Weil Werder nicht mit ihm spricht

Özil will zu Real – und ist traurig

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Mesut Özil will zu Real Madrid – und ist traurig, weil Werder nicht mit ihm spricht.

Aus Ahlen berichtet Björn Knips: Manchmal dauert ein Reifeprozess ziemlich lange, aber manchmal geht’s auch ganz schnell: Mesut Özil ist quasi über Nacht erwachsen geworden.

Selbstbewusst und vor allem redegewandt wie noch nie stellte sich der 21-Jährige Fußball-Profi von Werder Bremen gestern den Fragen der Journalisten und stellte klar, was er vorhat und wie er sich fühlt: Der Nationalspieler will zu Real Madrid, und er ist enttäuscht von der Vorgehensweise von Werder-Boss Klaus Allofs.

Mesut Özil in Bremen

Mesut Özil in Bremen

Wetten, dass Özil noch mal das grün-weiße Dress tragen wird, sollte keiner mehr eingehen. Der Auftritt gestern beim 4:0 (1:0)-Sieg in der ersten Runde des DFB-Pokals bei RW Ahlen dürfte Özils letztes Spiel für Werder gewesen sein.

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Seit Monaten wird spekuliert, dass Özil den Bundesligisten ein Jahr vor Ende seines Vertrags verlässt. Doch bislang betonte Allofs stets, dass kein Angebot vorliegt. Und wahrscheinlich hätte er das auch weiterhin gemacht, wenn nicht Real-Sportdirektor Jorge Valdano am Freitagabend beim Freundschaftsspiel der „Königlichen“ in München aus dem Nähkästchen geplaudert hätte: „Wir haben Bremen ein Angebot für Özil gemacht. Es wurde abgelehnt.“ Die Rede ist von neun Millionen Euro – für Werder ein Witz. Die Bremer wollen mindestens das Doppelte. Allofs: „Das Angebot war völlig indiskutabel, deshalb war die Sache schnell erledigt.“ Der Ex-Profi ist richtig sauer auf Real wegen des Vorpreschens in der Öffentlichkeit: „Das war nicht gerade große Klasse, sich bei einem Spiel hinzustellen und zu verkünden, man habe ein Angebot gemacht“, schimpfte Allofs und legte noch nach: „Das Angebot ist so weit davon entfernt, was man für einen Spieler von Mesuts Klasse bekommen muss, das gehört sich nicht.“

Aber auch Allofs musste im Wersestadion in Ahlen einiges einstecken – und zwar von Özil. Der sonst so vorsichtige, fast schon ängstliche 21-Jährige, der wegen seiner ständigen Ich-habe-Vertrag-Aussagen schon als Leierkaste mann verschrien war, redete plötzlich Tacheles. „Natürlich fühle ich mich von dem Angebot von Real geehrt. Es ist der Traum eines jeden Spielers, für einen der größten Clubs der Welt zu spielen. Und wenn man jetzt die Möglichkeit hat, warum sollte man das dann nicht tun?“, sprach sich Özil ganz klar für einen Wechsel aus. Gleichzeitig war er von Allofs ziemlich enttäuscht: „Er hat immer gesagt, es würden keine Angebote vorliegen. Dann höre ich im Fernsehen beim Spiel von Real gegen Bayern, dass es doch ein Angebot gab, das abgelehnt wurde. Schade, dass es nicht mit mir abgesprochen wurde. Das macht mich traurig – und das habe ich Klaus Allofs auch gesagt.“

Ob er selbst schon Kontakt zu Real hatte, dazu wollte sich Özil nicht äußern. Aber es hörte sich ziemlich danach an. Zumal Real-Coach Jose Mourinho in München erklärt hatte: „Er ist ein sehr guter Spieler. Ich würde mich freuen, wenn er zu uns kommt.“ Offenbar sind sich Verein und Spieler schon einig, in der spanischen Presse ist bereits von einem Fünfjahres-Vertrag die Rede. Und Özil kündigte gestern an, dass seine Berater umgehend mit Allofs Gespräche führen werden. Dabei kann es nur um die Freigabe gehen. Die ist auch durchaus erhältlich. Allofs hatte schon mehrfach betont, Özil für ein entsprechendes Schmerzensgeld ziehen zu lassen. In jedem Fall steht er bereit, ein verbessertes Angebot von Real in Empfang zu nehmen: „Das ist mein Job.“

Die Zeit drängt. Sollte Özil am Mittwoch gegen Sampdoria Genua in der Quali zur Champions League zum Einsatz kommen, darf er in diesem Jahr für keinen anderen Club mehr in der „Königsklasse“ spielen. Ein Wechsel hätte sich erledigt. Den Hinweis, dass Werder deshalb gegen Genua auf Özil verzichten oder der Profi eine Verletzung vortäuschen könnte, bezeichnete Allofs „als Beleidigung für uns und den Spieler“. Damit steht auch fest: Ist Özil, der gestern eine durchwachsene Leistung zeigte, am Mittwoch noch Werderaner, bleibt er das für die Hinrunde. Auf die Frage, ob er gegen Genua spielt, zuckte Özil gestern nur mit den Schultern. Er weiß es nicht. Aber er weiß, was er will: Er möchte sich seinen Real-Traum erfüllen.

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