Gebre Selassie überspringt die Sprachbarriere – und hat mehr Spaß im Mittelfeld

Der neue Theo ist nicht nur auf dem Platz offensiver

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So fröhlich wie selten zuvor bei Medienterminen: Theodor Gebre Selassie fühlt sich viel wohler, seitdem er Deutsch spricht und im Mittelfeld spielt. ·

Bremen - Die Frage nach der passenden Sprache beantwortet Theodor Gebre Selassie mit einem freundlichen „Suchen Sie sich eine aus.“ Die Journalisten sind erstaunt. Bislang hatte man sich mit dem Werder-Profi doch überwiegend auf Englisch verständigt, weil Deutsch auf der einen und Tschechisch auf der anderen Seite noch nicht gesprächstauglich waren. Aber die eine Seite, sprich der Fußballer aus Tschechien, war fleißig. Sehr fleißig sogar.

In bemerkenswert gutem Deutsch wirkt Gebre Selassie plötzlich viel lockerer, viel mitteilungsfreudiger, viel offensiver. Das passt zu seiner Entwicklung auf dem Platz: Werder erlebt gerade den neuen Theo, der heute gegen Hoffenheim als Ersatz des gesperrten Mittelfeldspielers Zlatko Junuzovic ganz wichtig ist.

„Theo kann wie Zlatko die nötige Balance in unser Spiel bringen“, sagt Robin Dutt. Der Trainer hat aus dem reinen rechten Verteidiger Gebre Selassie einen Allrounder gemacht. Er setzte den 27-Jährigen in der Hinrunde mehrmals als linken Verteidiger ein – und zuletzt immer häufiger im rechten Mittelfeld: „Theo ist für mich eigentlich gar kein typischer Defensivspieler. Er hat Schnelligkeit, schaltet gut um und ist in der Offensive sehr stark.“ Dutt könnte sich den Tschechen sogar als Stürmer vorstellen. Nur eine Position hat er für Gebre Selassie ganz gewiss nicht mehr auf dem Zettel: „Als ich Theo mal in der Vorbereitung gefragt habe, ob er schon mal Innenverteidiger gespielt hat, da hat er sich abgedreht und ist weggelaufen – bevor ich noch auf blöde Ideen komme . . .“

Die Wertschätzung des Trainers für den Profi, der in dieser Saison bei jedem Spiel im Kader stand, ist nicht zu überhören. Sie bedeutete allerdings in der Vergangenheit nicht immer einen Platz in der Startelf. Nur 14 Mal spielte Gebre Selassie von Beginn an, elf Mal wurde er eingewechselt, fünf Mal blieb er ohne Einsatz. Es ist das Leid eines Allrounders, der darauf hoffen muss, dass ein Spezialist ausfällt. So wie jetzt. Junuzovic fehlt, Gebre Selassie ist wie immer da – und wittert seine Chance, nicht nur für diese eine Partie. „Wenn Sie mich fragen, wo ich am liebsten spiele, dann sage ich Ihnen: Im Mittelfeld“, berichtet der 27-Jährige und fügt noch strahlend an: „Mir macht das da am meisten Spaß. Ich bin selbst ein wenig davon überrascht.“ Denn eigentlich hatte er sich auf seiner rechten Seite ganz gut eingerichtet. Dort spielt Gebre Selassie schließlich auch in der Nationalmannschaft – und machte bei der EM 2012 die Werder-Fans auf sich aufmerksam. Da er als Neuzugang gehandelt wurde, stand er unter besonderer Bremer Beobachtung. Direkt nach Tschechiens EM-Aus schnappte der damalige Manager Klaus Allofs zu – und bekam dafür viel Lob, weil der Außenverteidiger stark gespielt hatte.

Doch Gebre Selassie wurde diesen Vorschusslorbeeren nur selten gerecht. „Mein Start in Bremen war nicht optimal“, erinnert sich der Tscheche mit äthiopischen Wurzeln: „Ich kam in eine neue Stadt, keiner sprach meine Sprache. Ich fühlte mich allein.“ Es soll nicht als Ausrede klingen. Aber jetzt, wo er so gut Deutsch spricht, wird ihm selbst erst bewusst, wie sehr ihn die Sprachbarriere blockiert hat: „Wenn plötzlich in der Kabine alle lachen, weil einer einen Witz gemacht hat, und du hast nichts verstanden, dann ist das nicht schön.“

Aber das ist vorbei. Jetzt witzelt Gebre Selassie mit. „Ich fühle mich viel besser, mir geht es gut“, sagt er und strahlt wie selten zuvor in solchen Runden. Das Lob für sein gutes Deutsch nimmt er allerdings nur zurückhaltend an: „Ich bin ja schon seit zwei Jahren hier.“ Aber er musste auch bei Null anfangen. In der Schule hatte er sich für Englisch und gegen Deutsch entschieden. So wurde jetzt in Bremen ordentlich gebüffelt – zwei Mal die Woche jeweils 90 Minuten.

Gegen diesen Rhythmus hätte er auch auf dem Platz nichts einzuwenden. Denn erstens wäre er dann Stammspieler („Natürlich ist das mein Ziel“) und zweitens Werder wieder international vertreten. Aber derlei Gedankenspiele verbieten sich für einen Profi im Abstiegskampf. „Wir müssen so schnell wie möglich die nötigen Punkte holen, damit wir Ruhe haben“, fordert Gebre Selassie und hat dabei keine Angst vor der Tormaschine aus Hoffenheim: „Wenn wir gewinnen, können ruhig ganz viele Tore fallen.“ · kni

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