Nach der 1:2-Pleite schließt Werder-Sportchef Eichin Trainerwechsel nicht mehr aus

Skripnik vor dem Aus

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Stinksauer auf die Medien: Viktor Skripnik in der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Bremen - Von Björn Knips. Werder steht unter Schock! Die 1:2-Heimpleite gegen den FC Augsburg hat die Bremer regelrecht umgehauen, und einen könnte es dabei wegfegen. Viktor Skripnik steht als Werder-Coach vor dem Aus. Sportchef Thomas Eichin sagte zwar nach dem Spiel zunächst: „Wir haben nicht das Anliegen, den Trainer zu wechseln.“ Doch eine Entlassung ist trotzdem möglich. Für den Abend kündigte der Sportchef ein Treffen der Geschäftsführung an. Krisensitzung beim SV Werder Bremen.

„Ich schließe momentan gar nichts aus. Schauen wir, was die nächsten 24 Stunden bringen“, sagte Eichin nach Abpfiff und verweigerte dem Coach damit erstmals die volle Rückendeckung. Skripnik selbst schloss anschließend auf der Pressekonferenz einen Rücktritt aus: „Ich entlasse mich nicht. Ich sehe Hoffnung, ich sehe die Qualität der Mannschaft.“

Die Fans sind da offenbar ganz anderer Meinung. Nach dem Schlusspfiff gab es ein gellendes Pfeifkonzert. Als die Mannschaft dann Richtung Kabine ging, tobte die Ostkurve. Die Fans pfiffen sich die Seele aus dem Leib, beschimpften wüst ihre Lieblinge. Das hatte es schon lange nicht mehr in Bremen gegeben. Die Stimmung kippt, denn die Angst vor dem zweiten Abstieg in der Vereinsgeschichte wird immer größer. Durch die Niederlage rutschte Werder auf den Relegationsplatz und hat nun zwei Punkte Rückstand zum rettenden Ufer (FC Augsburg). Zum direkten Abstiegsplatz beträgt der Vorsprung nur einen Punkt.

Lethargie bitterböse bestraft

Dabei hatte es gegen Augsburg eigentlich gut begonnen. Werder bestimmte sofort die Partie, ließ dann zwar nach, ging aber durch einen Fernschuss von Florian Grillitsch psychologisch günstig kurz vor der Pause in Führung (43.).

Die extrem ersatzgeschwächten Gäste (neun Ausfälle) waren an Harmlosigkeit nicht zu überbieten und schienen damit schon geschlagen. Doch Werder legte nicht nach. „Wir haben uns einlullen lassen“, schimpfte später Kapitän Clemens Fritz, der sich noch so mühen konnte, bis auf Grillitsch konnte er keinen Mitspieler so wirklich mitreißen.

Die Bremer Lethargie wurde dann bitterböse bestraft. Alfred Finnbogason nutzte gleich die erste FCA-Chance zum Ausgleich (53.), Jannik Vestergaard sah dabei gar nicht gut aus. „Ich habe danach eine Reaktion erwartet“, berichtete Skripnik. Doch er wurde enttäuscht: „Die Mannschaft hat nicht so gespielt, wie sich der Trainer das wünscht.“ Werder war nur noch durch Standards gefährlich – und beinahe hätte eine Ecke von Zlatko Junuzovic auch zurück in die Erfolgsspur geführt. Doch Vestergaards Kopfball kratzte Philipp Max von der Linie (70.).

Mehr Chancen gab es nicht – und das gegen einen Tabellen-16., „der so noch nie zusammengespielt hat“, wie Markus Weinzierl extra hervorhob. Der FCA-Coach war überglücklich, weil der gerade erst eingewechselte Jeon-Ho Hong mit seinem ersten Ballkontakt das 2:1 erzielt hatte (87.). Theodor Gebre Selassie, Alejandro Galvez und Keeper Felix Wiedwald waren nicht zur Stelle gewesen.

Einzige Chance hatte Wiedwald

Ein Schock! Ein Stich ins Herz! Werder blieb ohne den verletzten Claudio Pizarro weiter harmlos. Bezeichnend: Die einzige Chance zum Ausgleich hatte der nach vorne geeilte Keeper Felix Wiedwald, dessen Kopfball nach einer Ecke neben das Tor ging.

Danach war Schluss – und die Enttäuschung riesig. Eichin wich einer Trainerdiskussion nicht mehr aus. „Es gibt in einer solchen Situation immer Diskussionen. Wir werden Gespräche führen, die Mannschaft ist im Schockzustand“, gestand Eichin. Auf die Frage, was die Voraussetzung für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Skripnik sei, meinte der Sportchef: „Ich muss weiterhin das Gefühl haben, dass wir als Einheit in die nächsten Wochen gehen – also Mannschaft, Trainer und Geschäftsführung. Das werden wir jetzt besprechen.“

Eklat auf der Pressekonferenz

Von Einheit war nach dem Spiel nichts zu sehen. Der obligatorische Kreis, den es auch nach jeder noch so bitteren Niederlage gegeben hatte, fiel aus, weil Viktor Skripnik einfach mit Thomas Eichin in die Kabine geeilt war. Die Spieler warteten hilflos am Mittelkreis, ehe Fritz das Kommando gab, den Platz zu verlassen.

Auf der Pressekonferenz kam es dann zum Eklat. Auf die Frage, ob er selbst an einen Rücktritt denkt, attackierte der Ukrainer die Medien. „Darauf habe ich schon gewartet. Es ist ganz schwierig, die ganze Saison gegen 18 Mannschaften zu kämpfen – 17 in der Bundesliga und eine Mannschaft im Medienbereich. Mir tut das nicht weh, aber ihr schadet Werder Bremen. Wollt ihr in die zweite Liga?“ Er könne nicht allein über seine Entlassung entscheiden. „Ich habe zwei Mal in der Hinrunde gesagt, okay, ich bin weg. Aber wer soll das machen? Alle sagen: Du bist der Mann, den wir brauchen.“ Ob die Werder-Offiziellen immer noch so denken, ist seit der bitterbösen Heimpleite gegen Augsburg fünf Spieltage vor Schluss sehr fraglich.

Skripniks Werdegang bei Werder

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