Eljero Elia freut sich auf Ex-Club HSV

„Natürlich bin ich super-motiviert“

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Ein Gespräch über Fußball, Tattoos und Twitter: Eljero Elia (l.) mit Kreiszeitungs-Sportredakteur Malte Rehnert. ·

Bremen - Eljero Elia ist in dieser Woche ganz klar der gefragteste Gesprächspartner bei Werder Bremen. Der 25-Jährige hat eben eine Vergangenheit beim Nordrivalen Hamburger SV – und der kommt am Samstag (15.30 Uhr) zum Derby ins Weserstadion.

Im Interview spricht der niederländische Außenstürmer aber auch über seine Ziele mit Werder, sein Ronaldo-Tattoo, seine musikalische Begabung und sein Berufsziel nach der aktiven Fußballkarriere.

Die wichtigste Frage gleich vorweg: Welche Stadt ist schöner: Bremen oder Hamburg?

Eljero Elia:Sie sind verschieden. Hamburg ist eine große Stadt, Bremen kleiner. Aber ich liebe beide.

Welche Stadt steht am Ende der Saison weiter oben in den Tabelle?

Elia:Bremen! Hundertprozentig.

Und wie weit oben?

Elia:Wir wollen zurück nach Europa. Wenn wir die ganze Saison so spielen wie in Dortmund, wo wir alle überrascht haben, werden wir das auch schaffen. Ich bin optimistisch, dass wir eine starke Saison spielen.

Beim HSV herrscht nach dem Fehlstart große Unruhe, der Club gilt bereits als Abstiegskandidat. Was trauen Sie Ihrem Ex-Club zu?

Elia:Ich gucke nicht zum HSV, sondern nur auf Werder. Wenn der HSV ein schwieriges Jahr hat, ist das nicht mein Problem. Ich spiele jetzt hier und habe mit dem Thema Hamburg abgeschlossen.

Gibt’s noch Verbindungen zu Spielern aus der Hamburger Zeit?

Elia:Ja, zu Dennis Aogo, Jeffrey Bruma und Jacopo Sala habe ich noch ab und zu Kontakt, zu den anderen nicht mehr.

Sprechen Sie auch vor dem Derby miteinander, provozieren sich ein bisschen – oder herrscht Funkstille?

Elia:Wir werden uns sicher noch unterhalten, aber erst einen Tag vor dem Spiel. Über Fußball und das Derby reden wir dann gar nicht so viel. Bist du gut drauf? Bist du fit? Wie geht's der Familie? Das sind die Themen.

Aber es wird ein ganz besonderes Spiel?

Elia:Ja, es ist mein alter Verein. Natürlich bin ich super-motiviert. Für beide Vereine ist es das große Nordderby – und für uns das erste Heimspiel der Saison, gleich vor vollem Haus. Ich hoffe, alle Fans stehen hinter uns. Dann können wir das Beste aus uns herausholen.

Ist Werder für Sie nach dem Jahr bei Juventus Turin, das Sie meistens auf der Bank verbrachten, ein richtiger Neuanfang?

Elia:Schon. Neuer Verein, neue Spieler, neuer Trainer. Ich fange hier wieder bei Null an. Das erste Spiel in Dortmund war ganz gut, so kann es weitergehen. Ich hoffe, dass ich eine gute Saison spiele.

Wie Sind Sie in Bremen von den Fans aufgenommen worden?

Elia:Sie haben mir sehr geholfen, stehen total hinter mir – obwohl ich mal beim HSV war. Das hat mich am Anfang ein bisschen überrascht. Es gab keinen Fan, der gesagt hat: ,Du bist scheiße, geh weg.‘ Die Fans rufen meinen Namen, tragen Trikots mit meinem Namen, wünschen mir vor jedem Spiel Erfolg – das ist schön, das gibt mir Power.

Mit wem kommen Sie aus der Mannschaft – Ihren alten Spezi Marko Arnautovic mal ausgenommen – am besten klar?

Elia:Mit allen. Alle können zu mir kommen – ich kann zu allen gehen. Wir kommen sehr gut miteinander aus, helfen uns, kritisieren uns aber auch, falls nötig. Wenn jemand zu mir sagt: ,Elli, das musst du so machen‘ oder ,Hier musst du helfen‘ – dann mache ich das. Das zeichnet unsere Mannschaft besonders aus.

Arnautovic und Sie gelten als Spaßmacher der Truppe? Spielen Sie Ihren Mitspielern auch mal Streiche à la Franck Ribery, der seinen Teamkollegen bei Bayern gerne die Schnürsenkel zusammenband?

Elia:Nein, nein. Ich gehe nicht an die Sachen anderer Leute. Wenn einer das bei mir macht, werde ich sauer – und zahle es ihm dann heim. Ich mache einfach gerne ein paar Witze, wenn ich nicht auf dem Platz stehe.

Sie haben viel Geld gekostet, und viele nehmen Ihren bärenstarken Start beim HSV damals als Maßstab. Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Wie gehen Sie damit um?

Elia:Wenn ich Druck habe, kann ich nicht spielen. Ich habe keinen Druck. Und dass ich viel gekostet habe, belastet mich auch nicht. Das ist so im Fußball mit den hohen Beträgen. Wichtig ist, dass du Spaß hast, an dich glaubst und weißt, was du kannst. Wenn du dein Level hältst, ist das alles kein Problem.

Hatten Sie schon Kontakt zum neuen niederländischen Nationaltrainer Louis van Gaal?

Elia:Nein, noch nicht.

Wird er Sie bald anrufen?

Elia:Natürlich wünsche ich mir das. Und wenn ich so weitermache, Tore schieße und Vorlagen gebe, stehen die Chancen nicht schlecht. Ich bin wieder da, spiele auf gutem Niveau und bei einem großen Verein.

Ein großer Fußballer ziert Ihre Wade. Warum haben Sie sich das Gesicht des Brasilianers Ronaldo tätowieren lassen?

Elia:Er ist mein großes Vorbild, seit ich mit Sechs oder Sieben mit dem Fußball angefangen habe. 1994 hatte er sein erstes Jahr bei PSV Eindhoven. Er war 18 Jahre alt und hat angekündigt, dass er 30 Tore macht. Ich habe gedacht: Der ist verrückt! Aber er hat 30 Tore gemacht. Seitdem ist er mein Idol. Egal, wo er war: Inter und AC Mailand, Barcelona, Real Madrid – er hat immer Tore geschossen.

Könnte noch ein anderer Fußballer unter Ihre Haut kommen?

Elia:Auf keinen Fall, nur Ronaldo.

Wie viele Tattoos haben Sie inzwischen?

Elia:Puh, ich weiß es gar nicht, jedenfalls viele. Das ist inzwischen normal für mich, es gefällt mir einfach.

Zur HSV-Zeit gab es mal Ärger wegen eines Tattoos. Sie sollen wegen einer Entzündung ausgefallen sein.

Elia:Das stimmt aber nicht! Ich habe einen Mann, der alle meine Tattoos gestochen hat. Da ist noch nie etwas schiefgegangen. Ich bin damals wegen einer Verletzung am linken Knöchel ausgefallen.

Was haben Sie – außer Körperschmuck – noch für Hobbys?

Elia:Musik machen. R’n’B, Hip Hop, alles. Ich habe zu Hause sozusagen mein eigenes, kleines Studio. Einen Computer und ein Mikrophon. Ich singe aber nicht selbst, sondern mache Beats und spiele Klavier, die Basics eben.

Kann man davon etwas hören oder kaufen?

Elia:Noch nicht. Aber wenn ich mehr Zeit habe, intensiviere ich das bestimmt.

Eine Musikerkarriere nach der Fußballerlaufbahn?

Elia:Nein, das nicht. Ich will später mit Kindern arbeiten, Jugendtrainer werden – in der A-, B- oder C-Jugend.

Ihr Teamkollege Assani Lukimya hat erzählt, er habe im Trainingslager in Donaueschingen drei Mal beim Fußball auf der Playstation gegen Sie verloren.

Elia:Und das, obwohl ich gar nicht so oft spiele! Nur in meiner Freizeit, wenn meine kleine Tochter schläft.

Hat Sie die Playstation auch zum Jubel nach Ihrem Pokal-Tor in Münster inspiriert?

Elia:Nein, das war die Nintendo DS. Im Bus spielen wir online ,Mario Kart‘ mit acht Leuten. Beim letzten Mal habe ich gewonnen. Ich glaube, vor Lukimya und Aaron Hunt.

Sind Sie ein kreativer Jubler, denken Sie sich häufig etwas Neues aus?

Elia:Normalerweise mache ich gar nichts. Das in Münster war einfach ein Spaß. Da dachte ich noch, wir gewinnen das Spiel . . .

Und wie würden Sie am Samstag jubeln?

Elia:Ich weiß nicht, was dann für Gedanken in meinen Kopf kommen.

Als großer Twitter-Fan gibt es hinterher doch bestimmt eine Kurznachricht: Was steht gegen 17.30 Uhr nach dem Nordderby in Ihrem ersten Tweet?

Elia:Nichts. Ich glaube, ich werde da gar nichts schreiben. Und wenn, dann nur, dass ich mich hoffentlich über einen Sieg freue. Das ist alles. Ich kenne noch Leute beim HSV und will keinen verletzen. Ich will einfach gut spielen – und dass danach alle Spieler gesund vom Platz und alle Fans gesund nach Hause gehen. · mr

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