Ein Mentalcoach als Hilfe, doch prompt gibt’s Zoff

Torsten Frings schmeckt es überhaupt nicht, dass ein Mitspieler geplaudert hat.

Bremen · Wenn’s in einer Ehe wegen einer Affäre kriselt, dann ist der Gang zur Eheberatung keine schlechte Idee. Dumm nur, wenn einer der beiden gleich wieder fremd geht. So ähnlich lief’s jetzt auch bei Werder.

Die Profis hatten einen Mentalcoach engagiert, um als Team im Abstiegskampf enger zusammenzurücken. Natürlich sollte alles geheim bleiben, alle Spieler waren zur totalen Verschwiegenheit verpflichtet worden. Doch gestern machten die „Sport Bild“ und die „Bild“ das Treffen im Parkhotel vom vergangenen Donnerstag öffentlich. Zum Unmut von Torsten Frings: „Wir haben so einen Spieler in der Mannschaft, der nicht dichthalten kann. Das ist unser Problem.“ So wird das nichts mit dem Teamgeist . . .

Aber das war nicht das einzige Unangenehme der Berichterstattung. Zwangsläufig geriet auch Thomas Schaaf in den Blickpunkt. Schließlich wirft es nicht unbedingt ein gutes Licht auf einen Chefcoach, wenn sich die Mannschaft Hilfe von außen holt. „Das ist doch nichts Schlimmes“, widersprach Frings und nahm Schaaf aus der Schusslinie: „Wir wollten als Mannschaft noch mehr machen, als wir ohnehin schon tun. Und Thomas Schaaf und Klaus Allofs wussten doch Bescheid.“ Das bestätigte Sportchef Klaus Allofs: „Ich finde es lobenswert, dass die Mannschaft die Initiative ergreift, wenn es in der Gruppe gerade mal nicht so toll funktioniert. Wir versuchen eben, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Und ich sehe das ganz klar als Ergänzung zur Arbeit unseres Trainerstabes.“

Die Person Schaaf, als Cheftrainer eigentlich für Dinge wie Motivation und Zusammenhalt der Mannschaft hauptverantwortlich, würde damit nicht beschädigt. „Es ist doch eine völlig überholte Denkweise, dass das alles nur an einer Person hängt“, meinte Allofs und verwies auf die technischen Hilfsmittel beim Training oder den Bio-Energetiker Kurt Schweinberger, der in der Vergangenheit zahlreiche Spieler betreute.

Allerdings: Beim Vortrag des laut „Sport Bild“ namhaften Persönlichkeits-, Kommunikations- und Kopftrainers, der unbekannt bleiben will, ging es auch um das Verhältnis zwischen Mannschaft und Trainer. Das hat unter der Werder-Krise durchaus gelitten und soll sich mit Hilfe des Mentaltrainers wieder verbessern. Erste Maßnahme zur Auflockerung: Die Spieler sollen den Coach künftig per Handschlag begrüßen. Beim nächsten Treffen ist auch die Anwesenheit von Schaaf geplant.

Aber wird’s nach dem Bekanntwerden überhaupt eine Wiederholung geben? „Das bringt doch jetzt nichts mehr, wo alle Welt Bescheid weiß“, schimpfte Frings. Allofs konnte den Zorn des Kapitäns gut verstehen: „Diese Indiskretion war ein krasses Fehlverhalten. Aber das kennen wir ja schon.“ Bereits vor Wochen waren nach Krisensitzungen Interna an die Öffentlichkeit gelangt. „Deshalb werde ich aber nicht zum Detektiv“, versicherte Allofs: „Früher oder später kommt das sowieso raus.“ Und vielleicht hilft dabei auch der neue Mentaltrainer.

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