Der neue Aufsichtsrat Marco R. Fuchs im Interview / „Wir sind die Herausforderer der Großen“

„Die Sterne stehen gut für Werder“

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Mit Satelliten-Modell und Werder-Fähnchen: Der neue Aufsichtsrat Marco R. Fuchs.

Bremen - Seine Berufung in den Aufsichtsrat des SV Werder war eine echte Überraschung: Marco R. Fuchs hatte Ende vergangenen Jahres niemand auf dem Zettel. Dabei ist der 52-jährige eine große Nummer – nicht nur in Bremen, sondern weltweit und sogar im Universum. Denn Fuchs ist Vorstandsvorsitzender des Bremer Luft- und Raumfahrtunternehmens OHB, das zum Beispiel die Satelliten für das europäische Milliarden-Projekt Galileo baut. OHB beschäftigt europaweit 2000 Mitarbeiter und hat durchaus Gemeinsamkeiten mit Werder. Welche, verrät Fuchs im Interview – und er schließt sogleich ein größeres finanzielles Engagement beim Bundesligisten aus.

Herr Fuchs, als Raumfahrtexperte können Sie ja in die Sterne sehen – also raus damit: Hält Werder die Klasse?

Marco Fuchs: Ja klar! Die Sterne stehen gut für Werder.

In der Tabelle ist davon aber nichts zu sehen.

Fuchs: Der 16. Platz ist natürlich nicht so gut, aber die ganze zweite Hälfte der Bundesliga muss sich um den Klassenerhalt kümmern. Ich bin gar nicht so unglücklich mit unserer Hinserie. Seit dem Trainerwechsel spielt die Mannschaft erfrischend, es werden junge Spieler gebracht, das stimmt mich optimistisch.

Wie fiebern Sie auf der Tribüne mit?

Fuchs: Ich springe schon auf, aber meine Frau ist noch lebendiger.

Sie sind am Sonntag gegen Berlin zum ersten Mal als Aufsichtsratsmitglied im Weserstadion. Wird sich das anders anfühlen als sonst?

Fuchs: Ich bin seit über 40 Jahren im Stadion und habe immer mitgefiebert. Ich glaube nicht, dass sich etwas ändern wird.

Sie werden viele Hände schütteln müssen.

Fuchs: Es war wirklich interessant, als das mit dem Aufsichtsrat bekannt wurde. Darauf bin ich von so vielen angesprochen worden. Werder ist etwas ganz Besonderes in Bremen, und auch außerhalb.

Warum sind Sie Aufsichtsrat geworden?

Fuchs: Ja das weiß ich auch nicht so genau (lacht). Nein, ich bin von Marco Bode angesprochen worden. Da habe ich mich schon geschmeichelt gefühlt. Ich finde es gut und schließlich bin ich ja schon immer Werder-Fan.

Worin sehen Sie Ihre Aufgabe als Aufsichtsrat?

Fuchs: Die Verantwortlichen in der Geschäftsführung zu unterstützen und am Rande dazu beizutragen, dass alles gut läuft.

Wie wird diese Unterstützung konkret aussehen?

Fuchs: Das kann ich noch gar nicht so genau sagen, weil wir noch gar keine offizielle Aufsichtsratssitzung hatten. Es gibt ja keine Jobbeschreibung bei so einem Mandat.

Wenn bei einem Fußball-Club ein neuer Aufsichtsrat einsteigt, der auch noch ein erfolgreicher Unternehmer ist, träumen die Fans gleich vom großen Geld. Wird die OHB AG ihr Sponsoring bei Werder ausweiten?

Fuchs: Nein, als börsennotiertes Unternehmen machen wir an Öffentlichkeitsarbeit nur das, was mit unserem Geschäft im Einklang ist. Für uns macht Bandenwerbung zum Beispiel gar keinen Sinn, weil wir keine Konsumgüter herstellen. Unser Klein-Sponsoring bei Werder im Team 11 hat den Hintergrund, dass wir in Bremen sitzen und stolz darauf sind. Wir wollen mit Bremen identifiziert werden und keine heimatlose Firma sein.

Könnten Sie als Investor einsteigen?

Fuchs: Nein, das würde auch nicht passen. OHB baut Satelliten – und das ist schwierig genug.

Wie sieht die Zukunft von OHB aus – und was bedeutet das für Bremen?

Fuchs: Wir hatten ein gutes Jahr, haben viel zu tun und stellen nach wie vor ein.

OHB hat sich auch gerne mit den Großen der Branche angelegt und dabei oft gewonnen – so wie einst Werder. Gibt es weitere Gemeinsamkeiten?

Fuchs: Das ist typisch bremisch: Wir sind die Herausforderer der Großen! In Bremen versucht man, aus den Mitteln, die man hat, immer das Größtmögliche zu machen. Denn das hier ist kein Standort, der dir den Erfolg garantiert, du musst dich ganz schön anstrengen.

Könnte Werder vom Know-how Ihres Unternehmens profitieren?

Fuchs: Da muss ich überlegen. Vielleicht von der Raumaufteilung (lacht).

Sie haben mal in einem Interview gesagt, dass Sie als Kind gerne Fußball-Profi geworden wären…

Fuchs: …so wie sich das fast alle Kinder wünschen. Ich habe aber gar kein Fußball gespielt, sondern Handball in Huchting.

Würden Sie gerne mit einem Fußball-Profi tauschen?

Fuchs: Also, wenn ich 22 wäre, dann fände ich es schon cool, am Sonntag im Weserstadion gegen Berlin zu spielen. Fußball-Profi ist schon einer der glanzvollsten Berufe, aber ich möchte jetzt nicht mehr tauschen.

Sie sind täglich mit der Raumfahrt beschäftigt, träumt man dann auch von einem eigenen Flug ins All?

Fuchs: Ich würde das schon gerne machen, wenn es irgendwann mal touristische Flüge geben sollte. Alle Astronauten, die ich getroffen habe, schwärmen von diesem einen magischen Moment: Den Blick auf die Erde als Ganzes und die Verletzlichkeit der Atmosphäre, die so dünn erscheint.

Was passiert eher – der nächste Titelgewinn von Werder oder der erste bemannte Flug zum Mars?

Fuchs: Das ist doch ganz klar, denn bis zum ersten Mars-Flug dauert es noch ziemlich lange.

2030 wird angepeilt.

Fuchs: Selbst, wenn es so früh wäre, würde ich die Wette eingehen: Werder holt schon vorher einen Titel!

Und Ihr Tipp für Sonntag gegen Berlin?

Fuchs: Ein klassisch kaltes 2:0 – mit viel Frieren.

kni

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