Nach drei Jahren Eichin sind nur noch sechs Spieler von damals bei Werder: „Das ist auch gut so“

„Unser Weg ist in Ordnung“

+
Thomas Eichin ist zufrieden, wie sich Werder trotz der finanziellen Schwierigkeiten sportlich entwickelt hat.

Bremen - Drei weg, fünf da – auch in diesem Transferfenster wurde der Werder-Bremen-Kader stark verändert. Sportchef Thomas Eichin hat seit seinem Dienstantritt vor drei Jahren so viel verkauft, gekauft, verliehen und geliehen, dass nur noch ein Sextett von damals übrig geblieben ist: Clemens Fritz, Philipp Bargfrede, Theodor Gebre Selassie, Zlatko Junuzovic, Raphael Wolf und Özkan Yildirim.

„Das sind wirklich nicht viele“, gesteht Eichin, „aber das ist auch gut so. Wir mussten den Kader einfach bereinigen – aus sportlichen und vor allem aus finanziellen Gründen. Und dabei mussten wir sportlich stabil bleiben. Das haben wir geschafft.“ „Konsolidierung mit Klassenerhalt“ – das würde als Überschrift über die vergangenen Jahre passen. Eichin musste als Nachfolger von Klaus Allofs die hohen Personalkosten aus Champions-League-Zeiten senken, damit der Club keine roten Zahlen mehr schreibt. In dieser Saison wird es erstmals klappen. „Wir erreichen die schwarze Null“, versichert Eichin – und ist stolz auf das Erreichte. „Ich habe keine Bauschschmerzen damit zu sagen, dass unser Weg in Ordnung ist“, meint Eichin und erklärt: „Nach meiner ersten Rückrunde waren wir 14. mit 34 Punkten. Ein Jahr später 12. mit 39 Punkten und vergangene Saison 10. mit 43 Punkten. In der Zeit haben andere aufgerüstet – und wir haben gespart.“

Spitzengehälter von weit über drei Millionen Euro könne Werder nicht mehr bezahlen. Um trotzdem gutes Personal zu bekommen, werden den Spielern Ausstiegsklauseln zugestanden. Mit dem Risiko, dass Stars wie Franco Di Santo vom FC Schalke für sechs Millionen Euro weggeschnappt werden. So geschehen im vergangenen Sommer. „Aber wir haben ihn vorher ablösefrei bekommen“, betont Eichin: „Die Klauseln sind schon immer so, dass auch wir ordentlich verdienen.“ Das sei auch zwingend notwendig, wie Eichin hervorhebt: „Diese ganzen Träumereien müssen hier doch mal aufhören. Werder Bremen kann sich auf Dauer nur finanzieren, wenn wir Transfererlöse erzielen.“

Dabei ist das Motto des Sportchefs ganz einfach: Möglichst günstig oder am besten umsonst holen und dann teuer wieder abgeben. Dabei kommen oftmals ziemlich unbekannte Spieler aus dem Ausland heraus – gerne auch mit einer ungewöhnlichen Vita. „Wir suchen nicht nach Spielern, die jeder kennt. Das wäre uns zu langweilig, die könnten wir auch gar nicht bezahlen“, sagt Eichin: „Wir suchen nach Nischen, wo die anderen nicht hingucken.“ Ein Laszlo Kleinheisler sei da ein gutes Beispiel. Der 21-Jährige war bei seinem ungarischen Club Videoton in Ungnade gefallen und deshalb günstig zu haben. Sein Bundesliga-Debüt am Samstag gegen Berlin war sehr vielversprechend.

Das ist Werders Kader für den Abstiegskampf

Aber es gibt auch negative Beispiele wie Izet Hajrovic. Weil Galatasaray Istanbul den Bosnier nicht ordnungsgemäß bezahlt hatte, schnappte sich Werder den Nationalspieler ablösefrei – und lieh ihn nach einer enttäuschenden Saison gleich wieder an den SD Eibar in Spanien aus. Doch als Flop sieht Eichin den 24-Jährigen deshalb noch lange nicht: „Izet ist jung, der Vertrag läuft noch ein bisschen, da kann noch viel passieren.“ Nur bei einem Transfer gesteht Eichin eine Fehleinschätzung ein: Ludovic Obraniak. „Da haben wir unterschätzt, dass er als stolzer Franzose Probleme mit der Bank hat.“ Ansonsten ist er mit seinen Verpflichtungen zufrieden: „Es können doch nicht alle durch die Decke gehen, aber sie haben alle ihre Rolle gespielt.“

Gleiches gelte für die eigenen Talente. „Wir haben nun einmal nicht das absolute Mega-Talent, aber das haben andere auch nicht“, sagt Eichin. Trotzdem hätten bei Werder schon mehr Spieler den Sprung in die Bundesliga geschafft als anderswo. „Doch wir dürfen nicht nur auf die eigene Jugend setzen“, warnt der Sportchef und erklärt: „Die Topclubs kaufen inzwischen schon die Talente weg. Also müssen auch wir gucken, wo wir Talente herbekommen.“ So wie aktuell im Fall Milos Veljkovic (Tottenham Hotspur) oder vor drei Jahren bei Davie Selke (damals Hoffenheim/jetzt Leipzig).

Auch das sei der berühmte Werder-Weg, den Eichin für sich mit einem einfachen Satz beschreibt: „Wir wollen mit wenig viel aufs Feld bringen.“ In dieser Spielzeit bedeutet das aber nur Platz 16. Der Abstieg droht. Doch Eichin gibt sich kämpferisch: „Okay – wir haben vier Punkte zu wenig. Aber die Saison ist noch lang.“

kni

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Werder taucht bei "Football Leaks" auf: Zahlung ins Steuerparadies

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Süßes vom Nikolaus auch für große Werder-Kicker

Bremer Effizienz entscheidet Kellerduell

Bremer Effizienz entscheidet Kellerduell

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

Werder denkt über Skripnik-Rückkehr nach

Kommentare