Nach Pokal-Coup müssen Punkte her / Eichin: „Wach und scharf sein“

Bremer Auftrag: Glanz auch im dreckigen Abstiegskampf

+
Viktor Skripnik ballt lächelnd die Siegerfäuste, hinter ihm bläst Bayer-Trainer Roger Schmidt enttäuscht die Backen auf.

Leverkusen/Bremen - Die Helden saßen schon auf dem Hosenboden und waren bereit, mit den Fans zu feiern. Aber einer fehlte noch: Claudio Pizarro. Im Eiltempo kam der scheinbar nur äußerlich alternde Peruaner schließlich von der Mittellinie rübergehopst und schmiss sich mitten rein in das Glücksknäuel aus Bremer Spielern, das vor der Gästekurve den Beifall entgegennahm. Es wurde gesungen, gelacht, getanzt – und in diesen Momenten nach dem 3:1-Sieg im DFB-Pokal-Viertelfinale bei Bayer Leverkusen war der dreckige Abstiegskampf in der Liga ganz, ganz weit weg. Beim SV Werder regierte die pure Freude über den Einzug ins Halbfinale. Doch schon am Samstag muss sich wieder gesorgt werden.

1899 Hoffenheim, der Tabellenvorletzte, kommt dann ins Weserstadion. Die Partie ist der Auftakt einer Serie von Spielen gegen Gegner, die mehr oder weniger als Konkurrenten im Ringen um die Erstligaexistenz gelten müssen. Ingolstadt, Darmstadt, Hannover – es sind die Partien, in denen die Bremer in den kommenden drei Wochen „weiter liefern“ müssen, wie es Coach Viktor Skripnik in Leverkusen formulierte. Er hätte auch sagen können, was Pizarro zum Thema beisteuerte: „Wir müssen diese Spiele gewinnen, wenn wir da unten rauswollen.“

Weil die Abstiegsgefahr durch das Wow-Erlebnis in Leverkusen natürlich nicht das kleinste Bisschen geschrumpft ist, rückte auch Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin die grauen Wolken des Alltags vor den schönen Schein des Pokals. „Bis zum Halbfinale müssen wir die Punkte für den Klassenerhalt gesammelt haben“, skizzierte er den Zeitplan: „Vorher soll sich niemand mit irgendwelchen Träumereien beschäftigen.“

Am 19./20. April wird im Pokal wieder gespielt, dann ist in der Liga Spieltag 30 gelaufen – und Werder schon auf der sicheren Seite? Niemand kann das mit Gewissheit sagen. Aber alle dürfen hoffen, dass die Leistung in Leverkusen wie Doping wirkt im knallharten Abstiegskampf. „Wir haben gegen einen guten Gegner stark gespielt. Das sollte uns Mut machen“, meinte Jannik Vestergaard. Und Fin Bartels führte aus: „Wenn wir mitnehmen, was wir gut gemacht haben, dann sind wir auf einem guten Weg.“

Eine clevere Taktik, ein giftiges Zweikampfverhalten und die Tore von Santiago Garcia (31.), Pizarro (42./Foulelfmeter) und Florian Grillitsch (82.) waren die Zutaten des Sieges in Leverkusen. „Alles hat geklappt – auch solche Tage gibt’s“, strahlte Bartels, der nun allerdings mit den Teamkollegen den Beweis erbringen muss, dass Werder mehr ist als nur ein Gelegenheitsgewinner. Die Konstanz, deren Abwesenheit Eichin schon nach dem 1:5 bei Borussia Mönchengladbach am Freitag mit drastischen Worten beklagt hatte („das ist eine Krankheit“), muss nun endlich Teil des Bremers Spiels werden. Eichin: „Wir sind ansonsten ein talentiertes Team, das jeden schlagen kann. Umso ärgerlicher ist es, dass wir in der Liga nur 19 Punkte haben.“

Immerhin sind das fünf Zähler mehr als 1899 Hoffenheim, der nächste Bremer Gegner, bislang gesammelt hat. Dass dem Liga-Vorletzten am Samstag mit dem Schwung des Pokalcoups die Punkte abgeknöpft werden, ist der Wunsch aller Bremer. Aber eine Selbstverständlichkeit ist es nicht, stellt Thomas Eichin klar. „Das ist ein ganz anderes Spiel. In Leverkusen hatten wir doch nichts zu verlieren, eine Niederlage wäre normal gewesen. Deshalb hatten wir einen positiven Druck. Abstiegskampf ist aber eine ganz andere Situation“, erklärt er und fordert: „Wir müssen gegen Hoffenheim scharf und wachsam sein.“

Wenn’s gelingt, könnte es für die Bremer Feiermeute eine schöne Fortsetzung der Leverkusen-Party geben. „Ich hätte nichts dagegen“, meinte Viktor Skripnik, „so eine Atmosphäre am Samstag wieder zu erleben.“

csa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Amri-Ausschuss in NRW nimmt Rolle von V-Mann ins Visier

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Fahrgeschäfte, Buden, Zelte: Das gefällt den Besuchern am besten 

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Das sind die zehn reichsten Menschen der Welt

Werder-Ankunft in Köln

Werder-Ankunft in Köln

Meistgelesene Artikel

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Kommentare