Rolff wundert sich über Werder

„Mit dieser Mannschaft ist eigentlich Platz acht drin“

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Gestern noch in Bremen, bald in Aserbaidschan: Wolfgang Rolff hat einen neuen Job gefunden. Die Entwicklung bei Werder verfolgt er noch sehr intensiv – und sieht vieles kritisch. ·

Bremen - von Björn Knips. Wolfgang Rolff ist zurück in Bremen – allerdings nur für zwei Tage. Der langjährige Co-Trainer des SV Werder, der inzwischen in Köln lebt, besucht Freunde und seinen ehemaligen Chef Thomas Schaaf. Dem hatte er Wichtiges mitzuteilen.

„Thomas sollte von mir persönlich erfahren, dass ich Co-Trainer von Aserbaidschan werde“, erklärte Rolff gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Dabei ging es natürlich auch um den SV Werder, über den sich der 54-Jährige ziemlich wundert.

„Ich verstehe nicht, warum diese Mannschaft so klein geredet wird, man sollte sie lieber stark reden“, findet Rolff und ist überzeugt: „Wenn alles passt, ist mit dieser Mannschaft eigentlich Platz acht drin. Die Qualität hat sie. Mit dem Abstiegskampf sollte Werder nichts zu tun haben.“

Also anders als in der Vorsaison, als Rolff noch mit Schaaf auf der Bremer Bank saß. Der Club reagierte auf die enttäuschende Saison mit der Trennung vom Trainerteam. „Wir hatten noch ein Jahr Vertrag, diese Zeit für den Neuaufbau hätte man uns geben können“, beklagt Rolff, verspürt aber keinen Groll: „So ist das Geschäft. Wir können uns alle in die Augen schauen.“

Den Nachfolgern hatte Rolff im Sommer auf der Tafel in der Trainerkabine noch eine Glückwunschbotschaft hinterlassen, nun übt er Kritik an Robin Dutt und Co.: „Vor der Saison wurde entschieden, defensiv zu spielen. Damit war man auch erfolgreich. Dieser Erfolgspfad wurde verlassen, um angeblich dem Publikum einen Gefallen zu tun. Das kann ich nicht nachvollziehen. Hätte man die Spielweise nicht verändert, hätte man jetzt drei, vier Punkte mehr.“ Auch den Zeitpunkt für den Torwartwechsel hält Rolff für falsch: „Sebastian Mielitz hätte es verdient gehabt, sich nach den Fehlern im Spiel gegen Mainz noch einmal beweisen zu dürfen. Wenn man schon vorher der Überzeugung war, dass Raphael Wolf besser ist, dann hätte man früher reagieren müssen.“

Kritisch beäugt Rolff auch die Transfers seines Ex-Clubs. „Cedric Makiadi hat mich enttäuscht“, sagt der Ex-Profi – und bei Franco Di Santo wundert er sich, „dass er oft auf dem Flügel spielt. Das ist doch ein Mittelstürmer. Deshalb kann man ihn gar nicht fair bewerten.“ Im Gegensatz zu Innenverteidiger Luca Caldirola, den Rolff als ziemlich abgeklärten Spieler lobt. Auch mit Santiago Garcia ist der Ex-Bremer zufrieden, „obwohl er manchmal zu ungestüm agiert und damit einen Platzverweis riskiert“.

Mit Hochspannung blickt Rolff auf Werders Rückrunden-Start am Sonntag. „Gegen Braunschweig muss man gewinnen. Das ist ganz wichtig für die Stimmung im Team und für das Selbstvertrauen.“ Er selbst wird nicht mehr vor Ort sein. Zuhause trifft er schon Vorbereitungen für seine erste Aserbaidschan-Reise. Dort trifft er dann auf Nationalcoach Berti Vogts, der ihn zum Engagement bei dem Fußball-Zwerg überredet hat. Mit Vogts hatte Rolff schon in Kuwait und bei Bayer Leverkusen zusammengearbeitet.

Danach ging es 2004 zu Thomas Schaaf. Mit dem er gerne einen neuen Job angenommen hätte – zum Beispiel auf Schalke. Die Knappen hatten Anfang November Schaaf als möglichen Nachfolger von Jens Keller kontaktiert. „Aber man hat nicht zueinander gefunden“, erklärt Rolff. Weil eigene Angebote als Chefcoach in der ersten oder zweiten Liga ausblieben und sich ein Engagement beim türkischen Zweitligisten Fethiyespor zerschlug, setzte Rolff auf Vogts: „Ich habe einfach Hummeln im Hintern, ich will wieder arbeiten.“

Einen ersten Schnupperkurs gab es vergangene Woche in Belek. Mit Vogts besuchte Rolff fünf Clubs aus Aserbaidschan, die in der Türkei ihr Trainingslager absolvieren. Sein erstes Länderspiel wird er im März erleben: Dann spielt der 94. der Weltrangliste in Dubai gegen die Philippinen. · kni

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