„Ich mache weiter meinen Mund auf“

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Gute Miene zum bösen Spiel: Per Mertesacker hat an seiner neuen Rolle als Ersatzspieler schon zu knabbern.

Danzig - Als Per Mertesacker am Montag im DFB-Hotel zum Gespräch bereit war, boxte ihm Lukas Podolski im Vorbeigehen in die Rippen: „What’s up?“ Sieh mal einer an, der neue Arsenal-Kollege des Ex-Bremers hat offenbar fleißig Englisch geübt. Das Interview mit Mertesacker (27) wurde dann aber auf Deutsch geführt.

Auf Ihrer letzten Pressekonferenz haben Sie gesagt, Sie seien gespannt, wie diejenigen, die nicht spielen, damit umgehen. Haben Sie gedacht, dass Sie dazugehören?

Per Mertesacker: Eigentlich nicht. Ich habe gesagt, es wird harte Entscheidungen geben und habe mich dann auf der Bank wiedergefunden. Ich bin davon ausgegangen, dass ich auflaufe. Wichtig war für mich die Botschaft, dass ich nicht spiele, aber dass der Trainer weiter auf mich baut.

Jogi Löw hat seine Entscheidung mit Ihrer mangelnden Spielpraxis begründet. Einverstanden?

Mertesacker: Er muss entscheiden, dann bin ich dran, die Lehren daraus zu ziehen. Entscheidend ist, dass man sich über den Verein halt über mehrere Monate verletzungsfrei anbietet und Spielpraxis hat. Das ist die Konsequenz aus seiner Aussage.

Das hört sich so an, als hätten Sie die EM bereits abgehakt?

Mertesacker: Weiß ich nicht. Ich kann mich nur im Training anbieten, und das habe ich schon in den letzten Wochen versucht.

Holger Badstuber ist ja bereits Gelb belastet, es könnte schneller gehen, als man denkt, dass Sie wieder spielen.

Mertesacker: Bei so einem Turnier kann es relativ fix gehen. Aber klar ist, wenn sich erstmal ein Stamm gebildet hat, ist es schwer, da reinzukommen.

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Sie waren immer Stammspieler, bei Hannover 96, Werder Bremen, Arsenal London und auch in der Nationalelf. Wie finden Sie sich mit der neuen Rolle ab?

Mertesacker: Es ist eine neue Rolle für mich, klar ist es am Anfang auch hart. Aber man muss das Beste rausziehen. Meistens zeigt sich in solchen Situationen der wahre Charakter, wie man mit Teamkollegen umgeht.

Wer hilft Ihnen in der Situation? Ihr Bruder Timo hat Sie ja im Hotel besucht.

Mertesacker: Es ist so, dass mich alle unterstützen, weil sie ja wissen, was ich auch für Deutschland über die Jahre geleistet habe. Wenn man mal eine schwierige Phase hat, sind Familie und Freunde da. Ich brauche nicht viel Trost, ich versuche jetzt, meine neue Rolle so schnell wie möglich anzunehmen.

81 Länderspiele haben Sie, auf die 100 kommen Sie noch?

Mertesacker: Das weiß man noch nicht.

Löw hat Sie immer auch als Führungsspieler genannt. Sind Sie das noch?

Mertesacker: Klar hängt das davon ab, ob man spielt oder nicht. Trotzdem habe ich mich über die Jahre immer kollegial gezeigt, habe Entscheidungen mit getroffen. Ich kann im Training weiter den Mund aufmachen und meine Meinung sagen.

Miro Klose hat nicht gespielt, Sie auch nicht. Haben sich die Hierarchien im Team verschoben?

Mertesacker: Ich glaube, dass wir weiter wichtige Meinungsführer sind für die handelnden Personen hier. Mehr kann ich dazu nicht sagen.

Gab es Reaktionen aus der Mannschaft zu Ihrer Nichtnominierung?

Mertesacker: Das ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass wir als Mannschaft funktionieren und jetzt nicht negative Reaktionen aus der Mannschaft herauf- beschwören.

Hat sich Arsenal-Trainer Arsene Wenger gemeldet?

Mertesacker: Der ist froh, dass ich wieder fit bin.

Es scheint, die Mannschaft setzt sich mehr unter Druck als bei der WM 2010?

Mertesacker: 2010 stand der Ausfall des Kapitäns über allem, wir sind ins Turnier gegangen nach dem Motto „Warten wir mal ab“. Nach der perfekten EM-Qualifikation hat man das Gefühl, jetzt muss irgendetwas geschafft werden. Dadurch war die allgemeine Anspannung größer.

Können Sie Löw für das Hollandspiel Tipps über ihren Sturmkollegen van Persie geben?

Mertesacker: Er ist ein Instinktspieler, der immer eine Antwort findet. Der vielleicht auch immer wieder das Gleiche macht. Er ist ein Weltklassestürmer, der auf die Abwehrspieler reagiert. Dass er einen weltklasse linken Fuß hat, weiß der Trainer selber. Trotzdem kann ich meinen Kollegen Tipps geben. Etwa: Das ist eine besondere Aktion, die macht er immer, da ist er vielleicht besonders gefährlich.

Eigentlich könnten Sie ihn am Besten stoppen.

Mertesacker: Das weiß man nie. Ich glaube, dass ich ihn am besten kenne und auch schätzen gelernt habe. Wir haben eine besondere Beziehung aufgebaut, er ist Kapitän bei Arsenal und auch ein guter Typ.

Welche Unterschiede sehen Sie zu Badstuber und Hummels, die jetzt spielen?

Mertesacker: Wir haben alle unsere Vorzüge. Wir sind sehr gut aufgestellt, man sollte jetzt nicht kleinlich darangehen und Pro und Contra abwägen.

Trifft Sie die Kritik an Ihnen, die es meist vor Turnieren gab?

Mertesacker: Das kommt und geht, dafür muss man ein Fingerspitzengefühl entwickeln. Wenn einen das zu sehr mitnimmt, hat man in diesem Beruf nichts verloren. Es gab ja aber auch schon einige Fälle, die gezeigt haben, wie man unter solchen Situationen extrem leiden und letztlich scheitern kann.

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