Nagelsmanns mutiges Debüt in Bremen

„Er hat eine ganz klare Linie“

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Cooler Typ: Julian Nagelsmann.

Bremen - Sein 34 Jahre älterer Vorgänger Huub Stevens hätte gebrüllt, wild gestikuliert und wäre immer wieder von der Trainerbank aufgesprungen. Julian Nagelsmann tat nichts dergleichen.

Der mit 28 Jahren jüngste Chefcoach der Bundesliga stand während des 1:1 von 1899 Hoffenheim bei Werder Bremen voll konzentriert in der Coaching Zone, las mit konzentriertem Blick das Spiel und dirigierte seine Profis fast ausschließlich mit sparsamen Armbewegungen. „Ich war nicht nervöser als bei einem U19-Spiel“, berichtete Nagelsmann hinterher. Drei Tage zuvor hatte er noch die A-Jugend trainiert, ehe er sich bei seinem Erstliga-Einstand als cooler Taktik-Freak erwies.

In der Pressekonferenz verriet der junge Mann mit dem fusseligen Bartwuchs aus seiner Gefühlswelt wenig, sagte dazu nur: „Es war ein tolles Erlebnis.“ Ansonsten blieb er sachlich und dozierte wie ein Assistent an der Uni, der für den Professor einsprungen ist, über seine Taktik.

Nagelsmann hatte sein Team defensiv im selten genutzten 3-4-1-2-System spielen lassen, das bei gegnerischem Ballbesitz geändert wurde. Und der Taktik-Zocker verblüffte damit auch den Gegner. „Überrascht“, sei er gewesen, gab Werder-Trainer Viktor Skripnik zu: „Er hat alles richtig gemacht.“ Auch wenn das Remis den Hoffenheimern weniger hilft als den Bremern und die TSG mit einigem Abstand Vorletzter bleibt – dem Trainer-Jüngling gelang ein vielversprechender Start.

Das Überraschungsmoment reichte immerhin zur Führung durch den später mit Gelb-Rot (77.) vom Platz gestellten Andrej Kramaric (10.). Nach dem Ausgleich durch den starken Papy Djilobodji (13.) besaß Bremen indes deutlich mehr Chancen zu einem zweiten Treffer als die TSG.

Djilobodji-Treffer reicht nicht für drei Punkte

„Die Taktik war schon extrem“, sagte Hoffenheim-Keeper Baumann und lobte den jungen Coach: „Er hat da eine ganz klare Art, hat eine ganz klare Linie. So kann es weitergehen.“ Und Nadiem Amiri, der Nagelsmann aus der Jugend gut kennt, berichtete: „Er ist ein mutiger Trainer, der viel mit den Spielern spricht.“

Aber schafft der Neuling beim Vorletzten die notwendige Aufbruchstimmung? „Schon ein bisschen. Man hat schon das Gefühl“, sagte Baumann vorsichtig. „Er kann auch kein Hexenwerk vollbringen“, sagte Verteidiger Ermin Bicakcic.

Ein kleines bisschen aufgeregt wirkte Nagelsmann nur kurz vor dem Ende der Partie, als er mit Bibiana Steinhaus über die lange Nachspielzeit diskutierte. Doch das Gespräch mit der vierten Offiziellen dauerte nicht lange, dann war das Debüt Teil der Bundesliga-Historie. Der Eintrag in die Geschichtsbücher der Liga bedeute ihm „persönlich sehr wenig“, versicherte der junge Mann: „Mir wäre es lieber, wenn irgendwann bei Wikipedia steht, dass wir gemeinschaftlich den Abstieg verhindert haben.“ dpa/sid

 

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