Hunt und Arnautovic in Gladbach nur Ersatz

Die Millionen-Bank: Schaaf rasiert seine Stars

+
Thomas Schaaf setzt auf den Nachwuchs: Schon bei ihrer Vorstellung im Bremer Profi-Kader im Sommer 2011 kümmerte sich der Werder-Coach um die Talente Tom Trybull (links) und Özkan Yildirim, heute bringt er sie sogar im Abstiegskampf. ·

Bremen - Im Abstiegskampf greift Werder-Coach Thomas Schaaf knallhart durch und nimmt keine Rücksicht auf seine Stars. Aaron Hunt und Marko Arnautovic werden heute Abend aller Voraussicht nach beim Bundesliga-Spiel in Mönchengladbach (18.30 Uhr) nur auf der Bank sitzen. Genauso wie Eljero Elia und Mehmet Ekici. Von dort aus werden sie ein neues System sehen: Auch Werder hat nun eine Doppelsechs.

„Wir haben die ganze Woche so trainiert, warum sollte der Trainer jetzt noch einmal alles umwerfen?“, meinte Hunt gestern nach dem Abschlusstraining auf die Frage, ob er noch auf einen Platz in der Startelf spekuliert. Für den 26-Jährigen ist kein Platz mehr im Mittelfeld. Dort setzt Schaaf nun auf wesentlich mehr Defensive. Kapitän Clemens Fritz und Tom Trybull bilden eine Doppelsechs, Kevin De Bruyne genießt davor etwas mehr Freiheiten. Auch Zlatko Junuzovic, der bisherige Alleinsechser, wurde aus dem Mittelfeld verbannt. Aber nicht auf die Bank. Der gelernte Offensivspieler darf jetzt rechts stürmen. „Es sieht ganz danach aus, dass es so kommt“, sagte der 25-Jährige.

Auch Schaaf sprach nach der letzten Einheit vor der Abfahrt nach Mönchengladbach, blieb beim Thema Überraschungen in der Startelf aber etwas kryptisch: „Es ist sicherlich alles möglich. Wir schauen immer, wie sich die Dinge für uns aufgezeigt haben.“ Will heißen: Die Eindrücke aus den letzten Spielen und dem Training sind entscheidend. Dabei haben Arnautovic und Hunt bei Schaaf zuletzt offenbar weniger gepunktet. Gleiches gilt für Linksverteidiger Lukas Schmitz, der ebenfalls aus der Startelf fliegt. Das Konto von Ekici und Elia ist in dieser Saison ohnehin ziemlich leer, deshalb schauen auch sie heute zu. Und sorgen für eine fast schon unglaubliche Millionen-Bank. Für Arnautovic hat Werder einst 6,5 Millionen Euro Ablöse berappt, Elia kostete 5,5 Millionen, Ekici fünf Millionen. Für Schmitz ging immerhin eine fast siebenstellige Summe Richtung Schalke. Macht zusammen bemerkenswerte 18 Millionen Euro. Zum Glück war Hunt als Eigengewächs quasi kostenlos.

De Bruyne beim Abschlusstraining

Dass Schaaf ausgerechnet jetzt hart durchgreift und die eher unerfahrenen Tom Trybull (20) und Özkan Yildirim (19) bringt, ist schon etwas verwunderlich. Denn in den gesperrten Nationalspielern Sokratis (Griechenland/24) und Sebastian Prödl (Österreich/25) fehlen bereits zwei erfahrene Kräfte. Schaaf geht also volles Risiko, um wieder in die Spur zu kommen. Er vertraut dabei einem, der noch nie in einer Bundesliga-Startelf gestanden hat: Özkan Yildirim aus dem nur 60 Kilometer von Bremen entfernten Sulingen. Seit zehn Jahren ist der Techniker schon bei Werder, drei Mal wurde er in dieser Saison eingewechselt. Schaaf will das Juwel behutsam aufbauen. „Als erstes schauen wir immer, wie er die Belastungen verträgt“, sagt der Coach über den Offensivspieler, der bis Ende des vergangenen Jahres 16 Monate wegen verschiedener Verletzungen ausgefallen war. Doch jetzt, so Schaaf, „ist Ötzi gut drauf“.

Das war beim Abschlusstraining nicht zu übersehen. Yildirim agierte selbstbewusst und trickreich mit überraschenden Steilpässen. Manchmal wirkte es zwar noch etwas zu verspielt und zu riskant, aber dafür gibt es als Absicherung jetzt zwei Sechser. Einer davon ist Tom Trybull, über den Klaus Allofs vergangene Saison mal sagte, er könne auch beim FC Barcelona mitspielen und würde beim schnellen Passspiel der Spanier nicht negativ auffallen. Dieser Vergleich des ehemaligen Werder-Managers tat Trybull nicht gut. Der Mittelfeldspieler fiel nach 15 Bundesliga-Einsätzen in ein Loch. Hinzu kamen gesundheitliche Probleme. „Tom war schon einmal ganz nah dran, aber dann auch sehr, sehr weit weg“, erinnert sich Schaaf: „Bei Tom ging es erst einmal darum, wieder richtig fit zu sein. Das ist ihm gelungen, Er hat jetzt gute Dinge abrufen können.“ Deshalb gibt es heute das Comeback – kein leichtes.

Nach drei Niederlagen in Folge steht Werder gehörig unter Druck. Ein neues Team soll es richten, die Kellerkinder auf Abstand halten und mit einem Sieg vielleicht noch einmal Hoffnungen auf eine Rückkehr ins internationale Millionen-Geschäft machen. · kni

Mehr zum Thema:

Zutraulich und zäh: Exmoor-Ponys gehören zu den Wildpferden

Zutraulich und zäh: Exmoor-Ponys gehören zu den Wildpferden

Internationaler Tag der Jogginghose: Wie man das Teil trägt

Internationaler Tag der Jogginghose: Wie man das Teil trägt

Siebter Dschungel-Tag in Bildern: Ekel-Prüfung und Klo-Erlebnis

Siebter Dschungel-Tag in Bildern: Ekel-Prüfung und Klo-Erlebnis

Alexander Zverev nun gegen Nadal - Djokovic ausgeschieden

Alexander Zverev nun gegen Nadal - Djokovic ausgeschieden

Meistgelesene Artikel

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Rummenigge redet nicht so gerne über Gnabry

Rummenigge redet nicht so gerne über Gnabry

Janek Sternberg darf bleiben

Janek Sternberg darf bleiben

Nouri trotz Personal-Sorgen optimistisch: "Wir sind bereit!"

Nouri trotz Personal-Sorgen optimistisch: "Wir sind bereit!"

Kommentare