Innenverteidiger hat mit Werder noch viel vor

Veljkovic im Interview: „Ich versuche, schneller zu werden“

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Milos Veljkovic stellt sich im Interview den Fragen von DeichStuben-Reporter Björn Knips.

Bremen - Milos Veljkovic ist gut gelaunt. Kein Wunder, der 22-Jährige hat einen tollen Sommer erlebt. Erst verlängerte er seinen Vertrag bei Werder vorzeitig, dann spielte er mit Serbien bei der WM – und zurück in Bremen bekam der Innenverteidiger große Wertschätzung von Trainer Florian Kohfeldt.

Veljkovic fühlt sich wohl bei Werder, kann sich sogar vorstellen, irgendwann Kapitän zu werden. Aber im Interview mit der DeichStube verrät er auch, wo er sich noch verbessern will und was die Bremer heute vor dem Pokalspiel in Worms (15.30 Uhr/Sky) auf keinen Fall machen dürfen.

Sorry, Herr Veljkovic, zunächst eine nicht-sportliche Frage, aber sie muss einfach sein: Wann waren Sie zum letzten Mal beim Friseur?

Milos Veljkovic: Vor einem Jahr oder so. Okay, manchmal kommt der Friseur vorbei und macht ein bisschen die Seiten sauber, aber das ist auch schon lange her.

Ist Tingeltangel-Bob von den Simpsons Ihr Vorbild?

Veljkovic: (lacht) Nein, nein. Der Trainer und einige Mitspieler haben mich das auch schon gefragt. Damit hat das aber nichts zu tun. Das ist meine Entscheidung. Ich lasse die Haare einfach weiter wachsen – und dann schauen wir mal.

Haben Sie sportlich ein Vorbild?

Veljkovic: Nein. Aber ich finde Mats Hummels und Jerome Boateng weltklasse, von ihnen schaue ich mir schon ein paar Sachen ab.

Welche?

Veljkovic: Sie können ein Spiel lesen, bleiben eigentlich immer ruhig, spielen tolle Diagonalbälle. Die beherrsche ich zwar auch schon einigermaßen gut, aber ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Trainer Florian Kohfeldt hat gesagt, dass Sie von der WM erwachsener zurückgekehrt sind. Haben Sie das auch festgestellt?

Veljkovic: Ich weiß es nicht, aber ich freue mich, wenn er das sagt. Bei der WM habe ich wirklich viel Erfahrung gesammelt – gerade durch meinen Einsatz gegen Brasilien. Das war schon ein besonderer Druck.

Milos Veljkovic fühlt sich im Werder-Trikot sehr wohl und kann sich noch viele Jahre in Bremen vorstellen.

Sie geben noch mehr Anweisungen auf dem Platz als früher – sind Sie jetzt der Abwehrchef?

Veljkovic: Nein, da sind wir alle gleichberechtigt. Aber ich will natürlich immer mehr Verantwortung übernehmen. Und von hinten habe ich einen guten Überblick, da kann ich die Kollegen gut dirigieren. Außerdem helfe ich mir damit auch selbst. Wenn der Sechser richtig steht und den Ball erobert, muss ich nichts mehr machen (lacht).

Waren Sie schon immer so ein Organisationstalent?

Veljkovic: Durchaus. Das habe ich in jungen Jahren schon beim FC Basel so gemacht. Ich spreche eben auch gerne mit meinen Mitspielern. Und mich hält es im Spiel auch wach, ich bleibe konzentriert.

Hat schon mal jemand gesagt, dass es genug ist?

Veljkovic: Nein. Ich habe meinen Mitspielern erklärt, warum ich das so mache und dass sie nicht wütend sein sollen. Ich will nur helfen. Ich denke, das haben alle verstanden.

Im Trainingslager in Grassau sah das einmal etwas anders aus, da sind Sie verbal mit Max Kruse aneinandergeraten.

Veljkovic: So etwas passiert immer mal wieder, das gehört dazu. Da sind eben Emotionen im Spiel. Danach ist das sofort wieder vergessen.

Max Kruse ist neuer Werder-Kapitän, würden Sie den Job irgendwann auch gerne mal übernehmen?

Veljkovic: Irgendwann vielleicht einmal. Das ist doch eine große Ehre für jeden Spieler – für mich ganz besonders. Wenn man sich meinen Weg hier so anschaut, erkennt man, dass ich jedes Jahr einen Schritt nach vorne machen möchte.

Das klingt nach noch sehr vielen Jahren bei Werder.

Veljkovic: Ich fühle mich sehr wohl hier. Die Bundesliga ist eine Weltklasse-Liga. Deswegen musste ich auch nicht lange überlegen, meinen Vertrag zu verlängern.

Woran wollen Sie noch arbeiten?

Veljkovic: Ich möchte noch abgeklärter sein und in den entscheidenden Momenten die Ruhe bewahren. Ich arbeite auch an meiner Physis und versuche, schneller zu werden.

Geht das?

Veljkovic: Ja, aber das ist schwer. Gerade im normalen Trainingsbetrieb bleibt da nicht so viel Zeit.

Zumal Trainer Kohfeldt die Mannschaft sehr fordert – auch taktisch.

Veljkovic: Das stimmt. Ein großes Lob an den Trainer, er bereitet uns auf jedes Training und Spiel sehr gut vor. Man muss wach sein, aber profitiert auch davon. Du hast als Innenverteidiger nun verschiedene Optionen, den Ball abzuspielen. Jetzt will jeder den Ball haben, keiner versteckt sich mehr. Das haben wir extrem verbessert.

Können Sie sich noch an den 12. August 2017 erinnern?

Veljkovic: Sorry, was war da?

Frisurentechnisch ähnelt Milos Veljkovic immer mehr Tingeltangel-Bob von den Simpsons. Das ist auch den Kollegen bei Werder nicht entgangen.

Sie haben Ihr erstes Pflichtspieltor im Werder-Trikot geschossen.

Veljkovic: Stimmt. Aber so wirklich gewollt, war das ja nicht (lacht). Der Ball ist mir ein bisschen abgerutscht.

Aber das Tor war extrem wichtig, es war das lang ersehnte Führungstor im Pokal bei den Würzburger Kickers.

Veljkovic: Die haben uns das Leben wirklich sehr schwer gemacht. Da war mein Tor schon der Dosenöffner. Danach ging alles viel leichter.

Wie wichtig ist Ihnen der Pokal?

Veljkovic: Sehr wichtig. Aber es bringt nichts, jetzt schon vom Finale oder so etwas zu sprechen. Ich denke nur von Spiel zu Spiel.

Wie schwierig ist es, am Samstag bei einem Regionalligisten wie Wormatia Worms die nötige Spannung zu haben?

Veljkovic: Da mache ich mir keine Sorgen. Alle sind total fokussiert und wissen, wenn wir es auf die leichte Schulter nehmen, kann es unangenehm werden.

Die Werder-Fans träumen schon von Europa, viele Ihrer Kollegen ebenfalls – Sie auch?

Veljkovic: Natürlich. Wir können Europa erreichen, aber das wird viel Arbeit. Wir müssen uns weiterentwickeln, das ist ganz wichtig.

Sie haben sich in den sozialen Netzwerken die Abkürzung MV13 verpasst, wie es viele Profis mit ihrem Namen und ihrer Rückennummer machen. Wie wichtig ist es, eine eigene Marke zu sein?

Veljkovic: Das ist momentan keine Marke. Ich will für die Fans da sein, ihnen etwas von mir zeigen. Das mache ich gerne.

Haben Sie keine Angst vor unangenehmen Kommentaren, wenn es mal nicht so läuft?

Veljkovic: Das gehört dazu. Aber ich kann damit ganz gut umgehen. Ich nehme weder Lob noch Kritik zu wichtig. So ist es auch nach Spielen. Ich bin dann nicht superglücklich oder todtraurig. Ich bin selbstkritisch, mache das mit mir aus. Außerdem muss man auch mal abschalten. Es darf nicht immer nur um Fußball gehen. Aber lange dauert das nicht (lacht).

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Quelle: DeichStube

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