Melvyn Lorenzen spricht über sein Problem-Knie, den „Astro-Guru“ und die Chancen in Mainz

„Ich laufe viel besser“

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IM Vip-Bereich des Weserstadions nahm sich Melvyn Lorenzen viel Zeit für das Interview mit Sportredakteur Björn Knips.

Bremen - Viel ist über Melvyn Lorenzen in den vergangenen Wochen geschrieben worden – dabei ging es weniger um Fußball, sondern mehr um Baguettes und einen „Astro-Guru“. Nun hat sich der 20-Jährige auch sportlich zurückgemeldet, gegen die Bayern sein Saison-Debüt in der Bundesliga gefeiert. Es war sein sechster Einsatz im Bundesliga-Oberhaus – verteilt auf zwei Jahre. Immer wieder hatte der gebürtige Londoner, dessen Vater aus Uganda und dessen Mutter aus Deutschland stammt, mit Knieproblemen zu kämpfen. Jetzt will er endlich dauerhaft bei den Profis dabei sein. Wie Lorenzen das schaffen will und was er heute beim so wichtigen Auswärtsspiel in Mainz (15.30 Uhr) erwartet, erzählt er im Interview.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrem Knie?

Melvyn Lorenzen: Richtig gut. Das Knie wird von Tag zu Tag stabiler. Ich habe überhaupt keine Probleme und keine Schmerzen.

Wenn Sie sagen, es wird stabiler, heißt das aber auch, das Knie ist noch nicht bei 100 Prozent.

Lorenzen: Nein, das Knie ist in Ordnung. Aber das ist ein Prozess für mich. Je länger ich wieder trainieren kann, umso stärker wird die Muskulatur rund ums Knie – damit wird dann alles sicherer.

Wie sehr beschäftigt Sie Ihr Knie, geht der erste Griff morgens gleich zum Knie?

Lorenzen: Nein. So lange ich keine Schmerzen habe, ist das für mich nicht präsent. Ich starte ganz normal in den Tag.

Sie haben einen sehr eigenwilligen Laufstil. Hat das mit Ihrem Knie zu tun?

Lorenzen: Ich bin schon immer etwas anders gelaufen. Ich habe mir kürzlich noch mal mein Spiel gegen Hannover vor knapp einem Jahr angeschaut und mit dem Bayern-Spiel am vergangenen Samstag verglichen. Da sehe ich einen deutlichen Unterschied. Ich laufe viel besser.

Warum hat es bis zum neunten Spieltag gedauert, ehe Sie erstes Bundesliga-Spiel in dieser Saison bestreiten durften?

Lorenzen: Ich war früh aus der Vorbereitung raus, weil das Knie noch nicht richtig stabil war. Es ist ein Prozess, den viele unterschätzen. Wenn du nach einer Verletzung wieder im Training bist, heißt das nicht, dass du sofort spielen kannst. Ich brauchte meine Zeit. Jetzt fühle ich mich richtig gut.

Es gab vor kurzem die Geschichte, als Sie vor der Reise zu einem Drittliga-Spiel wegen falscher Ernährung suspendiert wurden. Wie war das denn nun mit dem Baguette?

Lorenzen: Wie es genau war, spielt keine Rolle mehr. Wir haben das gründlich besprochen, und es bleibt auch kein „fader Beigeschmack“ (lacht).

Aber Sie haben schon etwas falsch gemacht?

Lorenzen: Ja sicher.

Welche Lehren ziehen Sie daraus?

Lorenzen: Man muss auf alles noch mehr achten, vor allem bei der Ernährung. Allerdings ging es gar nicht so sehr darum, was ich gegessen habe, sondern wo und wann.

Sie werden wie viele andere Spieler zwischen Profis und U 23 hin- und hergeschoben. Wie schwierig ist das für einen Jungprofi?

Lorenzen: Einfach ist es nicht. Aber wir sehen auch, dass Leistung belohnt wird. Wir müssen uns in den Kopf hämmern, dass wir jeden Tag 100 Prozent geben müssen, damit wir auch mal hier im Weserstadion spielen dürfen.

Wie hilft Ihnen dabei Ihr neuer Berater, der Astro-Guru, wie ihn die „Bild“ genannt hat?

Lorenzen: Astro-Guru klingt ein bisschen billig. Da stellt man sich jemanden im Fernsehen vor, den man anrufen kann und der einem dann anhand der Tierkreiszeichen die Zukunft beschreibt. Das ist er aber definitiv nicht.

Sondern?

Lorenzen: Seine Arbeit basiert auf Astrologie, Medizin und Mathematik. Ich habe ihn durch eine Freundin kennengelernt. Was er genau macht, ist kompliziert zu beschreiben, das würde den Rahmen dieses Interviews sprengen. In Deutschland sind solche Themen oft noch grenzwertig. In Amerika würde das beispielsweise nicht so belächelt. Ich weiß, dass es mich weiterbringt – und das ist das Wichtigste.

Geht es dabei vornehmlich um die Gesundheit?

Lorenzen: Genau, das ist der erste Punkt. Ohne gesund zu sein, kann ich mich nicht entwickeln und nicht spielen. Aber es geht auch um die persönliche Entwicklung.

Führen Sie nur Gespräche oder bekommen Sie auch ein Mittel von ihm?

Lorenzen: Mittel gibt es überhaupt nicht. Wir reden viel, gehen aber auch auf den Platz und machen Stabilisations- und Beweglichkeitsübungen.

Sie sind übrigens nicht der Erste, der hier so einen außergewöhnlichen Weg geht. 2007 haben sich viele Werder-Profis von Kurt Schweinberger behandeln lassen, der Bioenergetiker gehörte sogar zum Betreuerstab und hat Spieler und auch Trainer aufgeladen.

Lorenzen: Das wusste ich gar nicht. Aber gerade Leute, die zum Beispiel durch eine Verletzung viel Leid erfahren haben, suchen Lösungen, um gesund zu bleiben. Bei mir funktioniert es – und ich hoffe, es bleibt so.

Könnte Ihr neuer Berater auch Werder in der aktuellen Krise helfen?

Lorenzen: Das ist nicht mein Thema.

Wie können Sie denn Werder helfen?

Lorenzen: Ganz banal gesagt mit Toren.

Die fehlen aktuell ja auch am meisten.

Lorenzen: Unsere Chancenverwertung ist im Moment wirklich nicht so gut. Aber ich kann der Mannschaft auch durch gute Defensivarbeit helfen oder mithelfen, Chancen zu kreieren.

Wie ist die Stimmung im Team?

Lorenzen: Gar nicht so schlecht. Wir versuchen, immer nach vorne zu schauen. Das Bayern-Spiel hat uns gezeigt, dass wir mit harter Arbeit etwas erreichen können. Okay, es gab keine Punkte, aber eine gute Leistung gegen die beste Mannschaft der Welt. Deswegen sind wir zuversichtlich für Mainz.

Das wird aber ein ganz anderes Spiel.

Lorenzen: Ein ganz anderes. Wir werden auf jeden Fall mehr Ballbesitz haben als gegen Bayern (lacht). Wir müssen uns nicht vor Mainz verstecken, wir können fußballerisch mithalten.

Nach fünf Niederlagen am Stück geht es in so einem Spiel auch um den Trainer. Spüren Sie einen besonderen Druck?

Lorenzen: Nein, so einen Druck gibt es bei mir nicht.

Wie schaffen Sie das?

Lorenzen: Es macht für mich keinen Sinn, an negative Sachen zu denken. Das macht einen nur verrückt. Ich trainiere viel dafür, dass sich alles zum Positiven wendet. Die Mannschaft macht das genauso.

Haben Sie das aus Ihren zahlreichen Rückschlägen gelernt?

Lorenzen: Das ist ein großer Punkt, den man mitnimmt. Franco Di Santo hat mal etwas Gutes zu mir gesagt: Man habe immer die Wahl zwischen positiv zu bleiben und zu lächeln oder sich durch schlechte Sachen verrückt zu machen.

Ist Di Santo Ihr Vorbild?

Lorenzen: Mit der Einstellung auf jeden Fall.

Und als Stürmer?

Lorenzen: Ich würde ihn nicht als mein Vorbild bezeichnen, aber natürlich schaut man sich bei erfahrenen Kollegen immer etwas ab.

Ihnen wird zugetraut, ähnlich gut zu werden wie Di Santo. Spüren Sie, dass Sie ein Hoffnungsträger sind?

Lorenzen: Natürlich bekomme ich das mit. Das tut auch gut. Aber ich will das nicht überbewerten. Ich weiß, wie hart ich arbeiten muss, um weiterzukommen. Und das wichtigste ist, gesund zu bleiben.

kni

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