Nils Petersens persönliche Halbserien-Bilanz

„Meine Quote wird steigen“

+
Diese geballte Jubel-Faust gab es in der Hinrunde sieben Mal: Mit seiner Ausbeute ist Werder-Stürmer Nils Petersen recht zufrieden, aber: „Es hätten auch mehr Tore sein können.“ ·

Bremen - 8,2 Prozent – kein überragender Wert für Nils Petersen. Nur etwa jeder zwölfte Online-Leser der Kreiszeitung sieht in dem Stürmer den besten Werder-Neuzugang der Saison. Obwohl der 24-Jährige mit sieben Toren und vier Assists der Bremer Top-Scorer ist.

Offensichtlich reicht das aber nicht, um bei den Fans für totale Zufriedenheit zu sorgen. Wie der Nachfolger von Claudio Pizarro selbst über seine Quote, das erste halbe Jahr als Bundesliga-Stammspieler und über seine Zukunft denkt, erklärt er im Interview.

7 und 4 – ist das eine Ausbeute, über die Sie jubeln oder nörgeln?

Nils Petersen:Sieben Tore sind okay und bestimmt keine Katastrophe. Aber natürlich weiß ich, dass es mehr hätten sein können. Ich hatte Chancen für weitere Treffer – aber genau das ist es, was mich letztlich positiv stimmt: Wenn ich aus sieben Chancen sieben Tore gemacht hätte, würde ich jetzt sagen: Die Bundesliga ist nicht meine Liga. So sehe ich aber, dass ich immer da bin, dass ich mir in jedem Spiel Möglichkeiten erarbeite. Ich bin gefährlich. Bei der Ausbeute ist sicher noch Luft nach oben, das werfe ich mir auch selber vor. Mein persönliches Schlagwort heißt Effektivität – daran muss ich noch arbeiten.

Um in der Scorer-Liste an Namen wie Thomas Müller, Stefan Kießling, Robert Lewandowski, Marco Reus und Vedad Ibisevic, die aktuell noch vor Ihnen stehen, vorbeizuziehen?

Petersen:Der Unterschied ist doch der: Die meisten der Genannten haben schon 100 Bundesliga-Spiele und mehr auf dem Konto. Die wissen, wie die Bundesliga tickt, haben Ruhe und Erfahrung. Aber ich glaube nicht, dass sie von Anfang an diese Quote hatten. Ich bin jetzt gerade mal 24 Jahre alt, spiele meine erste richtige Saison in der Bundesliga. Wenn ich erstmal richtig angekommen bin in der Liga, dann wird da auch eine bessere Quote bei mir rauskommen als die, die da jetzt auf dem Zettel steht.

Haben Sie sich nach einem Jahr auf der Bank des FC Bayern und einem halben als Stammkraft in Bremen noch nicht in Liga eins akklimatisiert?

Petersen:Ich habe schon eine Entwicklung nach vorne gemacht, das spüre ich. Aber die Sicherheit im Abschluss kommt erst mit den Spielen, mit der Routine. Ausgereift bin ich sicher noch nicht.

Ihr Vater Andreas ist Trainer des Regionalligisten 1. FC Magdeburg. Sie haben selbst mal gesagt, er sei Ihr größter Kritiker. Wie ist seine Meinung über Ihre erste Halbsaison bei Werder?

Petersen:Vor der Saison haben wir uns die Frage gestellt, wer ich eigentlich bin. Bin ich einer für die Bayern, einer für ein Team von Platz eins bis fünf? Von fünf bis neun? Oder bin ich einer für einen Abstiegskandidaten? Jetzt hat er gesagt, dass sich sieben Tore in 17 Spielen nicht so schlecht lesen. Er ist zufrieden.

Stellen Sie sich nach der auf Platz zwölf abgeschlossenen Hinrunde die Frage, was Werder ist? Ein Club für oben, die graue Mitte oder doch für den Tabellenkeller?

Petersen:Ich sehe uns schon weiter oben, vielleicht zwischen Platz fünf und neun. Die Qualität ist vorhanden. Prognosen sind aber schwierig, weil die Liga wirklich sehr ausgeglichen ist. Auf keinen Fall sind wir ein Abstiegskandidat. Aber klar: Mit einem Auge müssen wir auch nach unten gucken und aufpassen, dass wir zum Rückrundenstart nicht in einen Strudel nach unten geraten.

Erschrecken Sie aktuell beim Blick auf die Tabelle?

Petersen:Ja, schon. Zwölfter – das klingt nicht schön, ein bisschen trostlos. Das klingt nach ,kurz vor Elend‘.

Die 17 Partien waren von einem ständigen Auf und Ab geprägt.

Petersen: Das regt einen richtig auf. Zumal es keinen Qualitätsgrund gibt, weshalb man zu Hause gewinnt und auswärts immer wieder Punkte verschenkt. Das ist manchmal einfach Dummheit gewesen. Da gewinnen wir 4:1 in Hoffenheim, fahren mit richtig breiter Brust nach Frankfurt. Und du weißt: Wenn du da auch gewinnst, dann bist du vorne dabei, dann kommst du rein in den Sog, der dich nach oben zieht. Aber genau in dem Moment, wenn wir die Möglichkeit haben, versagen wir – das muss man ja ganz ehrlich so sagen.

Ist das eine Kopfsache?

Petersen:Das weiß ich nicht. Ich habe keine Erklärung dafür. Außer die, dass wir manchmal noch ein bisschen zu wild spielen und uns dann wieder ein dummes Gegentor fangen. Da fehlt noch die Cleverness.

Was ist Ihre Erwartung an die Rückrunde?

Petersen:Mein großer Wunsch ist, es ins internationale Geschäft zu schaffen. Ich bin auch frohen Mutes, dass uns das gelingt.

Und persönlich?

Petersen:In meinem ersten Jahr in der Bundesliga kann ich nicht von 20 Toren sprechen. Ich bin jetzt bei sieben – mit ein bisschen mehr Geschick könnte ich bei neun oder zehn stehen. Also bleibe ich beim Ziel, das ich schon vor der Saison definiert habe: Zehn Tore plus x – da will ich hin.

Da will ich hin – gilt das auch noch für Bayern München? Ihr Leihvertrag endet in einem halben Jahr – was dann?

Petersen: Vorweg: Ich fühle mich in Bremen sehr wohl und könnte es mir gut vorstellen zu bleiben. Aber mein Ziel ist es schon, mich irgendwann in München zu behaupten. Ich bin damals (2011, von Zweitligist Energie Cottbus, d. Red.) im Wissen zu den Bayern gewechselt, dass es schwer wird und dass mir nur wenige zutrauen, mich dort durchzusetzen. Aber ich messe mich selber an meinen Zielen. Wenn die Bayern also sagen, dass sie auf mich bauen, dann gehe ich zurück. Mein Vertrag läuft dann noch zwei Jahre. Die Bayern haben das letzte Wort. Aber das alles muss man abwarten.

Wenn Sie nach München zurückkehren sollten, wären Gomez, Mandzukic sowie eventuell auch Pizarro immer noch da…

Petersen: …und ich weiß, dass es schwierig ist, sich in München einen Platz zu ergattern. Wenn es so sein sollte, dass ich dort keine Chance bekomme, weiß ich aber auch, dass ich hier in Bremen eine gute Adresse habe. Werder wäre mein erster Ansprechpartner nach München.

Wünschen Sie sich zeitnah einen Bremer Vorstoß – bei Ihnen und/oder in München?

Petersen:Im Moment ist es sicher noch zu früh. Aber wenn die Planungen für die kommende Saison voranschreiten – vielleicht Ende Januar oder im Februar –, sollte man das Thema angehen. · csa

Das könnte Sie auch interessieren

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Bild von gewildertem Nashorn ist Wildlife-Foto des Jahres

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Xi Jinping warnt vor Gefahren für China

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Sparsam arbeiten: So pariert man ein Rinderfilet

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Citroën C3 Aircross im Test: Aufbruch ins Abenteuerland

Meistgelesene Artikel

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Pavlenka und Veljkovic wieder zurück

Pavlenka und Veljkovic wieder zurück

Kein Trainingslager

Kein Trainingslager

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Kommentare