Nächster Chaos-Elfer, nächster Platzverweis, nächste Pleite

Werder im Selbstzerstörungsmodus

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Der Mann des Abends kann in dieser Szene noch gerade so von Jannik Vestergaard gestoppt werden. Später mussten die Bremer mitansehen, wie ausgerechnet der Ex-Werderaner Sandro Wagner Darmstadt mit zwei Treffern zum Sieg schoss.

Darmstadt - Die Blamagen folgen bei Werder Bremen im Moment im Drei-Tage-Takt. Der 0:1-Heimpleite gegen den FC Ingolstadt folgte gestern eine 1:2-Niederlage bei Darmstadt 98. Die deprimierende Bilanz: Aus den beiden Spielen gegen die Bundesliga-Aufsteiger holte das passabel in die Saison gestartete Team von Trainer Viktor Skripnik null Punkte.

Die Kurve zeigt nach den selbst verschuldeten Rückschlägen wieder nach unten. Zumal Werder auch ein Disziplinproblem hat. Nach Philipp Bargfredes Rot am Samstag sah gestern Fin Bartels in der hitzigen Schlussphase die Ampelkarte, wird deshalb am Samstag im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen fehlen. Matchwinner für Darmstadt war ausgerechnet ein alter Bekannter. Sandro Wagner, von 2010 bis 2012 erfolglos bei Werder, erzielte beide Treffer für die Lilien (31./Foulelfmeter, 84.). Aron Johannsson hatte die Bremer in Führung gebracht (19.).

Den ersten Rückschlag hatte Werder schon vor dem Anpfiff hinnehmen müssen. Zlatko Junuzovic war nach seiner starken Erkältung „noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte“, wie Geschäftsführer Thomas Eichin erklärte. Junuzovic blieb deshalb auf der Bank, wo auch Claudio Pizarro zunächst Platz nahm. Statt der beiden Offensivkräfte standen bei Werder auffallend viele Verteidiger in der Startelf. Vor der Viererkette agierten Janek Sternberg im linken Mittelfeld und Alejandro Galvez im defensiv-zentralen Mittelfeld – und zwar als Doppelsechs mit Clemens Fritz.

Es war die volle Portion Defensive, die Chefcoach Viktor Skripnik seiner Mannschaft verordnet hatte. „Wir wollen erstmal sicher stehen“, erklärte wiederum Eichin die von Angst geprägte Maßnahme. Angst vor einer erneuten Blamage wie gegen Ingolstadt.

Die Konsequenz der defensiven Ausrichtung war allerdings nicht mehr Sicherheit bei Werder, sondern mehr Mut bei Darmstadt 98. Im stimmungsstarken Stadion am Böllenfalltor traten die Lilien überhaupt nicht destruktiv auf, sondern legten den Vorwärtsgang ein. Werder stürzte trotz der Maueraufstellung von einer Verlegenheit in die andere. Ein Kopfball des aus Staffhorst stammenden Jan Rosenthal rauschte knapp am Bremer Tor vorbei (11.) und zweimal hatte Schlussmann Felix Wiedwald Glück. Erst kam er bei einer Flanke auf Wagner – neben Luca Caldirola und Peter Niemeyer der dritte Ex-Bremer beim SV Darmstadt 98 – fast zu spät (14.), dann ließ er einen Freistoß nach vorne abprallen. Jannik Vestergaard rettete vor Wagner (16.).

Werder-Pleite in Darmstadt: die Noten

Auf Bremer Gegenangriffe warteten 2500 grün-weiße Fans bis dahin vergebens. Die Offensive fand einfach nicht statt. Bis zur 19. Minute, als Johannsson den ersten echten Bremer Vorstoß direkt mit dem 0:1 abschloss. Anthony Ujah und Flankengeber Theodor Gebre Selassie hatten die Vorarbeit geleistet. Der US-Isländer Johannsson nickte ein. Es war für ihn das erste Bundesliga-Tor aus dem Spiel heraus. Viel hatte nicht gefehlt und er hätte gleich das nächste folgen lassen. Doch nach einem Fehler von Darmstadt-Keeper Christian Mathenia klärte György Garics den Johannsson-Schuss kurz vor der Linie (22.).

Bremen verliert in Darmstadt mit 1:2

Werder hätte die fraglos unverdiente Führung hegen und pflegen müssen, was angesichts der sechs Verteidiger auf dem Platz auch eine lösbare Aufgabe war. Aber die Bremer gaben den Vorsprung leichtfertig her. Wie schon gegen Ingolstadt war es ein Elfmeter, der das Gegentor brachte. Und wie schon gegen Ingolstadt hat die Entstehung des Strafstoßes einen Spitzenplatz in der „Wie-ungeschickt-kann-ich-mich-anstellen“-Wertung sicher. Diesmal war es jedoch nicht Assani Lukimya, der patzte, sondern die Kollegen Vestergaard und Wiedwald. Beide gingen nicht zum Ball, der leicht hätte geklärt werden können. Rosenthal spritzte dazwischen und wurde von Wiedwald gelegt. Folge: Gelb für den Keeper, Elfmeter für Darmstadt und der Ausgleich durch Wagner, der seinen ersten Bundesliga-Treffer seit April 2014 (damals noch für Hertha) erzielte (31.) Kurz vor der Pause hatte Werder Riesenglück, dass Rosenthals Schuss vom Innenpfosten noch aus dem Tor heraussprang (42.).

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Nach 72 Minuten brachte Skripnik dann endlich Zlatko Junuzovic, acht Minuten vor Schluss folgte Claudio Pizarro. Jetzt stand Offensive auf dem Platz – doch das wird Skripnik bereut haben. Denn das Tor machte Darmstadt. Niemeyer passte auf Heller, der an dem aus Angst vor Rot zögerlich herauskommenden Wiedwald vorbei zog und auf Wagner flankte. Kopfball, Tor, Party am Böllenfalltor.

csa

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