Für 4,5 Millionen Euro – Werder schnappt sich den Kölner Publikumsliebling / Vertrag bis 2019

Der freche Herr Ujah

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Anthony Ujah (Mitte) war schon in Bremen und einigte sich mit den Werder-Verantwortlichen Thomas Eichin (rechts) und Rouven Schröder auf einen Wechsel.

Bremen - Achtung, Stadtmusikanten! Wie von dieser Zeitung schon gestern angekündigt, ist Anthony Ujah ab Sommer in Bremen – und der Nigerianer hat zu den tierischen Symbolen seiner sportlichen Heimat immer eine ganz besondere Beziehung. Beim 1.FC Köln packt er beim Torjubel gerne mal Geißbock Hennes bei den Hörnern und feiert kräftig ab. Demnächst soll der 24-jährige Stürmer im Werder-Dress jubeln. Und das ist keine ganz günstige Geschichte: Für den Nachfolger von Davie Selke, der zu RB Leipzig wechselt, überweist Werder angeblich die festgeschriebene Ablöse von 4,5 Millionen Euro. So viel hat Sportchef Thomas Eichin in seiner gut zweijährigen Amtszeit noch nie für einen Spieler bezahlt.

„Wir kommentieren keine Zahlen“, sagt Eichin, bestätigt aber, dass Werder nur aufgrund einer Ausstiegsklausel zum Zuge kam. Ansonsten wäre der Angreifer (Vertrag bis 2017) nicht bezahlbar gewesen. Schließlich hat er in dieser Saison zehn der 30 Kölner Bundesliga-Tore erzielt.

„Er ist ein robuster, bulliger und kopfballstarker Stürmer, der sich immer voll reinhaut“, beschreibt Werder-Kapitän Clemens Fritz den künftigen Kollegen, der einen Vertrag bis 2019 erhält: „Er war immer unangenehm bespielbar für unsere Abwehr.“ Auch Sportdirektor Rouven Schröder schwärmt vom 1,82 Meter großen und 81 Kilogramm schweren Neuzugang: „Er ist ein sehr emotionaler Stürmer, opfert sich auf und tut alles für die Mannschaft. Er kann den Ball vorne halten, macht Tore – und er kann sich mit seinen 24 Jahren noch entwickeln.“

Werder hofft, dass Ujah durch sein Alter und seine Erfahrung schon einen Schritt weiter ist als Selke. Der 20-Jährige hat in dieser Saison allerdings auch schon neun Treffer erzielt. Und Zweitligist RB Leipzig ist er sogar eine Ablöse von acht Millionen Euro wert. Geld, das Werder nun reinvestiert. Ujah sei der Ersatz für Selke – und nicht für Franco Di Santo, betont Eichin ausdrücklich. Gerüchte, wonach der Argentinier längst für einen zweistelligen Millionen-Betrag an Borussia Dortmund verkauft sei und nur deshalb der 4,5-Millionen-Transfer von Ujah möglich gewesen ist, weist der Sportchef zurück: „Davon weiß ich nichts.“ Es sei weiterhin das Ziel, den in einem Jahr auslaufenden Vertrag von Di Santo zu verlängern.

Ujah und Di Santo – wird es das neue Traumduo an der Weser? Der Neue aus Köln ist zwar nicht so technisch versiert wie sein südamerikanischer Kollege, aber er kann ebenfalls ein Publikumsliebling werden. „Er ist frech und kommt bei den Fans sehr gut an“, sagt Schröder. Bis gestern haben sie ihn in der Domstadt geliebt. Auch für solche Aussagen, dass er nach Deutsch bald Kölsch lernen wird. Das ist keine drei Wochen her. Mit seinem Wechsel an die Weser hat Ujah Verein und Anhänger total überrascht.

Am Sonntag war der Nigerianer in Bremen, absolvierte seinen Medizincheck, anschließend informierte Werder den 1. FC Köln über die Einigung mit dem Spieler. Aufgrund der Ausstiegsklausel blieb den Kölnern nur die Zuschauerrolle. Und die wurmt sie mächtig. Vor allem im Abstiegskampf. Dass es nun ein Foto gibt, auf dem sich Ujah freudestrahlend mit seinen neuen Arbeitgebern zeigt, nehmen sie ihm am Rhein übel. Möglicherweise kommt er deshalb in den letzten drei Partien nicht mehr zum Einsatz. Dabei beteuert Ujah gegenüber dem „Express“: „Mein Ziel ist es, mit dem FC den Klassenerhalt zu schaffen. Dafür werde ich alles geben.“

Ujah war 2010 aus Nigeria zum norwegischen Erstligisten Lilleström SK gewechselt. Im Sommer 2011 ging es für eine Ablöse von zwei Millionen Euro zum FSV Mainz, wo es nicht so lief. Die Rheinhessen liehen ihn 2012 an den damaligen Zweitligisten 1. FC Köln aus. Nach 13 Toren in 28 Spielen kaufte ihn der FC für 2,7 Millionen Euro – und schaffte auch dank seiner elf Tore den Bundesliga-Aufstieg. Zu Beginn der Serie galt Ujah dennoch als Kandidat für die Bank. Doch Patrick Helmes verletzte sich schwer – und Neuzugang Simon Zoller vom 1. FC Kaiserslautern floppte. Ujah nutzte die Situation. Und es war keine einfache, denn Köln will unter Trainer Peter Stöger eigentlich nur verteidigen.

In Bremen ist das anders. Viktor Skripnik lässt angreifen – und Ujah soll als Mittelstürmer mit Bällen gefüttert werden. Das habe in den Gesprächen mit dem Nigerianer, der bislang fünf Länderspiele absolvierte, genauso eine Rolle gespielt wie Werders Aufschwung. Natürlich auch der Gehaltsanstieg von 800000 Euro auf geschätzte 1,3 Millionen Euro – plus Handgeld. „Er will den nächsten Schritt machen“, sagt Eichin. Wenn es ihm gelingt, dann dürften die Stadtmusikanten schon bald Besuch von Ujah bekommen…

kni

Lesen Sie auch: Kommentar zum Ujah-Transfer - Werder ist zurück am Pokertisch

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