Tierschutzbund-Präsident Schröder fordert von Werder: „Der Club muss mit dem Unternehmen ringen, damit es den Tieren besser geht“

„Nicht alles, was legal ist, ist auch legitim“

Thomas Schröder sieht in der Werder-Wiesenhof-Geschichte durchaus auch die Möglichkeit auf ein Happy End.

Syke - Schon seit Tagen verfolgt Thomas Schröder die Sponsorensuche des SV Werder Bremen. Denn als Präsident des Deutschen Tierschutzbundes hat er natürlich eine ganz eigene Meinung zum Geflügelproduzenten Wiesenhof. Und die gibt der 47-Jährige nun im Interview preis.

Herr Schröder, würden Sie sich als Werder-Fan ein Trikot mit Wiesenhof-Aufdruck kaufen?

Thomas Schröder:Ich kaufe mir keine Trikots mit Firmenwerbung. Dabei entsteht fast immer ein schwieriger Image-Transfer. Für die Konstellation bei Werder gilt das gerade ganz besonders.

Was stört Sie an dem Wiesenhof-Engagement bei Werder?

Schröder:Es geht nicht nur um Wiesenhof, sondern es geht darum, dass wir in Deutschland eine Intensivtierhaltung haben, die legal ist, aber aus unserer Sicht tierschutzwidrig. Wenn sich dann ein Fußballverein auf die Brust schreibt, für eine solche Haltung Werbung zu machen, dann frage ich mich: Wo bleibt der Tierschutz?

Demnach ist der SV Werder ein tierunfreundlicher Verein.

Schröder:Nein, das wäre zu pauschal gesagt. Aber ich würde die Verantwortlichen gerne fragen: Habt Ihr wirklich intensiv diskutiert, welches Vorbild Ihr damit abgebt?

Werder glaubt, dass Wiesenhof durch die erhöhte Aufmerksamkeit als Werbepartner eines Fußball-Bundesligisten nun ein Vorzeigeunternehmen sein muss. Ist das nur ein Lippenbekenntnis, um die Fans zu beruhigen, oder ein ernstzunehmender Ansatz?

Schröder:Ich sehe durchaus eine Chance, dass sich die Diskussion über Tierschutz verstärkt. Ich sehe aber auch Schönrederei, wenn man sagt: Durch die Zusammenarbeit wird das Unternehmen transparenter. Es ist noch keine Transparenz, sein Logo auf eine Brust zu drucken. Entscheidend wird sein: Was macht Werder mit Wiesenhof, und wie wird die Transparenz zur Wahrhaftigkeit?

Was soll Werder machen?

Schröder:Ich würde mir wünschen, dass Werder und die Fangruppen jetzt nicht nur Wiesenhof, sondern alle Unternehmen, die Geflügel herstellen, fragen: Wie geht’s den Tieren? Welche artgerechten Bedürfnisse werden erfüllt? Haben die Tiere Auslauf?

Die Werder-Geschäftsführung behauptet, sie sei vor Ort gewesen, habe sich ein Bild gemacht und wolle dies auch in Zukunft tun.

Schröder:Ich halte es für eine Pflicht, das getan zu haben. Und ich halte es für umso verwunderlicher, dass man trotzdem an einer Zusammenarbeit in der Art festgehalten hat. Es kommt zudem darauf an, mit welchem Blick die Verantwortlichen in die Ställe gehen. Gucken sie nur hin, ob die Haltung erlaubt ist und gesetzlich unangreifbar, oder schauen sie, ob es den Tieren wirklich gutgeht. Wiesenhof und vergleichbare Unternehmen habe eine legale Haltung. Aber nicht alles, was legal ist, ist auch legitim. Die zudem erhobenen weiteren Vorwürfe haben andere Organisationen recherchiert, die müssen die Beweise vertreten.

Gibt es überhaupt Massentierhalter, mit denen Sie leben können?

Schröder:Nein. Wer die klassische Intensivhaltung vertritt, handelt aus unserer Sicht tierschutzwidrig. Das heißt nicht, dass sich die Unternehmen nicht verändern können. Vielleicht besteht mit Werder eine Chance. Wir werden das kritisch beobachten und nachhalten: Ist das nur ein Werbegag und ein Deal, um als Verein Millionen einzunehmen oder stellt sich Werder wirklich der Verantwortung, mit dem Unternehmen zu ringen, damit es den Tieren besser geht.

Was bezweckt Wiesenhof?

Schröder:Da ist sicherlich die regionale Nähe zu Werder. Aber natürlich ist da auch der Versuch, ein Image zu korrigieren. Fußball ist sympathisch, das will ein Unternehmen auf sich übertragen. Dabei ist Glaubwürdigkeit entscheidend – und die kann in diesem Fall nur bedeuten: Macht die Ställe auf, zeigt sie der Öffentlichkeit und lasst die Tiere raus!

Gibt es überhaupt eine Alternative zur Massentierhaltung, die alle satt macht und die auch alle bezahlen können?

Schröder:Ja. Bio ist ein Beispiel – oder Neulandfleisch, deren Landwirte haben sich der besonders tiergerechten Haltung verschrieben. Das gibt es auch in Bremen. Es gibt auch die Möglichkeit für die Stadionbetreiber, auf Bio-Fleisch umzusteigen und das vegetarische Angebot zu erweitern. Das wäre ein wirklicher Beweis der Glaubwürdigkeit durch Werder. Natürlich ist es immer eine Preisfrage, aber es ist auch eine Frage von Fleischkonsum. Der höhere Preis wird erst zur Last, wenn ich meinen Fleischkonsum nicht ändere. Jeder isst heute jeden Tag ein Stück Fleisch, weil es billig ist. Man kann auch verzichten.

Was raten Sie den Werder-Fans, die mit Wiesenhof als Hauptsponsor nicht leben können?

Schröder:Das sofort Werder Bremen zu schreiben und eindeutig mitzuteilen: Ich möchte kein Ticket haben, auf dem zu Fleischkonsum angeregt wird. Die Fans müssen jetzt laut werden, es ist auch ihr Verein.· kni

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