Der Ex-Bremer wandelt auch bei seinem dritten Mainzer Engagement auf einem schmalen Grat

Mohamed Zidan – Pampers oder Peitsche

Kein typisches Familienauto, das Mohamed Zidan da fährt. Im Bentley ist aber sogar Platz für ein paar Windeln. ·

Werder-Bremen - MAINZ · Es geschah erst Mitte des Monats. Mohamed Zidan durfte seinen Wagen mitten vor dem Stadion am Bruchweg parken. Ein Privileg.

Dann kam Christian Heidel mit einem Einkaufswagen voller Pampers angeschoben, woraufhin Torjäger und Manager des FSV Mainz 05 vor den klickenden Auslösern der Fotografen gemeinsam vier Pakete in den Kofferraum luden. Die Windeln für Zidans 15 Monate alten Sohn Adam galten als offizielle Belohnung für eine traumhafte Wiederkehr, die der mittlerweile eingebürgerte Ägypter bei den Rheinhessen feierte. Sechs Tore in sechs Spielen nach seinem Wechsel von Borussia Dortmund – nicht zum ersten Mal lagen ein ganzer Verein und eine ganze Stadt diesem Spaßfußballer zu Füßen.

Doch am Beispiel Zidan zeigt sich auch, wie schnelllebig die Branche ist. Denn Heidel klingt vor dem Gastspiel bei Werder Bremen ganz anders, wenn die Sprache auf seinen Lieblingsspieler kommt: „Zidan ist einer, dem muss man jetzt sagen, dass die Antennen wieder ausgefahren werden. Er hatte einen super Auftakt, und wir hätten gerne, dass das noch weitergeht.“ Für den 30-Jährigen sei es nach seiner Mainzer Rückkehr wohl zu gut gelaufen, „dann hat er ab und zu den Drang, sich nicht 100-prozentig auf die Sache zu konzentrieren“. Das sei aber nichts, was sich nicht regeln lasse, versichert Heidel: „Ich kenne meinen Freund. Da muss man ihn mal zur Seite nehmen, an ein paar Stellschrauben drehen. Er weiß auch, dass er in Bremen eine andere Leistung bringen muss.“ Dem Spieler selbst wird diese Woche geraten, sich öffentlich nicht zu äußern – Taten statt Worte sind gefragt. Trainer Thomas Tuchel will bei allen Profis „die Sinne schärfen“.

Grund: Unverhofft ist der selbst ernannte Karnevalsverein wieder in Abstiegsgefahr geraten. Und Zidan ging als Symbol der Nachlässigkeit voran: Beim 1:2 in Augsburg fiel die Nummer 35 lediglich auf, weil er Gegenspieler Matthias Ostrzolek tätlich angegangen haben soll; beim 1:3 gegen Hertha war er dann gar nicht mehr zu sehen. Aber vielleicht war der Rummel für den 38-fachen ägyptischen Nationalspieler einfach zu groß, als der allseits „Mo“ getaufte Freigeist nach seinem Dortmunder Schattendasein das Mainzer Rampenlicht genoss wie ein Durstiger den ersten Schluck Wasser.

Mit der Rückkehr ins Weserstadion werden bei Zidan nun unweigerlich die Erinnerungen an seine Bundesliga-Anfangszeit wach: War es doch der SV Werder, der den 1,72-Meter-Quirl im Winter 2005 vom dänischen Erstligisten FC Midtjylland nach Deutschland lockte. Auch damals gelang ihm bei seinen ersten beiden Kurzeinsätzen jeweils ein Tor, doch das Glück fand er nicht. Gegen die Konkurrenz eines Miroslav Klose und Ivan Klasnic in Topform hatte der filigrane Stürmer einen schweren Stand; sein kindliches Gehabe vergrößerte die Akzeptanz bei Trainer Thomas Schaaf nicht gerade. Gleich zweimal flüchtete Zidan zum FSV Mainz 05 unter Ziehvater Jürgen Klopp: erst auf Leihbasis 2005/2006, dann endgültig im Winter 2007. Dass er einst am 4. Februar 2006 nach 13 Sekunden in Bremen ein Tor schoss (Mainz verlor am Ende 2:4), rundete die skurrile grün-weiße Episode ab.

Ein schlechtes Wort über Werder hat er auch später nie verloren, doch ihm hat wohl jene Nestwärme gefehlt, die nur Mainz ihm bietet. Manager Heidel erklärt, dass der ständige SMS-Austausch mit Zidan während dessen Dubai-Urlaubs erst die Rückholaktion und den Vertrag bis Saisonende mit Option bis 2014 möglich gemacht habe.

„Er kennt die Stadt, die Leute sind ihm wohlgesonnen. Er fühlt, dass er nach Hause gekommen ist“, ergänzt Trainer Tuchel. Doch die Verantwortlichen wissen, dass dieser Spieler in den liebevollen Würgegriff genommen werden muss, damit er funktioniert. Noch immer wird er deshalb der „verrückte Pharao“ genannt. Der, der wechselweise Pampers oder Peitsche bekommt. · mb

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