Kevin De Bruyne – einer der Besten in Belgien

Musterprofi und „Hightech-U-Boot“

Smarter Typ: Werders Wunschspieler Kevin De Bruyne.

BREMEN/GENK · Noch ist Kevin De Bruyne nicht da, aber Klaus Allofs schwärmt schon mal ein bisschen.

„Er hat in Belgien eine Super-Saison hinter sich, gehörte dort zu den besten Spielern“, sagt der Werder-Sportchef über den 20-jährigen Belgier, der – eine Klärung letzter Details vorausgesetzt – wohl schon nächste Woche nach Bremen kommt und bei Werder einen Leihvertrag unterschreibt. „Kevin ist vielseitig einsetzbar, kann im Mittelfeld alle Positionen spielen und ist torgefährlich“, urteilt Allofs, der seit Monaten an dem Top-Talent baggert.

Klappt der Deal, bekommt Werder einen jungen, ehrgeizigen Profi mit einer vorbildlichen Einstellung zum Beruf. Als sich sein Club KRC Genk im vergangenen Winter in einer sportlichen Krise befand, redete De Bruyne in einem Interview Tacheles: „Ich vermute, dass im Moment einige Mitspieler keine Lust mehr haben. Ich schäme mich für diese Einstellung. Selbst wenn ich nicht in Form bin, kann ich zumindest alles geben.“

So krachend taucht er allerdings ganz selten in der Öffentlichkeit auf. Ansonsten ist er sehr zurückhaltend, bescheiden und geerdet. Andere belgische Jungstars wie der gleichaltrige Teamkollege Eden Hazard protzen gerne mal ein bisschen. De Bruyne hingegen fuhr im Januar nicht im dicken Schlitten, sondern mit seinem Vater im Zug von Brüssel nach London und unterschrieb seinen Vertrag bei Chelsea.

Dass der 1,80-Meter-Mann bei einem europäischen Spitzenclub gelandet ist, war die logische Folge seiner hervorragenden Entwicklung. De Bruyne war gerade 14 Jahre alt, als ihn der KRC Genk vom AA Gent weglockte. Mit 17 debütierte er 2008 in der ersten belgischen Liga, in der Saison 2009/2010 gelang ihm der Sprung in die Stammelf – und das erste Highlight der jungen Karriere. Gegen Meister Standard Lüttich erzielte er mit einem Distanzkracher den 1:0-Siegtreffer. Die Schussstärke gehört zu seinen großen Qualitäten. Er kann es mit beiden Füßen, wobei der rechte der wirkungsvollere ist.

In Genk spielte De Bruyne meistens im offensiven linken Mittelfeld, zog von dort nach innen und dann oft direkt ab. Zu Beginn der Saison 2010/2011 war er überragend und stand in den Notizbüchern vieler Top-Vereine. Im Herbst 2010 erkrankte er jedoch am Pfeifferschen Drüsenfieber und fiel länger aus. Als er wieder voll auf der Höhe war, holte er mit Genk den Titel. Vieles deutete im Sommer 2011 auf einen Abschied hin, doch De Bruyne blieb – bis zum Winter, als Chelsea für rund acht Millionen Euro zuschlug und ihm einen Vertrag bis 2017 gab. Um Spielpraxis zu sammeln, schickten ihn die „Blues“ bis Saisonende zurück nach Genk. Weil die Konkurrenten beim Champions-League-Sieger aus London noch immer sehr namhaft und die Einsatzchancen entsprechend gering sind, wird De Bruyne nun erneut verliehen.

Und Werder darf sich freuen, denn der zweimalige Nationalspieler bringt beste Voraussetzungen mit, um die Abwehrreihen der Bundesliga mächtig zu beschäftigen. In 118 Pflichtspielen für Genk (davon vier in der Champions League) schoss der 20-Jährige 17 Tore und bereitete satte 36 vor. Seine präzisen Zuspiele sind gefürchtet in Belgien, die Zeitung „De Morgen“ schrieb vergangenes Jahr: „Kevin De Bruyne kann man mit einem Hightech-U-Boot vergleichen: Er registriert blitzschnell alle Positionen und dann schickt er seine Torpedos auf die Reise – haarscharfe Pässe, die perfekt die Mitspieler erreichen.“

Klar, dass Genks Trainer Mario Been sein Juwel nur sehr ungern hergibt: „Sein Abschied ist ein großer Verlust für den belgischen Vereinsfußball, aber er wird seinen Weg im Ausland gehen. Kevin ist ein riesiges Talent.“ · Thomas Evers/mr

Thomas Evers (34) ist Sportredakteur bei der deutschsprachigen belgischen Tageszeitung „Grenz-Echo“ in Eupen und Belgien-Korrespondent des „kicker“.

Das könnte Sie auch interessieren

Prognose: Japans Regierungspartei mit klarem Sieg

Prognose: Japans Regierungspartei mit klarem Sieg

ADAC-Herbstrallye in Visselhövede

ADAC-Herbstrallye in Visselhövede

Bezirksschützenball in Varrel 

Bezirksschützenball in Varrel 

Nachtflohmarkt in Fintel 

Nachtflohmarkt in Fintel 

Meistgelesene Artikel

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Schlimme Werder-Krise: Nouri bleibt, Psychologe kommt

Schlimme Werder-Krise: Nouri bleibt, Psychologe kommt

Nouri: „Ich bin nicht so wichtig“

Nouri: „Ich bin nicht so wichtig“

Kommentare