2:2 nach 0:2 – Bremer Moral stimmt, die Form aber nicht / Skripniks „angenehme Kopfschmerzen“

Dusel-Punkt in Paderborn

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Im Luftduell: Werders Franco Di Santo hat gegen Paderborn-Kapitän Uwe Hünemeier in dieser Szene keine Chance.

Paderborn - Am Ende verteilten die Trainer viele Komplimente. Werder-Trainer Viktor Skripnik lobte den SC Paderborn für dessen Fight, „als ob sie den letzten Zweikampf in der Bundesliga führen müssten“.

Gleichzeitig streichelte er aber auch an seine Mannschaft, die beim Bundesliga-Vorletzten schon mit 0:2 zurückgelegen hatten, aber noch ein 2:2 (1:2) erreichte, mit Worten. „Dass wir zurückgekommen sind, war klasse“, meinte Skripnik. Sein Paderborner Kollege Andre Breitenreiter zollte seinem Team „größten Respekt“ für dessen Dominanz: „Wir müssen uns nur vorwerfen, dass wir so viele Chancen ausgelassen haben.“ Ja, Werder hatte Dusel. So viel, dass die Bremer auf dem Rückweg ruhig am Hohen Dom zu Paderborn hätten halten können, um drinnen vor Demut eine Kerze anzuzünden.

Nach Toren der Paderborner Mario Vrancic (25.) und Moritz Stoppelkamp (27.) lag Werder mit 0:2 zurück, schaffte durch Treffer von Davie Selke (45.) und Izet Hajrovic (76.) aber noch das Remis. Punkt gerettet – aber das war weniger als erhofft. „Natürlich müssen wir uns jetzt langsam mit der Europa League beschäftigen – alles andere wäre eine Verarschung unserer Fans“, hatte Skripnik vor dem Anpfiff gesagt und sicher auf einen Sieg beim bisherigen Schlusslicht spekuliert. Doch vom nötigen Niveau für das internationale Geschäft waren die Gäste über weite Strecken des Spiels deutlich entfernt. Vielleicht deshalb wehrte Sportchef Thomas Eichin die Fragen nach der Europa League barsch ab: „Das Europa-Geschwafel interessiert uns nicht.“

Skripnik sieht das offenbar anders. Er habe Spaß daran, jetzt auf Mannschaften wie Schalke, Augsburg und Hoffenheim zu gucken statt auf die am Tabellenende. Über die Chance auf die Europa League nachzudenken, bereite ihm „angenehme Kopfschmerzen“.

Die Noten: Probleme in allen Mannschaftsteilen

Richtig böse Kopfschmerzen dürften dagegen den SC Paderborn plagen. 2:0 geführt und doch nicht gewonen – diesen Luxus darf sich ein Abstiegskandidat definitiv nicht leisten. Zumal ein kleines Chancengewitter in der zweiten Halbzeit zu einer Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber hätte führen können. „Ein Sieg wäre verdient gewesen. Aber wir haben es verpasst, das Spiel vorzeitig für uns zu entscheiden“, sagte Breitenreiter: „Wir hatten so viele freie Kopfballchancen – davon muss einfach eine rein.“ Aber Rafa Lopez scheiterte an Werder-Schlussmann Koen Casteels (47.) und Elias Kachunga setzte ebenso zu hoch an (51.) wie Daniel Brückner per Gewaltschuss (57.). „Wir hätten deutlich mehr Tore erzielen müssen“, klagte Breitenreiter.

Werder blieb im Spiel und wusste nicht so recht, warum. „In den Strafraumduellen haben uns immer die letzten fünf Prozent gefehlt, da waren wir immer zweiter Sieger“, monierte Eichin. Und Casteels wunderte sich, „dass immer ein Paderborner frei war, obwohl wir unsere Zuteilungen hatten“. Skripnik fand es „insgesamt schwach“, dass sein Team eine Vielzahl an Chancen zuließ – speziell nach Standards. „Es war“, hielt er also fest, „ein glücklicher Punkt für uns“. Auch Eichin urteilte ehrlich: „Paderborn war die bessere Mannschaft, war aggressiver, mutiger.“

Aber letztlich nicht erfolgreicher. Werder freute sich einerseits über den gewonnenen Punkt. Andererseits wurde die Möglichkeit verpasst, bis auf einen Zähler an Platz fünf und sechs heranzurücken. Ärgerlich. Zwar verkleinerte sich der Abstand auf drei Punkte, doch die Bremer rutschten von Rang sieben auf Platz neun ab.

Es ist aber noch alles drin. Speziell dann, wenn sich Werder weiter so gegen das Verlieren wehrt wie in Paderborn. Nachdem die konsternierten Bremer nach den im nur 91-Sekunden-Abstand gefallenen Gegentoren zunächst keine Antwort fanden, rettete sie einmal mehr die Stärke bei ruhenden Bällen. Nach einem Junuzovic-Freistoß legte Sebastian Prödl per Kopf für Selke auf, der unbedrängt einnickte (45.). Es war das achte Saisontor des erst 20-Jährigen! Wegen dieser Klasse „hat ihn ja jetzt eine andere Mannschaft gekauft“, erklärte Skripnik trocken.

2:2 in Paderborn

Der Werder-Coach hatte in der Pause zweimal gewechselt, den unauffälligen „Zehner“ Levin Öztunali durch Levent Aycicek sowie den schwachen und mit Gelb belasteten Philipp Bargfrede durch Felix Kroos ersetzt. „Auf dieser Position musst du Attacken des Gegners stoppen. Beim nächsten Mal hätte es vielleicht Gelb-Rot gegeben“, begründete er die Auswechslung des „Sechsers“. Öztunali hingegen habe gegen die gute Paderborner Defensive „zu wenig Räume“ bekommen, die ein Spielertyp wie er brauche.

Der eingewechselte Izet Hajrovic bekam diesen Raum und nutzte ihn. Mit einem satten Linksschuss von der Strafraumgrenze rettete der Joker mit seinem Premierentor in der Bundesliga das Remis (75.). Wenig später stand Werder nach der fragwürdigen Gelb-Roten Karte für Paderborns Michael Heinloth mit einem Mann mehr auf dem Platz. Aber volles Risiko Richtung Sieg ging die Mannschaft nicht mehr. Zu frisch war noch die Erinnerung an das 2:3 beim VfB Stuttgart zwei Wochen zuvor, als Werder in der Schlussminute in Überzahl ins Verderben gerannt war. „Vielleicht“, sinnierte Junuzovic, „hätten wir mutiger sein müssen nach dem Platzverweis. Aber das waren wir in Stuttgart…“ Gestern war dem SV Werder der eine Punkt genug – und über den war Viktor Skripnik sogar noch „heilfroh“.

ck/csa

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