Nach der Niederlage ist vor dem Endspiel

Glücklich nach Europa?

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Eine altbewährte Geste: Doch nach der 0:2-Pleite gegen Mönchengladbach hatten die Werder-Profis als Verlierer wenig Freude daran, noch eine Ehrenrunde zu drehen.

Bremen - Die Enttäuschung in den Gesichtern der Werder-Profis war nicht zu übersehen. Die 0:2-Heimpleite gegen Mönchengladbach nach dem Doppelpack von Raffael (53./85.) tat weh, weil der Leistungsunterschied zum künftigen Champions-League-Teilnehmer enorm war. Und da musste sich Werder-Sportchef Thomas Eichin sogar die Frage gefallen lassen, ob er mit diesem Team überhaupt in die Europa League will. Denn mit Glück ist das am nächsten Spieltag mit einem Sieg im Endspiel um Platz sieben in Dortmund und einem Wolfsburger Pokalerfolg eine Woche später noch möglich.

Eichin, so sagt er, wäre ziemlich glücklich mit Europa – und er verspricht: „Wir werden eine Mannschaft haben, die Europa League spielen kann.“ Mit internationalem Geschäft müsse der Kader vor allem in der Tiefe verbessert werden. Veränderungen wird es so oder so geben. Keeper Koen Casteels (VfL Wolfsburg), Innenverteidiger Sebastian Prödl (noch ohne neuen Verein) und Stürmer Davie Selke (RB Leipzig) wurden verabschiedet, Angreifer Anthony Ujah (1. FC Köln) als Neuzugang bereits verkündet – bei Keeper Felix Wiedwald (Eintracht Frankfurt) wird das nach der Saison erfolgen.

Trainer Viktor Skripnik fordert zwar öffentlich keinen weiteren Neuzugang, aber er gibt einen deutlichen Hinweis, dass er mit dem aktuellen Team am Limit, wenn nicht sogar darüber hinaus ist: „Dieses Personal spielt seit drei Jahren in der Abstiegszone – und wir spielen jetzt mit diesem Personal Richtung Europa, aber das ist eine Grenze für uns.“

Eichin sieht das ähnlich und sucht natürlich schon nach weiteren Verstärkungen. Stürmer Admir Mehmedi vom SC Freiburg ist ein Kandidat, wenn der SC Freiburg absteigt. Dann kann der 24-jährige Schweizer Nationalspieler den Sportclub für eine Ablöse von angeblich fünf Millionen Euro verlassen. Eichin sagt dazu nichts.

Dafür verrät der 48-Jährige, mit wem er sich am Spieltag im Mannschaftshotel getroffen hat: Javier Ribalta, Chefscout von Juventus Turin. Die Kooperation mit dem italienischen Meister ist ein wenig in Vergessenheit geraten – wird aber gelebt, wie Eichin betont: „Wir treffen uns regelmäßig. Er hat mir wieder sehr gute Tipps gegeben.“ Dabei gehe es gar nicht so sehr um Juve-Spieler, sondern um Profis weltweit. „Die haben da noch ganz andere Scouting-Möglichkeiten als wir“, sagt Eichin über den Champions-League-Finalisten.

Womit übrigens eine gute Verbindung zum nächsten Werder-Gegner hergestellt ist: Borussia Dortmund. Der BVB schied im Achtelfinale der Königsklasse gegen Juventus aus. Nun kämpfen die Borussen um einen Platz in der Europa League – und am Samstag ganz sicher auch mit den Tränen. Denn es ist das letzte Heimspiel von Trainer Jürgen Klopp und dem langjährigen Kapitän Sebastian Kehl. Eichin würde den Dortmundern diesen Tag gerne „versauen“ – und Innenverteidiger Jannik Vestergaard schwärmt mit einer Aufzählung: „Endspiel um Platz sieben, ein heißes Ding, Abschied Klopp, 80000 Zuschauer, letztes Saisonspiel, einfach geil – wir freuen uns darauf.“ Der Däne strahlt – bis die Frage nach Werders Chancen kommt. „Eigentlich spricht nicht viel für uns“, gesteht der 22-Jährige, macht sich aber sofort Mut: „Wenn wir als Mannschaft auftreten und alles tun, dann können wir sie ärgern.“

So wie am letzten Spieltag der Saison 2012/13. Damals trug Vestergaard noch das Trikot der TSG 1899 Hoffenheim, die schon fast abgestiegen war. „Zur Halbzeit müssen wir 0:4 hinten liegen, aber es steht nur 0:1“, erinnert sich der Abwehrhüne. Mit zwei Elfmetern schafft Hoffenheim die Wende – vor dem zweiten sieht BVB-Keeper Roman Weidenfeller Rot und muss durch Feldspieler Kevin Großkreutz ersetzt werden, weil die Gastgeber schon drei Mal gewechselt haben. Auf der anderen Seite steht ein gewisser Koen Casteels im Tor. Und der heutige Bremer kassiert in der Nachspielzeit noch das 2:2, doch nach langem Hin und Her zählt der Treffer wegen einer Abseitsposition nicht. Hoffenheim siegt, schnappt Düsseldorf den Relegationsplatz weg und schafft gegen Kaiserslautern den Klassenerhalt.

Werder verliert letztes Heimspiel gegen Gladbach: die Noten

„Ich weiß, dass in Dortmund das Unmögliche passieren kann“, sagt Vestergaard und erklärt die Enttäuschung nach dem Gladbach-Spiel für beendet: „Wir sind positiv, wir fahren optimistisch nach Dortmund.“

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