Werder gibt bescheidenere Ziele aus als in der Vergangenheit / Marcelo Moreno verspätet

Neue Töne statt neuer Gesichter

Neuzugang Marcelo Moreno verpasste den Trainingsauftakt, war aber auf dem Laufsteg als Trikot-Model pünktlich.

Werder-Bremen - BREMEN n Werder ist wieder im Einsatz. Naja, wenigstens ein Großteil von Werder. Mit 23 Spielern nahm der DFB-Pokalsieger und UEFA-Pokal-Finalist gestern Nachmittag die Vorbereitung für die Saison 2009/2010 in Angriff. Doch der Neustart vollzog sich ohne viele Stars – und ohne Neuzugänge. Dass Marko Marin noch fehlen würde, war klar.

Dass aber auch der Bolivianer Marcelo Moreno beim Trainingsauftakt durch Abwesenheit glänzen würde, war so nicht geplant.

Südamerikaner – seit Ailtons willkürlichem Treiben am Ende der Urlaubszeit weiß man das – kommen mitunter gerne zu spät. Doch Moreno war laut Trainer Thomas Schaaf entschuldigt: „Er war in den vergangenen Tagen krank und hat deshalb einen späteren Flug genommen.“ Erst am späten Nachmittag traf er in Bremen ein. Sein erster Auftritt fand deshalb nicht auf dem Platz, sondern auf dem Laufsteg statt. Moreno präsentierte am Abend das neue Werder-Trikot (siehe oben) – irgendwie passend für einen, dem eine Liaison mit Model und „Miss Latino World 2004“, Jessica Jordan, nachgesagt wird.

Ab heute ist dann aber doch „Fußball“ angesagt für den 22-jährigen Stürmer. Moreno lernt die Nordseeinsel Norderney und deren wundervolle Laufstrecken kennen.

Dem Trainingsauftakt mit Laktattest hätte der bolivianische Nationalspieler aber auch schon gut getan. Doch statt neuer Gesichter bot der erste Tag der neuen Saison nur neue Töne. Denn beim Ausblick auf die anstehende Saison träumt Werder nicht wie in den vergangenen Jahren von Champions League und Meisterschaft. Nein, die Ziele des Zehnten der vergangenen Spielzeit sind bescheidener geworden. Nachdem er zunächst ein paar fade Selbstverständlichkeiten formuliert hatte („Unser Ziel ist es, in der Bundesliga konstantere Leistungen zu zeigen. Wir wollen uns besser platzieren als letztes Jahr“), gab Schaaf immerhin noch „die europäischen Ränge“ als Vorgabe für das Team aus. Doch vom Titel sprach er nicht – und die Spieler machten es ihm nach. Beispiel Torwart Tim Wiese: „Wenn ich jetzt sage, wir wollen Meister werden, bin ich am Ende der Doofe…“

Tatsächlich wäre es auch einigermaßen kess, als Mittelmaß-Zehnter große Luftschlösser zu bauen. Zumal – und das ist der gewichtigere Grund für die neue Bescheidenheit – der aktuelle Kader noch Lücken aufweist. Ob Claudio Pizarro eine Zukunft in Bremen hat, ist dabei die zentrale Frage. Aber auch die mögliche Rückkehr von Tim Borowski spielt eine Rolle. Oder die von Carlos Alberto. „Erstmal“, sagt Sportdirektor Klaus Allofs deshalb, „wollen wir wissen, wie der Kader am Ende aussieht. Dann können wir unsere Ziele formulieren. Das, was wir jetzt vorfinden, ist sicherlich noch nicht der fixe Kader für die Saison.“

Es passiert also noch etwas bei Werder – garantiert. Fürs Erste wäre Thomas Schaaf aber schon froh, das angestammte Personal zur Verfügung zu haben. Per Mertesacker und Daniel Jensen (beide noch in der Reha) sowie Mesut Özil und Sebastian Boenisch (beide Sonderurlaub nach U 21-EM) steigen vermutlich erst nach Abschluss beider Trainingslager wieder ins Tagesgeschäft ein. Marko Marins Urlaub fällt dagegen nicht so lange aus wie der von Özil und Boenisch. Wenn Werder vom 11. bis 19. Juli im österreichischen Bad Waltersdorf trainiert, soll der U 21-Europameister dabei sein. Verkürzter Urlaub aus Integrationsgründen. Schaaf: „Normalerweiser braucht er mehr Erholung. Es ist aber auch wichtig, dass er sich möglichst schnell bei uns einlebt.“ Ein Trainingslager bietet da den besten Rahmen.

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