„München wird keine Kaffeefahrt“

+
Philipp Bargfrede hofft noch auf „punktuelle Verstärkungen“ für den Bremer Kader.

Bremen - von Carsten Sander. Die Zahlen sprechen für sich – und für Philipp Bargfrede. Seitdem der in der Hinrunde lange verletzte 25-Jährige bei Werder Bremen wieder dabei ist, steigt der Punkteschnitt deutlich an.

Ohne ihn in der Startaufstellung fuhr die Mannschaft in 17 Spielen nur 16 Punkte (Schnitt: 0,94) ein. Mit ihm sind es 20 Zähler aus 14 Partien (Schnitt: 1,42). Zufall? Mitnichten. Bargfrede hat sich als alleiniger Sechser in der Mittelfeldraute zu einer Säule im Team von Trainer Robin Dutt entwickelt. Nach seiner Klasseleistung und seinem Traumtor beim 3:1 über Hoffenheim standen die Schulterklopfer Schlange. Bargfredes Form sei „beeindruckend“, lobte Dutt. Und Sportchef Thomas Eichin sah sich einmal mehr bestätigt, dass die Verlängerung des Vertrages bis 2017 kein Fehler war. Bargfrede und Bremen – das ist ein Zukunftsmodell.

Sie haben sich in einer unsicheren Zeit eindeutig zu Ihrem Arbeitgeber bekannt. Werden Sie der neue „Mister Werder“, Herr Bargfrede?

Philipp Bargfrede:Wie kommen Sie denn auf so etwas?

Sie stammen aus Heeslingen im Bremer Umland, Sie sind seit zehn Jahren im Club, haben mit Ihrer Unterschrift Vereinstreue bewiesen und sind auf Ihrer Position der Erbe von Ikonen wie Dieter Eilts, Frank Baumann und Torsten Frings. Gut möglich, dass Ihr Name bald der nächste in dieser Reihe ist.

Bargfrede:Ich weiß nicht, ob es jemals so kommt. Aber es ist natürlich ein lohnendes Ziel. Wenn ich irgendwann mal auf einer Stufe mit diesen Namen stehen sollte, dann heißt das: Ich habe eine gute Entwicklung genommen, habe gute Leistungen gezeigt. Das wäre dann schon okay. Aber so weit will ich gar nicht denken.

Wieso nicht?

Bargfrede:Ich bin erst am Ende der Hinrunde nach einer langen Verletzungspause (Meniskusabriss im rechten Knie, d. Red.) zurückgekommen und freue mich, dass ich wieder spielen kann. Im Moment habe ich eine gute Phase, und ich hoffe einfach nur, dass es so für mich weitergeht.

Wie geht‘s dem Knie heute?

Bargfrede:Besser als je zuvor, wirklich top. Ich habe keine Probleme.

Und der Wade? Am Dienstag haben Sie beim Training gefehlt, besteht eine Gefahr für die Partie in München am Samstag?

Bargfrede:Das glaube ich nicht. Ich denke, dass ich heute wieder mit der Mannschaft trainieren kann.

Die Blessur ist ein Andenken an den Betriebsunfall mit Clemens Fritz, den Sie gegen Hoffenheim aus Versehen umgegrätscht und dabei leicht verletzt hatten. Haben Sie gemeinsam darüber gelacht oder sich geärgert?

Bargfrede:Es war schon kurios – zumal wir als Unfallbeteiligte am Tag danach zur Behandlung nebenein-ander auf den Massagetischen lagen. Aber die Sache ist kein großes Thema. Ich habe kurz Sorry gesagt, damit ist es dann auch erledigt. Und Clemens ist auch bald wieder fit.

Seit Ostern ist der Klassenerhalt für Werder quasi perfekt. Welche Saison war nervenaufreibender – diese oder die vergangene?

Bargfrede:Es hat sich ehrlich gesagt nicht großartig anders angefühlt. Vor einem Jahr haben wir bis zum vorletzten Spieltag gezittert, da war der Druck sicherlich schon ein bisschen größer. Umso schöner, dass wir diesmal früher klare Verhältnisse geschaffen haben.

Sie waren schon vor dem Hoffenheim-Spiel mutig genug, zu sagen, dass der Klassenerhalt allein nicht genügt.

Bargfrede:Das ist ja auch so. Ich bin einer der Spieler, die noch die Zeiten kennen, als Werder weiter oben in der Tabelle gestanden hat. Und ich weiß: Je weiter du oben stehst, desto besser fühlt es sich an. Ich will nicht sagen: ,Okay, wir haben die Klasse gehalten, das war’s dann.‘ Ich will noch ein bisschen nach oben klettern.

Am Samstag wird das schwer. Werder gastiert bei Meister Bayern München.

Bargfrede:Klar, Bayern ist die beste Mannschaft, die es gibt. Dennoch machen wir keine Kaffeefahrt nach München.

Sondern?

Bargfrede:Wir wollen punkten, ein Remis holen. Oder sogar mehr.

Das ist ein forsches Ziel für ein Team, das das Hinspiel mit 0:7 verloren hat.

Bargfrede (lacht): Das stimmt schon, und sicherlich wird es auch nicht einfach. Aber sollen wir schon vorher aufgeben? Außerdem: Warten wir doch ab, wie die Bayern zwischen den Champions-League-Spielen gegen Real Madrid auflaufen werden.

Während Sie in München das unmöglich Erscheinende versuchen, tobt der Abstiegskampf ohne Werder weiter. Schauen Sie dabei eigentlich besonders auf den Nordrivalen HSV?

Bargfrede:Natürlich. Grundsätzlich wäre es schade, wenn es einen Traditonsverein wie den HSV erwischen sollte. Uns würden zwei Derbys verloren gehen – und auf diese Spiele will man als Werder-Profi eigentlich nicht verzichten, weil sie wirklich etwas ganz Spezielles sind. Und sichere sechs Punkte waren es bisher auch meistens für uns (lacht).

Sie drücken dem großen Rivalen also die Daumen, dass er nicht absteigt?

Bargfrede:Die Daumen drücke ich dem HSV jetzt nicht gerade. Trotzdem wäre es nicht schlecht, wenn wir auch in der nächsten Saison diese beiden Spiele hätten. Als Fußballer willst du genau diese Partien mit dem gewissen Etwas bestreiten.

Was ist aus Ihrer Sicht nötig, damit Werder in der kommenden Saison nicht erneut in den Abstiegskampf gerät?

Bargfrede:Als Mannschaft sind wir eigentlich ganz gut aufgestellt. Die Charaktere passen, die Atmosphäre im Team stimmt. Das hat die Saison ja auch gezeigt: Immer, wenn wir unter extremem Druck standen, haben wir uns da selbst und mit der Hilfe unserer Fans wieder befreit. Ich hoffe aber, dass wir uns punktuell noch verstärken werden. Ich vertraue da voll und ganz auf Thomas Eichin (Sportchef, d. Red.) – er wird gemeinsam mit Trainer Robin Dutt sicher die nötigen Schritte unternehmen.

Am schwerwiegendsten wird der Weggang von Aaron Hunt bewertet. Auch von Ihnen?

Bargfrede:Es wird schwer, diesen Verlust zu kompensieren. Ob ein anderer Spiele in die Fußstapfen treten kann, wird sich zeigen. Vielleicht kommt auch noch ein Spielmacher. Wie gesagt – ich setze da auf Thomas Eichin. Er ist der richtige Mann für Werder Bremen. · csa

Dschungelcamp 2017: Tag fünf im Busch in Bildern

Dschungelcamp 2017: Tag fünf im Busch in Bildern

DHB-Auswahl im Schongang ins WM-Achtelfinale

DHB-Auswahl im Schongang ins WM-Achtelfinale

Werder-Training am Dienstag

Werder-Training am Dienstag

Hochgeschlossen ist das neue Sexy

Hochgeschlossen ist das neue Sexy

Meistgelesene Artikel

Nächste schlechte Nachricht von Grillitsch

Nächste schlechte Nachricht von Grillitsch

Niklas Moisander: „Es fühlt sich besser an“

Niklas Moisander: „Es fühlt sich besser an“

Garcia-Gespräche: Die Luft ist raus

Garcia-Gespräche: Die Luft ist raus

Premiere auf neuem Hybridrasen

Premiere auf neuem Hybridrasen

Kommentare