Lemke schweigt nach Borns Witzeparade / Wie beim Karneval – alles nur Spaß? / „Bewährung“ für Schulz

Missbilligung durch Missachtung

Jürgen L. Born – in der „Bütt“ hat er heftig gewitzelt.

Werder-Bremen - BREMEN n Willi Lemke befindet sich derzeit im Urlaub. Irgendwo in den Bergen. Jürgen L. Born spannt ebenfalls aus. Oder besser gesagt: Er hattes es vor – wie Lemke auch. Doch der Zwist zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Werder Bremen und dem ehemaligen Vorsitzenden der Geschäftsführung lässt Erholung in diesen Tagen nicht zu. Nach Borns Witze-Feuerwerk gegen Lemke auf dem Schützenfest in Twistringen war gestern Lemke an der Reihe.

Der gewiefte Politiker wählte bei seiner Replik auf Borns humoristisch gedachten Auftritt (wir berichteten) allerdings nicht die grobe, sondern die feine Klinge. Wie sich Born geäußert habe, sei nicht sein Niveau, sagte Lemke: „Die Äußerungen sprechen für sich. Da erübrigt sich jeder Kommentar.“ Er wählte das Mittel der Missachtung, um seine Missbilligung darzustellen.

Jürgen L. Born, im Frühjahr zurückgetretener, aber bei den grün-weißen Fans immens beliebter Werder-Boss, hatte in einer Festzelt-Rede seinen Widerpart Willi Lemke zur Zielscheibe seines Humors gemacht. Und das ausgerechnet an jenem Tag, an dem Aufsichtsratsmitglied (und Born-Freund) Hans Schulz einen unfreiwilligen, aber gleichwohl Aufsehen erregenden Angriff gegen Willi Lemke gestartet hatte. Einen unglücklicheren Zeitpunkt hätte es für Borns Witzparade kaum geben können. Im Nachhinein versucht der 68-Jährige nun, den Dingen die Brisanz zu nehmen. Schützenfest in Twistringen – das sei wie Karneval im Rheinland, meint Born: „Da steigt man in die Bütt und greift in den rustikalen Mustopf. Das ist dort seit Jahren so üblich. Vielleicht habe ich diesmal etwas heftig reingelangt.“ Also alles nur Spaß?

Der Graben zwischen Born und Lemke ist viel zu tief, als dass daran wirklich geglaubt werden könnte. Lemke nimmt den Auftritt jedenfalls ernst: „Ich bin nicht belustigt. Aber auch nicht beleidigt.“ Wie gesagt, Lemke pflegt einen anderen Stil.

Manchmal gehört die Süffisanz dazu. Ein Beispiel: Als Jürgen L. Born in der Affäre um 50 000 auf sein Konto geflossene US-Dollar in den Fokus geriet, merkte Willi Lemke an, dass er sicher wüsste, woher das Geld käme, wenn er es erhalten hätte. Born habe aber genau das nicht erklären können. Damit hatte Lemke die Tür geöffnet und den Weg angezeigt: Da geht’s raus! Und genau so passierte es: Der Vorsitzende der Geschäftsführung ließ seine Ämter zunächst ruhen, trat dann zurück.

Mittlerweile hat eine Wirtschaftsprüfung ergeben, dass es keine Hin- und schon gar keine Beweise dafür gibt, dass Born die 50 000 Dollar betreffend unrechtmäßig und zum Schaden von Werder gehandelt hat. Dennoch bleibt die von Schulz geforderte Entschuldigung an Born aus. Willi Lemke sieht auch keinen Grund dafür. Immer wieder betont er, dass „jeder Schritt mit dem Aufsichtsrat und der Geschäftsführung abgestimmt“ gewesen sei: „Es hat keinen Inquisitor oder Staatsanwalt Lemke gegeben.“

Genau diese Vorwürfe hatte Hans Schulz erhoben. Frage: Ist eine weitere Zusammenarbeit im Aufsichtsrat noch vorstellbar? Schulz will nicht zurücktreten, Lemke lässt den Kollegen nach einem klärenden Gespräch aber nicht so leicht davonkommen. „Im Moment bin ich maßlos verärgert“, sagt er und spricht indirekt eine Bewährungsstrafe aus. Ob Lemke und Schulz noch eine gemeinsame Basis haben, „hängt davon ab, wie die nächsten Tage und Wochen verlaufen“, meint der Vorsitzende des Gremiums und erläutert die Bewährungsauflagen: „Wir müssen so schnell wie möglich wieder die Interessen des Vereins in den Vordergrund rücken.“ Für Hans Schulz ist das die Aufforderung, sich ruhig zu verhalten und keinen Aufstand zu proben.

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