"Niemand hat sich überschätzt"

Vor 25 Jahren holte Werder den Pokal – Kapitän Mirko Votava erinnert sich

Werders Pokalsieger 1991
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Werders Pokalsieger 1991 oben von links: Trainer Otto Rehhagel, Rune Bratseth, Uwe Harttgen, Thomas Schaaf, Thomas Wolter, Frank Neubarth, Manfred Bockenfeld, Gunnar Sauer, Marco Bode, Jonny Otten, Co-Trainer Karl-Heinz Kamp, Dieter Eilts – unten von links: Mirko Votava, Günter Hermann, Oliver Reck, Klaus Allofs, Uli Borowka, Jürgen Rollmann.

Bremen - Von Björn Knips. 25 Jahre nach dem Triumph im DFB-Pokal erinnert sich Werder-Legende Mirko Votava an den großen Tag und Trainer Otto Rehhagel – und blickt auf den heutigen SVW.

Seine Trophäensammlung ist enorm. Mirko Votava wurde mit Deutschland Europameister (1980), mit Atletico Madrid spanischer Pokalsieger (1985) und mit Werder Bremen Deutscher Meister (1988,

Auch mit 60 Jahren noch gut am Ball: Mirko Votava lief im Sommer am Tag der Fans für die Traditionsmannschaft auf.

1993), Pokalsieger (1991, 1994) und gewann den Europapokal der Pokalsieger (1992). Da ist es gar nicht so einfach, sich an einen einzelnen Titel zu erinnern. Der 60-Jährige hat es trotzdem versucht, schließlich wird am Mittwochabend im Hansezelt auf dem Freimarkt ab 19.30 Uhr das 25-jährige Jubiläum des Pokalsiegs von 1991 gefeiert. Im Interview erzählt Votava auch, ob er mit seinem Freund Otto Rehhagel eine Runde Achterbahn fahren wird, wie lange er noch Werders U19 trainieren möchte und was er vom neuen Werder-Chefcoach Alexander Nouri hält.

Herr Votava, welches Bild haben Sie im Kopf, wenn Sie an den Pokalsieg 1991 denken?

Mirko Votava: (lacht) War ich da Kapitän?

Natürlich!

Votava: Dann sicher das Bild mit dem Pokal in meinen Händen. Ich habe mich immer geärgert, dass es von diesen Momenten so wenig Bilder gibt. Aber ich habe die Pokale und Schalen einfach immer zu schnell weitergegeben, das war mein Fehler (lacht).

Von dem Pokalsieg gibt es auch Bilder mit den Spielerfrauen in der Kabine. Wie war die Siegesnacht von Berlin?

Votava: Wollen Sie uns da etwas unterstellen (lacht)? Was man so alles macht nach einem Sieg, das ist schon Wahnsinn. Es war recht gemütlich in der Kabine. Die Feierlichkeiten danach waren auch richtig gut. Unser Sponsor hatte extra für uns eine Disco angemietet. So etwas muss man genießen. Das haben wir auch gemacht, denn wir waren ja eine erfahrene Truppe und wussten nicht, was die Zukunft noch bringt.

Was hat die Mannschaft damals besonders ausgezeichnet?

Votava: Jeder wusste, was er zu tun hatte. Niemand hat sich überschätzt. Ich habe mich zum Beispiel gehütet, als Abwehrchef überhaupt mal über die Mittellinie zu gehen. Wir hatten so eine gute Offensivabteilung, da wollte Otto Rehhagel nicht noch mehr da vorne rumlaufen haben.

Welche Rolle hat Trainer Otto Rehhagel gespielt?

Votava: Er hatte das Fingerspitzengefühl, das einen guten Trainer auszeichnet. Er hat über Jahre den Kontakt zu Spielern gepflegt, im richtigen Moment zugeschlagen und sich so in Bremen den optimalen Kader zusammengestellt. Dafür hatte er aber auch eine sehr hohe Telefonrechnung...

Was meinen Sie mit Fingerspitzengefühl?

Votava: Um die elf Spieler, die immer spielen, musst du dich nicht kümmern. Aber die dahinter sind wichtig. Mit denen ist er dann mal Kaffeetrinken gegangen und hat so eine familiäre Atmosphäre geschaffen.

Rehhagel hat sehr auf ältere Spieler gesetzt. Hätte so eine – sorry – Oldie-Truppe im heutigen Fußball noch eine Chance?

Votava: Wann ist man denn Oldie?

Im heutigen Fußball ab 30 – vielleicht sogar schon etwas eher?

Votava: Mit 29 Jahren ist man doch nicht auf dem absteigenden Ast. Mit 30 Jahren habe ich noch Bäume gefällt. Für mich gibt es kein alt und jung.

Sie haben sogar noch mit 40 Jahren in der Bundesliga gespielt.

Votava: Ich habe meinen Vertrag immer nur um ein Jahr verlängert und dann Vollgas gegeben. Das hat gut geklappt.

Sie sind seit zwölf Jahren U19-Coach – was hat sich verändert?

Votava: Gar nicht so viel. Wir fahren im Werder-Leistungszentrum immer noch sehr gut zweigleisig – also Schule und Fußball. Da müssen die Jungs sehr diszipliniert sein. Der Verein investiert viel in diese Spieler, das müssen sie dann auch mit Einsatz zurückzahlen.

In den vergangenen Jahren waren Sie mit Ihrer U19 immer sehr erfolgreich, jetzt ist Ihr Team Vorletzter der Bundesliga-Nord. Woran liegt das?

Votava: Es gibt solche und solche Jahrgänge. Zudem haben wir mit Johannes Eggestein und Niklas Schmidt zwei wichtige Spieler verloren, die schon jetzt zu den Profis und der U23 hochgerückt sind, obwohl sie noch in der U19 spielen könnten. Für sie freut es mich sehr, es ist auch der richtige Zeitpunkt. Sie machen das gut. Unabhängig von alledem ist aber eines ganz wichtig: Wir dürfen mit der U19 nicht absteigen!

Sie sind vor ein paar Monaten 60 geworden, wie lange wollen Sie noch als Trainer arbeiten?

Votava: Das weiß ich nicht. Die jungen Spieler halten mich fit. Das finde ich gut. Ich lerne immer wieder dazu. Es macht mir Spaß. So lange ich gesund bin, mache ich gerne weiter.

Mirko Votava präsentiert den DFB-Pokal.

Heute Abend geht es zum Pokal-Jubiläum auf den Freimarkt. Werden Sie mit Otto Rehhagel auch noch Achterbahn fahren?

Votava: Wenn wir uns nett zusammensetzten, soll das schon reichen. Otto ist wirklich ein Freund geworden. Ich habe ja nicht nur unter ihm gespielt, sondern auch für ihn und Griechenland bei der EM 2004 Spiele beobachtet. Natürlich freue ich mich ganz besonders auf Otto. Vielleicht unterhalten wir uns ja mal nicht über Fußball. Aber das ist bei Otto ganz schwierig... (lacht)

Auf wen freuen Sie sich noch?

Votava: Viele sehe ich hier ja noch ganz oft. Wynton Rufer besucht uns zum Beispiel regelmäßig.

Die Pokalsieger von 1991 werden im Hansezelt von Alexander Nouri und einigen aktuellen Profis geehrt. Was trauen Sie dem neuen Chefcoach und dem SV Werder in dieser Saison noch zu?

Votava: Das wird die Zukunft zeigen. Ich hoffe, dass der positive Trend anhält und alles gutgeht.

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