Werder hat den Abstiegskampf verinnerlicht / Borowskis Umarmung mit Schaaf

„Mia san mia“ – das neue Wir-Gefühl an der Weser

Trainer Thomas Schaaf (li.) und die Werder-Profis – hier Marko Marin – sind im Abstiegskampf ganz eng zusammengerückt.

Freiburg - Von Arne Flügge · Thomas Schaaf wusste gar nicht, wie ihm geschah. Direkt nach dem Abpfiff ging Mittelfeldspieler Tim Borowski schnurstracks auf den Trainer von Werder Bremen zu und nahm seinen Chef kräftig in den Arm.

Eine Geste der Verbundenheit mit dem Übungsleiter, der zuletzt heftig in die Kritik geraten war und für den es bei einer Niederlage in Freiburg vermutlich doch eng geworden wäre. Doch Werder hatte im Breisgau mit 3:1 (1:0) gewonnen – und das hochverdient. Es waren drei ganz wichtige Punkte im Abstiegskampf. Wichtig für die Moral, wichtig für die Fans. Wichtig vor allem aber als Erkenntnis, dass die Bremer auf dem richtigen Weg sind, lange tief verschüttete Tugenden wie Leidenschaft, Kampfgeist und auch Torgefahr Stück für Stück wieder auszubuddeln – und sie auch an der Oberfläche zu behalten.

Und der Sieg in Freiburg hat auch alle Diskussionen um Schaaf erstmal erstickt. „Der Erfolg tut ihm gut“, sagte Sportchef Klaus Allofs: „Thomas ist der richtige Trainer für uns.“

Das Training am Montag

Leichte Übungseinheit am Montag

Die Bremer können sich jetzt ohne Nebengeräusche auf das Abstiegsduell am Sonnabend im Weserstadion gegen Borussia Mönchengladbach vorbereiten. „Doch zu viel Ruhe“, warnt Allofs, „dürfen wir nicht einkehren lassen. Wir müssen aufpassen, dass die Stimmung nicht zu gut ist, schließlich haben wir erst 28 Punkte.“ Freude über den Sieg ja, darauf ausruhen nein, sagt der 54-Jährige: „Neun Mannschaften sind noch am Abstiegskampf beteiligt. Ich zähle auch Schalke noch dazu. Das wird eine ganz heiße Kiste: Wir brauchen jetzt alle Energie, Konsequenz und Einsatz. Da darf es sich keiner gemütlich machen.“

Thomas Schaaf wird das gewiss nicht tun. Der Bremer Coach bastelte bereits gestern Morgen im Training schon wieder dran, wie er nun gegen Gladbach die nächsten Punkte im Abstiegskampf holen kann. Gleichwohl schwang in seiner Stimme nach dem 3:1 in Freiburg auch ein gewisser Stolz mit. Stolz auf die Mannschaft, aber auch auf die Art und Weise, wie der Erfolg zustande gekommen war. „Der Sieg war wichtig für unsere Arbeit und eine Bestätigung für das, was wir tun“, sagte Schaaf in Richtung seiner Kritiker: „Es war ein verdientes Erfolgserlebnis. Die Mannschaft hat in der Woche intensiv gearbeitet und die Dinge gut angenommen. Sie hat viel Leidenschaft gezeigt.“

Auch nach dem Abpfiff. Tim Borowski jedenfalls wollte mit der Umarmung seines Trainers ein Zeichen setzen, dass die Mannschaft komplett hinter Thomas Schaaf steht. „Ich bin mit einem Jahr Unterbrechung seit 1996 im Verein und kenne Thomas Schaaf länger als jeder andere hier. Da ist es doch klar, dass mir seine Situation nicht am Arsch vorbei geht. Und dass dann auch mal Emotionen rauskommen, ist doch ebenso klar“, meinte der Bremer Mittelfeldspieler. Kapitän Torsten Frings brach ebenfalls eine Lanze für Schaaf: „Wir Spieler haben keinen Zweifel daran, dass es mit dem Trainer passt. Die Zweifel kommen nur von außen. Wir stehen zu 100 Prozent zum Trainer.“ Und Keeper Tim Wiese ergänzte: „Es war ein Sieg für den Trainer und den Verein.“

Die Rückendeckung durch seine Spieler tat dem Bremer Coach, der nach dem Abpfiff wie schon nach dem Leverkusen-Spiel jeden seiner Spieler herzte, sichtlich gut, selbst wenn er das nach außen hin später nicht so dokumentieren wollte. Zur Umarmung von Borowski meinte er nur: „Das war nicht geplant, das hat sie Situation so hergegeben.“ Sandro Wagner, Torschütze zum 1:0, klang da schon ein wenig euphorischer, nachdem auch er seinem Trainer in die Arme gesprungen war: „Da konnte man die Emotionen nicht mehr aufhalten.“

Klaus Allofs sah sich in dieser Szene und auch in anderen bestätigt, dass an der Weser ein „Mia-san-mia-Gefühl“ zurückgekehrt ist, das im Abstiegskampf überlebenswichtig ist. „Ich habe sehr viel Positives gesehen“, merkte der Werder-Boss an. „Wie sich die Mannschaft nach den Toren gefreut hat, wie sie zu den Fans gegangen ist, wie sie Tim Wiese nach dem Abpfiff geschützt hat und wie sie zum Trainer steht – das alles zeigt doch, dass sie enger zusammengerückt ist und die Spieler ihre eigenen Interessen hinten anstellen. Wenn die Mannschaft das alles verinnerlicht hat, dann haben wir einen großen Schritt nach vorn getan“, sagte Allofs.

Tim Wiese, der von Freiburgs Stürmer Cisse noch nach dem Abpfiff in Tumulte verwickelt worden war (wir berichteten), ist jedenfalls der festen Überzeugung, dass es bei der Mannschaft jetzt „klick“ gemacht hat: „Jeder hat endlich begriffen, um was es geht“, freute sich der Bremer Torhüter. Na dann kann Gladbach ja kommen . . .

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