Tim Wiese gibt Treuebekenntnis für Werder ab und würde gerne bis zum Karriereende bleiben

„Mit Werder durch dick und dünn“

Faust auf Faust: Die Vertragsgespräche zwischen Klaus Allofs und Tim Wiese sollten problemlos über die Bühne gehen.

Von Björn Knips · Während quasi ganz Werder Bremen am Boden lag, stand einer immer seinen Mann: Tim Wiese. Der Keeper spielt eine hervorragende Hinrunde, konnte den Absturz seines Clubs aber auch nicht verhindern. Und das hat ihm schwer zu schaffen gemacht. Doch nun ist der 28-Jährige wieder wesentlich besser gelaunt und verkündet im Interview, dass er am liebsten ewig für Werder spielen würde.

Tim Wiese, Sie wirkten nach dem 3:0-Sieg gegen St. Pauli so erleichtert wie selten zuvor. War die Anspannung vorher so groß gewesen?

Sah das wirklich so aus? Na ja, ich war auch richtig erleichtert. Aber das galt sicher nicht nur für mich. Nach diesen vielen Negativ-Erlebnissen tat dieser Sieg richtig gut. Und das war gegen Pauli auch kein Selbstläufer, sondern ein ganz schön enges Ding. Da brauchten wir auch ein bisschen Glück.

Und einen guten Torwart. In der Krise waren Sie fast immer der beste Bremer, wie haben Sie das gemacht?

Ich habe einfach versucht, mich dagegen zu stemmen. Obwohl es wirklich nicht leicht war. Da muss man sich nur die Ergebnisse anschauen.

Die haben bei Ihnen offenbar deutliche Spuren hinterlassen. Noch vor einer Woche waren Sie vor dem Abflug nach London zum Tottenham-Spiel total gefrustet und deprimiert.

Wir haben ja auch eine schlimme Zeit durchgemacht. Es ist nicht toll, ständig die Bude voll zu kriegen. Ich war total enttäuscht. Und dann fliegst du mit dem quasi letzten Aufgebot nach London und spielst da gegen eine Klasse-Mannschaft wie Tottenham – da machst du dir schon deine Gedanken, wie das enden wird. Aber da haben wir uns ganz gut verkauft. Und dann kam zum Glück das Pauli-Spiel. Dieses Erfolgserlebnis brauchten wir einfach, wir sind jetzt wieder dran.

Ist die Stimmung in der Kabine wieder besser?

Natürlich merkt man das. Alle sind erleichtert, es ist mehr Freude da, und es wird auch wieder mehr gelacht.

Mehrfach hieß es: Dieser Mannschaft fehle der Teamgeist, viele Spieler seien egoistisch.

Ach, das wird doch von außen reingetragen. Das stimmt nicht.

Kapitän Torsten Frings hat sich aber ähnlich geäußert und ordentlich auf den Tisch gehauen.

Das darf er als Kapitän auch. Aber meiner Meinung nach sind wir in einen Negativstrudel geraten und einfach mitgerissen worden. Ich erinnere nur mal an das Heimspiel gegen Nürnberg. Da hätten wir zur Halbzeit alles klar machen müssen – und dann wären wir nach dem 10. Spieltag Dritter gewesen. Aber wir verlieren noch – und anschließend ging’s richtig bergab.

Ist eine Profi-Mannschaft nur eine Zweckgemeinschaft?

Das kann man so sehen, aber darum geht es nicht. Wenn’s läuft, dann läuft’s. Das ist doch überall gleich. Unsere Mannschaft hat die Qualität. Aber wir hatten nun einmal viele Ausfälle, die schwer zu ersetzen sind. Und von Niederlage zu Niederlage wird es schwieriger. Das Selbstvertrauen verabschiedet sich und Spieler verstecken sich, weil sie keine Fehler machen wollen.

Sie haben zwar weiter Leistung gezeigt, aber Ihre Ausstrahlung auf dem Platz war nach Gegentoren schnell negativ. Das hat selbst Clubchef Klaus Allofs kritisch angemerkt.

Ist mir gar nicht so aufgefallen – und mit mir hat darüber auch niemand gesprochen. Fakt ist: In der Zeit gab’s auch wenig Positives, und nach Gegentoren ärgert man sich nun einmal – ich sicher am meisten.

Haben Sie in der Tabelle zuletzt auch nach unten geschaut?

Natürlich, der Abstand zu den Abstiegsplätzen war ja nicht mehr so groß. Und wir müssen weiter nach unten schauen und schnell weiter punkten. Allerdings: So groß ist der Abstand zu den internationalen Plätzen auch nicht. Und letzte Saison haben wir

Damit beschäftige ich mich jetzt nicht. So schlimm sieht es bei uns nun auch wieder nicht aus.

Was würde es finanziell bedeuten, wenn Werder nächste Saison nicht international spielen würde? Wären dann die Stars weg?

Das glaube ich nicht. Nach sechs Jahren in der Champions League und einem Jahr Europa League bricht doch hier nicht alles zusammen, weil Werder einmal nicht international dabei ist. Dann dürfte es Vereine wie Dortmund und Leverkusen ja gar nicht mehr geben. Und die haben jetzt auch starke Mannschaften.

Also würden Sie auch ohne Champions oder Europa League in Bremen bleiben?

Natürlich, ich fühle mich hier sehr wohl, meine Familie auch. Hier wurde so viel aufgebaut, die Perspektiven sind gut. Man muss mit seinem Verein Höhen und Tiefen durchmachen – das tue ich: Ich gehe mit Werder durch dick und dünn!

Heißt das, dass Sie Ihren bis 2012 laufenden Vertrag vorzeitig verlängern?

Ich hätte nichts dagegen. Und wenn es ein langfristiger Vertrag wird, dann bleibe ich bis zum Ende meiner Karriere hier. Es gibt doch in Deutschland nur Werder und die Bayern, die seit Jahren erfolgreich sind.

Die Bayern brauchen bald einen neuen Keeper, schließlich ist Jörg Butt schon 36 Jahre alt.

Darüber mache ich mir keine Gedanken.

Ist die Nummer eins in der Nationalmannschaft weiter ein Thema für Sie?

Natürlich, ich bin doch erst 28 Jahre alt. Der Fußball ist so schnelllebig, da kann so viel passieren. Die Nummer eins bleibt in meinem Kopf.

Zurück zu Werder: Was sagen Sie zu den Pfiffen am vergangenen Sonntag gegen Aaron Hunt?

Davon habe ich auf dem Platz nichts mitbekommen und später nur davon gehört und gelesen.

Aber zur Stimmung im Weserstadion können Sie schon was sagen?

Es sind alle unzufrieden – auch die Fans. Und sie haben auch das Recht zu pfeifen, wenn wir schlecht spielen. Und wir haben schlecht gespielt.

Wieviele Punkte sind in den letzten drei Hinrunden-Spielen für Werder möglich?

Neun natürlich, aber das steht wirklich in den Sternen. Es wäre toll, wenn von den Verletzten wieder jemand zurückkommt. Zum Beispiel Claudio Pizarro. Oder auch Marko Arnautovic. Der hat echt Potenzial, er muss es nur ausschöpfen.

Diego hat das einst in Bremen getan, bei Juventus Turin dann nicht – nun spielt er bei Ihrem nächsten Gegner in Wolfsburg. Ist Diego in Turin gescheitert?

Wenn jemand nach nur einem Jahr zurückkommt, dann ist es sicher nicht so toll gelaufen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass wir mal in Wolfsburg gegen Diego spielen. Aber daran sieht man auch, wie gefährlich Vereinswechsel sein können, speziell wenn man das ruhige Umfeld in Bremen genossen hat.

Ihr Tipp für Wolfsburg?

Wir müssen punkten, das ist klar. Mehr muss man dazu nicht sagen.

15 Punkte aufgeholt.

Würden Sie für Werder auch in der Zweiten Liga spielen?

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