Trotz Glanzleistung gibt sich der frischgebackene Europameister bescheiden / Löw begeistert

Mesut Özil: „Ich bin kein Held“

Mit einer überragenden Leistung im Finale, einem Tor und zwei Torvorlagen hat Werders Mittelfeldspieler Mesut Özil die U 21 zur Europameisterschaft geführt.

Werder-Bremen - BREMEN (Eig. Ber.) n Es war spät geworden, sehr spät sogar. Oder besser gesagt: schon früh. „Ich glaube, ich lag so gegen vier Uhr im Bett. Genau weiß ich dass aber nicht“, grinste Mesut Özil gestern. Der Ton in seiner Stimme glich dem eines Reibeisens. „Natürlich haben wir viel gefeiert und gesungen. Darunter leidet die Stimme dann schon mal.“ Die meisten seiner Kollegen hatten im Club „Etage“ im schwedischen Malmö sogar noch weitaus länger durchgehalten.

Mit einem Tor und zwei Torvorlagen war Özil der überragende Spieler beim 4:0-Triumph der deutschen U 21-Nationalmannschaft im EM-Finale gegen England gewesen. Innerhalb von vier Wochen hatte der 20-Jährige damit zwei Endspiele entschieden. „Zwei Titel in einer Saison – das ist einfach unglaublich“, jubelte der Deutsch-Türke. Zuerst schoss er Ende Mai seinen Club Werder Bremen beim 1:0 gegen Leverkusen

n„Ich bin stolz

nund glücklich“

zum DFB-Pokalsieg – jetzt folgte seine Galavorstellung gegen die Engländer, von der selbst Bundestrainer Joachim Löw entzückt war. „Wenn Mesut sein Potenzial ausschöpft, ist er einfach genial“, schwärmte Löw: „An solch’ guten Tagen tut er Dinge, die nur wenige Spieler können. Seine Pässe in die Tiefe sind genau getimt, besser kann man sie nicht spielen.“ Und wenn Özil jetzt konstant so weitermache, „kann er ein Topspieler auf hohem Niveau werden“, meinte Löw.

„Ich freue mich riesig, wenn ich so ein Lob vom Bundestrainer bekomme“, sagte Özil: „Ich kann nur weiter auf dem Platz Gas geben und hoffen, dass ich auch weiterhin eingeladen werde.“ Nach seiner tollen Vorstellung im EM-Finale dürfte das sicher sein.

„Euro-Helden 2009“ stand auf dem T-Shirt, dass sich die Spieler nach dem Abpfiff überstreiften. Für Mesut Özil traf der Slogan besonders zu. Doch in der Stunde seines großen Triumphes blieb der Bremer Mittelfeldspieler bescheiden. „Ich bin kein Held“, sagte er, „natürlich freue ich mich über mein Tor und die Vorlagen. Das macht mich glücklich und stolz. Doch die ganze Mannschaft hat diesen Titel geholt. Nicht eine Person.“

Die gesamte Europameisterschaft hatte Mesut Özil im Sturm gespielt. Ausgerechnet im Finale aber beorderte ihn Trainer Horst Hrubesch da hin, wo er sich am wohlsten fühlt: ins zentrale offensive Mittelfeld. Ein gelungener Schachzug, denn Özil zeigte seine ganze Klasse. „Es ist ja kein Geheimnis, dass die ,10‘ meine Lieblingsposition ist. Ich bin Mittelfeldspieler und dort am effektivsten“, weiß Özil. Seine Rolle als Stürmer sei ihm „am Anfang schwergefallen“, doch er habe sich damit arrangiert, „um der Mannschaft zu helfen“.

Der Teamgeist, so Özil, habe schließlich auch mit dazu geführt, dass die U 21 dem DFB die Europameisterschaft beschert hat. „Wir hatten eine tolle Mannschaft, auf die man stolz sein kann“, schwärmte Özil: „Ich wusste, dass wir das Potenzial hatten, Europameister zu werden. Das es jetzt geklappt hat, macht mich umso glücklicher.“

Und als Mesut Özil schließlich den neuen Pokal in Händen hielt, „war das ein unglaublich geiles Gefühl“, wie er sagte, „das hat mich sofort an unseren Pokalsieg mit Werder erinnert.“ Eine Wertung will der Mittelfeldspieler aber nicht vornehmen. „Beide Titel sind mir gleich viel wert“, sagte Özil.

Allerdings gab’s doch einen kleinen, aber feinen Unterschied. Nach dem Triumph mit Werder wurde die Mannschaft auf dem Rathausbalkon in Bremen gefeiert. Die Wege der Euro-Helden 2009 trennten sich bereits gestern am Nachmittag auf dem Flughafen in Kopenhagen. Von dort aus ist jeder Spieler in seine Heimat geflogen. Mesut Özil jettete nach Düsseldorf, um dann mit dem Auto zu seiner Familie nach Gelsenkirchen zu fahren.

„Jetzt werde ich erstmal meinen Urlaub genießen, die Beine hochlegen und entspannen“, kündigte Özil an. Während Werder morgen wieder das Training aufnimmt, haben Özil und Sebastian Boenisch, der zweite Europameister aus Bremen, noch bis zum 19. Juli frei bekommen. „Ich will jetzt richtig regenerieren“, meinte Özil. Damit er danach wieder bereit ist, neue Heldengeschichten zu schreiben . . .

Das könnte Sie auch interessieren

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Hommage an Farbe: Yves Saint Laurent-Museum in Marrakesch

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Im Himmelbett am Wasserloch: Luxussafaris in der Savanne

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Tag der offenen Tür im Kindergarten Haendorf

Erntefest im Kindergarten Scholen

Erntefest im Kindergarten Scholen

Meistgelesene Artikel

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Rosenberg zum dritten Mal Schwedischer Meister

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Dienstag

Das passiert am Mittwoch

Das passiert am Mittwoch

Klasnic: Neue Niere, neues Leben

Klasnic: Neue Niere, neues Leben

Kommentare