Morgen sollen die Bremer Profis ausblenden, was nicht auszublenden ist

Alltag mit Maschinenpistolen

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Happy Birthday, Viktor Skripnik! Gestern feierte der Werder-Coach seinen 46. Geburtstag, morgen wartet auf ihn einer der ungewöhnlichsten Arbeitstage seiner Karriere.

Bremen - Am Anfang war die Terrorangst das Thema – am Ende das Abendessen im Hause Skripnik. Man mag den Verlauf, den gestern die Pressekonferenz vor dem Bundesliga-Auswärtsspiel des SV Werder beim VfL Wolfsburg (morgen, 15.30 Uhr) nahm, als merkwürdig bezeichnen. Aber dass der Bogen vom Bedeutenden zum Banalen geschlagen wurde, war ganz im Sinne von Viktor Skripnik.

Der Bremer Trainer wünscht sich nichts mehr, als dass dieser Bundesliga-Spieltag so wird „wie tausend zuvor“. Normal eben. Skripnik feierte gestern seinen 46. Geburtstag. Die Glückwünsche dafür nahm er mit einem dankbaren Lächeln entgegen. Doch dann wurde die Miene ernst, denn es galt zu erklären, ob und wie sich Profi-Fußballer nach den Ereignissen der letzten Tage auf ihren Job konzentrieren können. Selbigen sollen sie am Wochenende erledigen, als ob es die Angriffe in Paris und die Länderspielabsage in Hannover nicht gegeben hätten. Aber geht das überhaupt?

„Ich gebe zu, es wird nicht einfach“, sagte der Ukrainer: „Was passiert ist, kannst du nicht einfach ausblenden.“ Und doch müsse es irgendwie gehen. Skripnik nun fordernd statt besorgt: „Wir sind Sportler. Wir müssen uns auf das fokussieren, was wir können. Im Moment unterhalten sich die Spieler in der Kabine über die Situation, aber wenn der Punkt gekommen ist, dass es nur um Fußball geht, ist alles okay.“

Ohnehin sei die Atmos-phäre in der Kabine nicht von Angst geprägt. Das Thema Terrorgefahr ist „sehr präsent, es beschäftigt jeden“, sagte Kapitän Clemens Fritz. Aber Angst? Nein, nein, „davon spricht niemand“, so Fritz. Und psychologische Betreuung benötige auch niemand, so Skripnik: „Ich sehe keinen Bedarf.“ Die meisten Profis empfinden es wohl wie Clemens Fritz: „Ich persönlich mache mir keine große Sorgen, dass etwas passiert.“ Cirka 4 000 Werder-Fans geht es genauso. Sie werden ihr Team morgen in Wolfsburg unterstützen.

Sie müssen sich an den Einlässen zur VW-Arena auf deutlich erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und längere Kontrollen einstellen. Rund um das Stadion werden Polizisten mit Maschinenpistolen patrouillieren. „An Präsenzpunkten in Stadionnähe werden Kollegen anders aussehen als sonst und anders bewaffnet sein als sonst“, wird Wolfsburgs Polizeichef Hans-Ulrich Podehl in der „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ zitiert.

Sicher werden auch die Profis auf dem Weg zum Spiel die Maschinenpistolen sehen. Sicher werden auch sie kontrolliert, der Mannschaftbus gecheckt. In welchem Umfang und wie sehr das die Abläufe verändern wird, weiß aber auch Werder-Sportdirektor Rouven Schröder noch nicht: „Die Antennen werden sicher noch sensibler eingestellt. Wir werden unsere Informationen erhalten, wenn wir im Teamhotel sind.“

Spätestens dann wird Viktor Skripnik voll und ganz in den Fußball-Modus zurückgefunden haben. Gestern Abend wollte er schon eine größere Portion Normalität genießen. Geburtstagsessen im Kreis der Familie. „Ohne Gäste, ohne Sorgen“, meinte der Coach. Was dabei Leckeres auf den Tisch kam? „Keine Ahnung. Wie immer das, was meine Frau kocht.“ n csa/mr

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