Nach Pizarro-Rückkehr: Kapitän Fritz mit klarer Ansage an die Mitspieler

„Keiner darf sich verstecken“

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Die beiden ältesten Werder-Profis verstehen sich prächtig: Clemens Fritz (links) warnt aber davor, von Claudio Pizarro (rechts) gleich zu viel zu erwarten.

Bremen - Von Björn Knips. Sie sind die beiden einzigen Werder-Profis über 30: Clemens Fritz ist 34 Jahre alt, Claudio Pizarro wird im Oktober 37. Mit weitem Abstand folgt dann Assani Lukimya (29) als Drittältester. Worauf ein erfahrener Spieler besonders achten muss, wie er den Pizarro-Hype erlebt und was er am zurückgekehrten Torjäger besonders schätzt, sagt Kapitän Fritz im Interview.

Herr Fritz, Sie sind jetzt nicht mehr der älteste Spieler in der Werder-Kabine, welche Rechte mussten Sie an Claudio Pizarro abtreten?

Clemens Fritz: Ganz ehrlich, das Alter spielt bei uns in der Kabine keine große Rolle, da packen alle mit an. Und ob man jetzt 34 oder 36 ist, macht auch keinen Unterschied mehr.

Sie sind als Kapitän das Werder-Gesicht, müssen zu vielen externen Terminen. Wird Sie da Claudio Pizarro als zurückgekehrter Werder-Star etwas entlasten?

Fritz: Definitiv. Claudio kennt sich hier aus, er hat jahrelang hier gespielt, er ist ein Gesicht von Werder Bremen. Ich freue mich, sehr, dass er hier ist.

Haben Sie so eine „PizarroMania“ wie in den vergangenen Tagen in Bremen schon mal erlebt?

Fritz: Nein, das war ja nicht mal bei seiner letzten Verpflichtung so. Die Euphoriewelle ist wirklich groß. Ich habe das selbst zu spüren bekommen, wurde immer wieder gefragt, kommt er oder nicht. Das zeigt, welch große Bedeutung er für Werder hat. Man muss das aber auch richtig einordnen, ihm Zeit geben, fit zu werden und seinen Rhythmus zu finden. Die Erwartungen dürfen auch nicht zu groß sein.

Warum ist der Hype so groß, ist das die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten?

Fritz: Claudio hat hier immer seine Leistung gebracht. Auch neben dem Platz ist er ein offener Typ. In den letzten Jahren haben Werder viele namhafte Spieler verlassen. Da ist das jetzt ein Zeichen, dass der Club auch mal so einen wie Claudio zurückholen kann.

Kann diese Euphorie auch gefährlich sein?

Fritz: Für uns zählen nur Punkte und keine Euphorie. Wir müssen als Mannschaft konzentriert arbeiten und uns auf das schwierige Spiel in Hoffenheim vorbereiten. Das machen wir.

Geht das überhaupt, wenn die Zuschauer beim Training immer wieder Pizarro rufen und feiern?

Fritz: Wenn das nicht gehen würde, könnten wir am Wochenende nicht vor 40000 Zuschauern auflaufen.

Was zeichnet Pizarro aus?

Fritz: Er ist total offen, jeder kann auf ihn zukommen und ihn fragen. Claudio ist unheimlich erfahren. Er hat den Torinstinkt. Er hat einen unheimlichen Spielwitz, kann durch seine enorme Passqualität die Mitspieler sehr gut einsetzen. Fußballerisch sieht man schon, was er drauf hat. Das ist Spielfreude pur.

Worauf muss man als älterer Spieler besonders achten?

Fritz: Die Regenerationszeiten sind unheimlich wichtig. Man merkt einfach, was der Körper braucht. Die Ernährung spielt auch eine Rolle. Man geht viel bewusster mit seinem Körper um, als zu Beginn seiner Profi-Karriere. Darauf lege ich großen Wert, Claudio auch.

Nervt es als Profi, wenn man immer wieder auf das – sorry – hohe Fußball-Alter angesprochen wird?

Fritz: Das ist doch normal. Wenn ich ein schlechtes Spiele mache, heißt es wieder, der ist zu langsam. Das interessiert mich alles nicht. Es ist immer leicht zu sagen, der ist schon 34 und darauf alles zu reduzieren. Wichtig ist, wie ich mich fühle – und ich fühle mich gut.

Fühlt man sich auch noch gut, wenn der Gegenspieler 22 und viel schneller ist?

Fritz: Die Schnelligkeit hat nicht immer etwas mit dem Alter zu tun, es gibt auch ältere schnelle Spieler. Ansonsten macht man das mit Stellungsspiel und Erfahrung wett. Ich würde meine Erfahrung ganz gewiss nicht gegen fünf Prozent mehr Schnelligkeit eintauschen.

Kann Pizarro gegen Hoffenheim schon eine Hilfe sein?

Fritz: Das müssen Claudio und das Trainerteam besprechen.

Aber auch ein noch nicht fitter Pizarro könnte dem Gegner als möglicher Joker auf der Bank Respekt einflößen.

Fritz: Das weiß ich nicht. Wir haben in Claudio einen tollen Spieler dazugewonnen. Aber darauf können wir uns nicht ausruhen. Hinter Claudio darf sich jetzt keiner verstecken und denken, es läuft nun von alleine und der Gegner hat noch mehr Respekt. Wir müssen uns diesen Respekt auf dem Platz erarbeiten. So wie wir es gegen Gladbach gemacht haben. Da ist es egal, welche Namen wir im Kader haben.

Wie viele Jahre werden wir Clemens Fritz und Claudio Pizarro noch im Werder-Trikot sehen?

Fritz: Keine Ahnung, darüber mache ich mir momentan keine Gedanken. Ich denke an Hoffenheim – und da wollen wir gewinnen.

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