Im neuen System bekommt offenbar auch Sokratis eine andere Rolle

Ein Irrwisch für das Mittelfeld

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Trainer Thomas Schaaf redet auf Sokratis ein: „Papas hat die Qualität, auch in der Offensive Akzente zu setzen.“

Bremen - Thomas Schaaf schnappte sich Sokratis, baute sich vor ihm auf. Klares Zeichen: Jetzt gibt’s Erklärungen. Der Trainer von Werder Bremen redete auf seinen besten Abwehrspieler ein, zeigte hier hin, zeigte dort hin. Was hat der Trainer vor? Das Geheimnis lüftete sich im anschließenden Trainingsspiel. Schaaf will seinen Abwehrchef ins Mittelfeld verpflanzen.

Nichts anderes als ein Sieg zählt morgen (15.30 Uhr), wenn Werder das Bundesliga-Schlusslicht Greuther Fürth empfängt. Gelingt es, wären die Bremer ihre Abstiegssorgen wohl so gut wie los. Und damit es gelingt, tüftelt Schaaf weiter an seiner kleinen System-Revolution. Dass er dabei vor großen Namen nicht Halt macht, hat die Verbannung von Stars wie Aaron Hunt und Marko Arnautovic auf die Bank bewiesen. Nun ist in Sokratis der Nächste dran. Aber der Grieche, zuletzt noch gesperrt, wird nicht zu den Reservisten verschoben, sondern nach vorne. Der angeblich vom AC Florenz umworbene Innenverteidiger (siehe Text unten) agierte im Mittelfeld neben Tom Trybull als zweiter Sechser. Vielleicht war das nur ein Gedankenspiel des Trainers, ein Test. Vielleicht ist die Entscheidung bei Schaaf aber auch schon gereift. In jedem Fall entbehrt es nicht eines gewissen Charmes, sich Sokratis als Abräumer und Antreiber vorzustellen. Jeder weiß schließlich, wieviel defensive Qualität, aber auch Power und Vorwärtsdrang in dem 24-Jährigen stecken.

Sokratis hatte es gezeigt bei jenem vermaledeiten 0:1 gegen den FC Augsburg. Er war von vorne nach hinten und wieder zurück gerannt. Hatte rechts ge-

rackert und war links bis zur Eckfahne gestürmt. Ein Irrwisch in einem ansonsten lahmen Team. Schaaf musste bei dem Gedanken an den griechischen Tausendsassa, den er da gesehen hatte, kurz lachen. „Papas“, sagte er und meinte Sokratis, „hat die Qualität, nicht nur in der Defensive gut zu agieren, sondern auch in der Offensive Akzente zu setzen.“ Und er wolle ihn in seinem Vorwärtsdrang auch gar nicht bremsen, sagte Schaaf gestern Mittag auf der Pressekonferenz vor dem Fürth-Spiel: „Wenn er das mal in die Hand nimmt, ist das sehr gut, sehr sinnvoll. Wir sind mit diesen Aktionen sehr zufrieden. Jeder Spieler hat seine Besonderheit, seine Individualität – die voll einzubringen, schadet nie.“

Während der Übungseinheit am Nachmittag unterfütterte der Coach die eigenen Worte dann mit der Maßnahme, die Viererkette personell so zu belassen, wie sie beim 1:1 in Gladbach besetzt war (mit Assani Lukimya und Mateo Pavlovic in der Mitte), und Sokratis eine neue Rolle zu verordnen.

Die gestenreichen Erklärungen mussten freilich sein. Denn im defensiven Mittelfeld war Sokratis bisher eigentlich nur auf Durchreise. Ihn dort zu stationieren, wäre ungewöhnlich, räumte er selbst ein. „Ein, zwei Mal“ habe er die Position in seiner Karriere schon gespielt, häufiger nicht. „Aber das heute war Training. Wer weiß, was wir im Spiel machen.“

Sokratis wäre die Option, die Schaaf ziehen kann, um das Team, das in Gladbach eine kämpferisch einwandfreie Leistung gezeigt hatte, kaum zu verändern. Er braucht nur einen Ersatz für den verletzten Clemens Fritz. Sokratis eben. Gestern beließ Schaaf es tatsächlich bei dieser einen Neubesetzung, ansonsten formierte sich die Mannschaft des letzten Wochenendes – ohne Hunt, Arnautovic, Mehmet Ekici und Eljero Elia.

Taktik ist das, „was man da so aufmalt“

Es spricht einiges dafür, dass der Coach die Stars erneut draußen lässt und auch an der taktischen Formation festhält. Wenngleich letzteres mehr ein Thema für die Öffentlichkeit sei, aber nicht für ihn, erklärte der 51-Jährige. „Was man da so aufmalt“, sagte er und meinte das Taktikboard, „ist nicht so wichtig. Entscheidend ist die Handlung auf dem Platz und wie jeder Einzelne aktiv ist.“ Das habe sein Personal in Gladbach im Vergleich zu den drei Niederlagen zuvor „schon wesentlich besser gemacht“.

Gründe, etwas zu ändern, sind für Schaaf offenbar nicht ersichtlich. Auch nicht vor dem Hintergrund, dass gegen die im Grunde schon abgestiegene Spielvereinigung mehr Sturm und Drang gefordert ist als bei der Borussia. Schaaf schreibt seiner Truppe auch ohne das offensive Ersatzbank-Quartett genug Angriffslust zu: „Wir hatten in Gladbach mehr Torschüsse, mehr Flanken. Wir haben gezeigt, dass wir auch nach vorne spielen.“ Morgen vielleicht sogar mit Sokratis als Antreiber. · csa/kni

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