Sebastian Prödl über sein Comeback und das Kopfballtor: „Großartiges Gefühl“ und „sehr emotionaler Moment“

Meister der Verdrängung und der Wiederkehr

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Komm in meine Arme! Sebastian Prödl überspringt die Bande, um mit Fitnesscoach Benjamin Kugel zu jubeln.

Bremen - Vermutlich hätte er am liebsten die ganze Welt umarmt. Doch zur Verfügung stand erstmal nur Benjamin Kugel . Also sprintete Sebastian Prödl nach seinem Treffer gegen Hannover 96 jubelnd zur Werder-Bank, fiel dem Bremer Fitnesstrainer glücklich um den Hals.

„Er hat mich zurück auf den Weg gebracht“, erklärte Prödl später die innige Umarmung. Nur 50 Tage, nachdem ihm ein Tritt des Kaiserslauterers Dorge Kouemaha den Oberkiefer und das Nasenbein gebrochen hatte, feierte der Österreicher am Sonntag ein bemerkenswertes Comeback: Mit starken Knochen, starker Psyche und starkem Willen meldete er sich mit einem Kopfballtor (49.) zurück. „Ein großartiges Gefühl“ und ein „sehr emotionaler Moment“ sei es für ihn gewesen, berichtete Prödl später.

Dass Benjamin Kugel die ganze Freude und den ganzen Dank abbekam, war schlicht dem Umstand geschuldet, dass er als einziger aus dem großen Kreis an Helfern greifbar war. „Ich muss aber auch meinem Chirurgen Dr. Francois Lanners, meiner Familie, meiner Freundin und meinen Freunden danken. Sie alle haben mich perfekt unterstützt“, sprudelte es aus Prödl heraus. Und einmal mehr machte er deutlich, wie hart ihn das unbeabsichtigte Foul von Kouemaha tatsächlich getroffen hatte. Prödl musste darum kämpfen, dass nicht noch mehr kaputt geht als „nur“ die Knochen. Die Psyche gesund zu halten, den Unfall zu verarbeiten – das war die Herausforderung, die er in den 50 Tagen zwischen Tritt und Tor meistern musste.

Und zwar auf seine Art. Die Szene, als es geschah, „habe ich mir bis heute nicht angeschaut. Ich habe auch nicht vor Augen, wie es passiert ist“, verriet der 24-Jährige, „ich versuche, alle Gedanken daran zu verdrängen“. Damit die Angst bei Kopfbällen keine Chance hat.

Hat sie auch nicht, wie sein Tor beweist. Obwohl das nicht die große Kunst war, so Prödl: „Ich musste ja keinen Luftkampf führen, nur einnicken. Und das ist mir ganz gut gelungen.“

Sein Comeback hat er damit veredelt, zu einem tollen Tag in seiner Karriere gemacht. Dabei war der Innenverteidiger gar nicht für die Startelf eingeplant gewesen. Trainer Thomas Schaaf wollte ihn nach der langen Pause und nur einem Test gegen den Landesligisten Eintracht Lüneburg vor einer Woche lediglich auf die Bank setzen. Doch dann kam der Zufall ins Spiel. Francois Affolter, der Prödl in sechs Partien vertreten hatte, meldete sich mit einem Darmvirus ab. Erst beim Frühstück am Sonntagmorgen erfuhr Sebastian Prödl, dass er spielen würde. Eine rasante Entwicklung. Denn vom ersten Mannschaftstraining bis zum ersten Einsatz hatte es nur neun Tage gedauert. „Und dann habe ich gleich einen gemacht“, staunte selbst Prödl und gestand direkt nach dem Abpfiff: „Ich muss das Ganze jetzt erstmal verdauen. Im Moment bin ich sehr aufgewühlt und will mich gar nicht übermäßig freuen.“ Wieso nicht? Ganz einfach: „Ich muss noch an meiner Fitness arbeiten, um wieder auf 100 Prozent zu kommen. Nach 80 Minuten habe ich gespürt, dass die Kräfte nachlassen.“ Fitnesstrainer Kugel hat also noch ein bisschen was zu tun. Chefcoach Thomas Schaaf führt Prödl dennoch wieder als vollwertiges Mitglied seines Kaders: „Wir können es mit ihm ganz normal weiter angehen.“ n csa

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