Zlatko Junuzovic über Werders Europa-League-Chancen, das „Highlight“ gegen Mainz und seine neue Rolle als Bremer Spielmacher

„Nach oben orientieren – und nicht nach hinten schauen“

Mehr Präsenz in der Offensive: Zlatko Junuzovic will vor allem gefährlicher werden. ·

Bremen - Mehmet Ekici fehlt, Marko Marin ist erst gestern ins Teamtraining zurückgekehrt. Deshalb heißt der Werder-Spielmacher morgen (15.30 Uhr) gegen Mainz wahrscheinlich wieder Zlatko Junuzovic. Der 24-jährige Österreicher weiß aber genau, dass er sich steigern muss – und klingt im Interview entsprechend kämpferisch.

Wie wichtig ist es Ihnen, auf der „10“, Ihrer Lieblingsposition, zu bleiben?

Zlatko Junuzovic:Mir ist es eigentlich egal, wo ich spiele. Wichtig ist, dass ich überhaupt spiele. Denn ich brauche noch ein bisschen Zeit, um ganz drin zu sein im Werder-System. Das ist total neu für mich, in Österreich haben wir ganz anders gespielt. Zwar auch meistens im 4:4:2, aber nicht mit Raute im Mittelfeld. Ich muss mich da jetzt reinspielen und reinkämpfen.

Wie zufrieden waren Sie gegen Augsburg mit Ihrem ersten Einsatz als Spielmacher?

Junuzovic:In der ersten Halbzeit überhaupt nicht, da sind wir als ganze Mannschaft nicht ins Spiel gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir es viel besser gemacht und hätten den Sieg verdient gehabt. Aber mit der letzten Aktion kriegen wir so ein blödes Tor – deshalb ist dieses Spiel noch immer im Kopf drin und will nicht raus. Um es endlich rauszukriegen, müssen wir gegen Mainz gewinnen.

Sie selbst haben nach Ihrer Verpflichtung Ende Januar einen Blitzstart hingelegt. Kaum da, schon Stammspieler. Überrascht?

Junuzovic:Natürlich, schließlich war ich in der Vorbereitung nicht dabei und bin erst am letzten Transfertag gekommen. Und dann habe ich acht Spiele hintereinander gemacht. Da habe ich dem Trainer viel zu verdanken. Ich weiß aber, dass es sich schnell drehen kann, wenn die ganzen Verletzten zurückkommen.

Unheimlich viel unterwegs, aber noch nicht so effektiv – diesen Eindruck haben Sie bisher hinterlassen. Was fehlt Ihnen noch?

Junuzovic:Ich muss vor dem Tor präsenter sein und nicht nur die Bälle im Mittelfeld erobern, sichern oder abspielen. In Österreich war ich an den meisten Offensivaktionen beteiligt, hatte auch viele Torabschlüsse. Daran muss ich arbeiten. Hier hat man nicht so viel Platz wie in Österreich, die Gegner machen alles zu. Daran muss ich mich auch noch gewöhnen.

Gegen Mainz gibt es morgen das große Treffen der Österreicher. Ihre Teamkollegen Sebastian Prödl und Marko Arnautovic sind zwar noch verletzt, aber natürlich trotzdem im Weserstadion. Beim Gegner spielen Andreas Ivanschitz und Julian Baumgartlinger . . .

 Junuzovic:. . . und ich freue mich sehr auf die Duelle. Mit dem Baumgartlinger habe ich zwei Jahre bei Austria Wien und in der U 21 zusammengespielt. Wir sind seitdem sehr gute Freunde, telefonieren jede Woche, auch in dieser. Es wäre ein Traum, ein Highlight, wenn wir gegeneinander spielen würden.

Für Werder geht es morgen um richtig viel. Sechs Punkte waren aus dem Heimspiel-Doppelpack gegen Augsburg (1:1) und Mainz eingeplant. Wie wollen Sie es schaffen, nun zumindest noch auf vier zu kommen?

Junuzovic:Wir müssen mutig nach vorne spielen. Wenn uns das gelingt und die Fans uns wieder so toll pushen und motivieren wie gegen Augsburg, dann haben wir sehr gute Chancen. Wir werden voll auf Sieg spielen, das ist klar.

Wie beurteilen Sie das Gerangel um die Europa-League-PLätze?

Junuzovic:Es ist sehr, sehr eng. Jetzt ist jedes Spiel entscheidend. Wir sind Sechster, punktgleich mit Leverkusen als Fünfter. Da wollen wir uns nach oben orientieren – und nicht nach hinten schauen. Wir haben alles selbst in der Hand und wissen: Wenn wir gegen Mainz gewinnen, bleiben wir da oben. Und danach geht es nach Köln – in diesen Spielen haben wir die Chance, uns ein kleines Polster zu schaffen.

Vom Beruflichen zum Privaten: Wie gut haben Sie sich in Bremen eingelebt?

Junuzovic:Das dauert noch ein bisschen. Ich bin nach wie vor im Hotel. Zwar habe ich schon eine Wohnung, aber keine Möbel. Bestellt ist alles, aber noch nicht da. Und es ist schwierig für mich ohne meine Familie und meine Freundin, die erst am Ende der Saison zu mir zieht. Nur telefonieren ist auf Dauer ein bisschen mühsam. Aber Bremen ist sehr angenehm, man kann gut abschalten. Und die Leute sind fußballverrückt, das merkt man gleich.

Ihre Familie ist Anfang der 90er Jahre aus Ihrem Geburtsland Bosnien geflohen. Wie hart war diese Zeit?

Junuzovic:Ich habe das damals gar nicht registriert. Als wir nach Österreich kamen, war ich erst drei. Aber für meine Eltern und meine Schwester ist es sehr hart gewesen. Mein Vater war Richter, meine Mutter Buchhalterin – sie hatten sehr gute Jobs in Bosnien und mussten dann in Österreich bei Null anfangen. Das war brutal für sie, ein Wahnsinn. Gerade die ersten Jahre, wor wir nichts hatten, waren schwierig. Deshalb muss man dankbar sein für das, was dann passiert ist. Es ist schießlich alles gut gelaufen. · mr

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