Nach neun Jahren wieder verbannt

Wenn Blicke töten könnten . . . Thomas Schaaf war natürlich wenig erfreut, dass er auf die Tribüne verbannt wurde. ·

Bremen - Dr. Felix Brych rief Clemens Fritz herbei – und der musste seinem Chef Thomas Schaaf die schlechte Nachricht überbringen: Platzverweis für den Werder-Trainer, nach 82 Minuten musste der 50-Jährige auf die Tribüne.

Das gab’s schon ewig nicht mehr. Schaaf ist zwar alles andere als ein Leisetreter am Spielfeldrand, aber bislang blieb ihm dieser Gang meist erspart. „Ich glaube, dass mir das mal gegen Stuttgart passiert ist, aber das kriege ich schon nicht mehr auf die Reihe, so lange ist das her“, berichtete Schaaf.

Werder Bremen siegt in letzter Minute

Werder siegt gegen Hertha BSC

Zehn gelbe Karten, zwei gelb-rote Karten für Hertha, drei Punkte für Bremen: In einer turbulenten Partie gewann Werder nach Platzverweisen für Christian Lell und Adrian Ramos am Sonntagabend gegen Aufsteiger Hertha BSC 2:1 (1:1) und bleibt hartnäckigster Verfolger von Bundesliga-Tabellenführer Bayern München. © nordphoto
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Ein Blick ins Archiv bestätigte: Am 1. Dezember 2002 hatte es Schaaf erwischt, im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Damals wie heute nahm‘s ein gutes Ende. Werder gewann 3:1, wobei Schaaf zwischen dem zweiten und dritten Bremer Treffer kurz vor Schluss von Schiedsrichter Jürgen Aust nach oben geschickt wurde.

Arnautovic wird zum Vorkämpfer

Die Noten: Arnautovic wird zum Vorkämpfer

Sebastian Mielitz: Der Wiese-Ersatz musste nur selten eingreifen. Beim frühen Gegentor machtlos, beim Zusammenprall mit Sebastian Prödl (24.) sah er nicht so gut aus. Note 3,5 © nordphoto
Aleksandar Ignjovski: Die Formkurve zeigt etwas nach unten. Zu unentschlossen vorm Gegentor, unglücklich in Zweikämpfen und viel zu hektisch im Spiel nach vorne. Aber der Rechtsverteidiger gab nie auf und rettete stark gegen Christoph Janker (62.). Note 4 © nordphoto
Sebastian Prödl: Mit neuer Frisur kaum wiederzuerkennen, aber seiner soliden Abwehrarbeit ist er treu geblieben. Note 3,5 © nordphoto
Andreas Wolf: Begann ungewohnt unkonzentriert mit üblen Patzern in der Spieleröffnung (16. und 17.). Auch bei der Abwehrarbeit mit Unsicherheiten. Note 4 © nordphoto
Lukas Schmitz (bis 71.): Solide ohne große Stärken und Schwächen auf der linken Seite, aber mit einem bösen Aussetzer: Hielt Raffael an der Strafraumgrenze fest und konnte froh sein, dass der Schiri beide Augen zudrückte (65.). Note 3,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (bis 82.): Bewahrte Werder mit seiner Rettungstat gegen Raffael vor einer Blamage – einem Tor in doppelter Überzahl (77.). Schwerstarbeit vor der Abwehr mit ausgeglichener Erfolgsbilanz, deshalb gibt‘s die Note 3,5 © nordphoto
Clemens Fritz: Erste Torvorlage in dieser Saison mit einer feinen Flanke zum Ausgleich. Wieder viel unterwegs und kämpferisch absolut top. Note 2,5 © nordphoto
Aaron Hunt: Werders neues Laufwunder – der linke Mittelfeldspieler war vor allem vor der Pause unheimlich präsent. Pech beim Pfostenschuss (34.). Note 2,5 © nordphoto
Mehmet Ekici (bis 59.): Es bleibt dabei, der Spielmacher kann bei Werder nicht das Spiel machen. Note 4,5 © nordphoto
Marko Arnautovic: Wer hätte das vor einigen Monaten gedacht: Der einst so eigensinnige Österreicher entwickelt sich zum absoluten Mannschaftsspieler, der um jeden Ball kämpft. Nur die Streuung bei seinen Schüssen ist noch zu groß, das Tor nicht wirklich in Gefahr. Note 3 © nordphoto
Claudio Pizarro: Ließ sich einfach nicht aufhalten – weder von den Gegenspielern noch vom Schiedsrichter. Bewies drei Mal Köpfchen, durfte aber nur zwei Mal jubeln – zum Sieg und zum Titel Matchwinner reichte es trotzdem. Note 1 © nordphoto
Marko Marin (ab 59.): Nach Verletzungspause zunächst für Ekici auf der Bank, dann mit Anlaufschwierigkeiten. Aber am Ende war es seine Ecke, die den Siegtreffer einleitete. Note 3,5 © nordphoto
Markus Rosenberg (ab 71.): Der „Joker“ stach zwar nicht als Torschütze, aber als Vorbereiter zum späten 2:1. Note - © nordphoto
Naldo (ab 82.): Jetzt schießt der so lange verletzte Brasilianer sogar schon wieder Freistöße – und das gar nicht so schlecht (90.). Aber Hertha-Keeper Thomas Kraft verhinderte die große Naldo-Party. Note - © nordphoto

Gestern war‘s etwas früher. Und der Coach war stocksauer auf Brych, fühlte sich falsch behandelt – und das gleich doppelt. Denn der Unparteiische hatte dem ersten „2:1“ von Claudio Pizarro die Anerkennung versagt. „Ich habe da ein Tor gesehen, es war ja auch eines, aber er hat es nicht gesehen“, raunzte Schaaf. Der Torjubel war ihm im Halse stecken geblieben, und deshalb hatte er wohl etwas Dampf abgelassen. Das wollte Schaaf nicht bestätigen und knöpfte sich bei der Suche nach dem Grund für seinen Rauswurf erneut Brych vor: „Da müssen Sie den Schiri fragen, ich habe von ihm keine Antwort gekriegt.“

Immerhin habe er auf der Tribüne „besser gesehen als unten“. Kurz vor dem Siegtreffer hatte Schaaf seinen Platz allerdings schon verlassen, „aber ich habe das Tor trotzdem gesehen, ich bin nur schon mal Richtung Kabine gegangen“. · kni/csa

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