Wesley spricht über seine Verletzung, sein erstes Jahr in Bremen, Grünkohl und seine Liebe zu Gott

„Naldo hat mir Trost gespendet“

Tief religiös: Werders Brasilianer Wesley hat sich ein Zitat aus der Bibel auf die Brust tätowieren lassen. „Ich bete diesen Vers täglich“, sagt der Mittelfeldspieler.

Von Arne Flügge - Sein erstes Jahr bei Werder Bremen hatte sich Wesley sicher anders vorgestellt. Statt um Titel mitzuspielen, wie er es sich gewünscht hatte, kämpfte der Brasilianer gegen den Abstieg und fünf Monate mit einer schweren Verletzung. Im Interview zieht der 23-jährige Mittelfeldspieler Bilanz.

Wesley, sind Sie froh, dass die Saison vorbei ist?

Wesley:Ja. Es ist in diesem Jahr so viel passiert. Es war meine erste Saison in der Bundesliga, wir haben nicht erfolgreich gespielt, mussten lange zittern. Wir müssen diese Saison jetzt abhaken, aus den Fehlern lernen und dann mit positiven Gedanken in die neue Spielzeit starten.

Welche Fehler meinen Sie?

Wesley:Wir müssen alle wieder positiver denken, noch härter arbeiten, und das mit noch mehr Hingabe für den Verein.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit Ihrer ersten Saison für Werder aus?

Wesley:Ich habe mich schnell anpassen können an eine sehr starke Liga. Ich war selbst überrascht, wie schnell ich mich daran gewöhnt und meinen Rhythmus gefunden habe. Ich denke, dass ich am Anfang auch die Erwartungen erfüllt habe. Leider hat mich dann diese langwierige Verletzung (Sehnenriss im Oberschenkel/Anm. d. Red.) brutal zurückgeworfen.

Können Sie das etwas näher beschreiben?

Wesley:Ich war vorher in meiner ganzen Karriere noch nie verletzt. Die fünf Monate waren sehr schwer für mich, ich habe meinen Rhythmus wieder verloren und auch mein Selbstvertrauen. Ich hatte mir einen Stammplatz erkämpft, war mittendrin – umso härter hat mich die Verletzung getroffen und zurückgeworfen. Werder hatte sportliche Probleme, und ich konnte nicht helfen. Doch diese Zeit ist jetzt glücklicherweise überstanden.

Wie sehr hat Ihr Landsmann Naldo Ihnen in der Zeit geholfen – oder waren Sie der größere Seelsorger für ihn?

Wesley:Für jeden Spieler ist es ein Schlag, so lange verletzt zu sein, nicht spielen zu können. Natürlich war Naldo niedergeschlagen, aber ich denke, er hat mir mehr Trost gespendet als ich ihm spenden konnte. Er hat mir zudem unheimlich viel bei den täglichen Dingen des Lebens geholfen.

Wie haben Sie die Stadt und das Umfeld in Bremen kennengelernt?

Wesley:Meine Frau, mein kleiner Hund und ich haben uns hier alle schnell sehr wohlgefühlt. Bremen ist eine ruhige Stadt, das kommt meiner Mentalität entgegen. Der Wechsel nach Deutschland war ein großer Schritt, eine große Herausforderung in meinem Leben. Und ich bin glücklich, hier zu sein.

Wo gehen Sie besonders gerne hin?

Wesley:Ich habe keinen Lieblingsplatz. Ich versuche immer, neue Sachen und Orte kennenzulernen.

Und wie sieht’s mit dem deutschen Essen aus. Haben Sie schon mal Schweinshaxe oder Grünkohl probiert?

Wesley:Nein – glaube ich jedenfalls. Wenn ich in ein Restaurant gehe, versuche ich, deutsche Gerichte zu bestellen. Aber ich kann die Speisekarten noch nicht so gut lesen. Es kann also sein, dass ich mal eines dieser Gerichte gegessen habe . . .

Sie haben sich einen Schriftzug auf die linke Brustseite tätowieren lassen. Was steht drauf?

Wesley:Es ist ein Zitat aus der Bibel, das übersetzt ungefähr bedeutet: „Du bist mein Fels und meine Stärkung, führe mich und gebe mir die Orientierung, wie du es versprochen hast“.

Welche Bedeutung hat diese Passage für Sie?

Wesley:Sie ist mein Begleiter im Leben. Und ich bete diesen Vers täglich, wenn ich Gott um Unterstützung und Beistand bitte.

Sie haben einmal gesagt, Gott habe es Ihnen ermöglicht, Profi zu werden. Wie meinen Sie das?

Wesley: Gott hat mir die Möglichkeit gegeben, dass ich dieses Leben führen kann. Er hat mir die Beine und die Ausdauer geschenkt, die ich für mein Spiel brauche. Dafür bin ich ihm dankbar.

Wie sehr hat Ihnen Ihr läuferisches Vermögen geholfen, in der Liga Fuß zu fassen?

Wesley:Sehr, ganz klar. In der Bundesliga wird nicht nur mehr Wert auf Taktik und Disziplin gelegt. Das Spiel ist viel schneller als in Brasilien. Man hat nicht viel Zeit zum Nachdenken, weniger Freiräume, weil die Mannschaften sehr kompakt stehen. Du hast keine Verschnaufpausen. Und weil ich sehr laufstark und auch lauffreudig bin, hatte ich keine großen Schwierigkeiten mit der Anpassung.

Sie haben im Mittelfeld so ziemlich alle Positionen gespielt, waren zudem auch mal linker und mal rechter Verteidiger. Wo spielen Sie am liebsten?

Wesley:Als zweiter Sechser zentral vor der Abwehr mit Freiheiten für die Offensive – das ist meine Lieblingsposition. Auf der bin ich Nationalspieler geworden. Aber ich kann mich in jedes taktische Konzept einfügen, jede Position spielen. Ich spiele da, wo ich gebraucht werde.

Sie sprachen die Nationalmannschaft an – im Moment spielen Sie dort keine große Rolle mehr.

Wesley:Die Konkurrenz ist riesig. Ich war lange verletzt. Zudem lief es auch im Verein nicht so gut. Es ist sicherlich ein Schritt zurück für mich. Ich muss jetzt einfach wieder gute Leistungen bringen, dann werde ich sicherlich auch bald wieder dabei sein.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung bei Werder. Kann die Mannschaft wieder oben mitspielen?

Wesley:Keiner kann die Zukunft vorhersagen. Doch wir haben eine sehr gute Mannschaft. Ich habe keine Angst davor, dass Werder wieder eine so schlechte Saison spielt.

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