlängert beim Liaoning FC

Begegnungen für den Telekom-Cup stehen

Begegnungen für den Telekom-Cup stehen

Kommentare