Assani Lukimya ist ein fußballerischer Spätstarter 

„Meine Karriere ist einzigartig“

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Lachen gehört bei Assani Lukimya nicht zum Geschäft, sondern zum Naturell. 

Bremen - Rückblende, an einem beliebigen Tag irgendwann Mitte bis Ende der 90er Jahre: Auf einem Hinterhof im Berliner Stadtteil Wedding kicken ein paar Jungs. Straßenfußballer, fast wie früher. Mit dabei ist Assani Lukimya-Mulongoti, den damals noch niemand „Luki“ nennt. Auch nicht „Mucki-Luki“ – denn die Muskeln und der Spitzname kommen erst später. 

Auf dem Bolzplatz im Hinterhof ist er einfach nur Assani, ein aus dem damaligen Zaire (heute Demokratische Republik Kongo) nach Berlin verpflanzter Bursche. Einer, der es liebt, Fußball zu spielen, der sich aber weigert, sich im Verein zu organisieren. „Da gab es mir zu viele Regeln. Ich wollte raus und losbolzen“, erklärt er heute.

Hätte es da nicht einen Trainer des kleinen Berliner Clubs SV Norden-Nordwest gegeben, wäre aus Assani Lukimya wohl nie ein Fußball-Profi geworden. „Meine Karriere ist einzigartig“, fasst der 26-Jährige zusammen, was nach der Bolzplatz-Ära passierte. In einem Zickzack-Kurs führte es den athletischen Innenverteidiger von der ersten Liga (Hansa Rostock) in die dritte (FC CZ Jena), wieder hoch in die zweite (Fortuna Düsseldorf) und schließlich zu Werder Bremen. Dort steht Assani Lukimya seit Saisonbeginn unter Vertrag und hofft auf den sportlichen Durchbruch: „Dass ich bis zu diesem Punkt gekommen bin, habe ich mir hart erarbeitet. Aber ich bin noch längst nicht fertig. ich gebe Gas und werde mich bei Werder durchsetzen.“

Es klingt nach einem, der mit einem Messer zwischen den Zähnen und ausgefahrenen Ellenbogen über den Trainingsplatz und durch das Leben tobt. Stimmt aber nicht. Assani Lukimya ist einfach nur hartnäckig, lässt nicht locker, wenn er sein Ziel erreichen will – sagt er jedenfalls: „Rückschläge werfen mich nicht um. Ich bin immer positiv eingestellt, und ich bin geduldig.“

Woher diese Eigenschaften kommen? Lukimya glaubt, dass sie Ergebnis seiner bisherigen Vita sind. Die ersten acht Jahre seines Lebens verbrachte er in Zaire. Wenn er heute Fotos aus dieser Zeit sieht („Ein paar habe ich noch zu Hause“), staunt er immer noch: „Es waren ärmliche Verhältnisse, sehr ärmliche. So, wie man es aus dem Fernsehen kennt. Ich denke dann immer: Mann, das kann doch nicht wahr sein.“

Er selbst hatte Glück. Den Vater, Gitarrist in einer afrikanischen Band, verschlug es nach Belgien, dann nach Berlin. Die Familie hat er nachgeholt. „Wenn er diesen Weg nicht gegangen wäre, würde ich heute in der anderen Welt leben. Alles wäre anders gelaufen“, sagt Lukimya und fügt an: „Ich bin dankbar, dass mein Leben so ist, wie es jetzt ist.“

Es gibt auch nur wenig bessere Schicksale, als Fußball-Profi in Deutschland zu sein. Wenngleich Lukimya zum persönlichen Optimum noch der Stammplatz bei Werder fehlt. Doch der ist erstmal nicht in Sicht. Trainer Thomas Schaaf setzt zum Saisonstart auf das Innenverteidiger-Duo Sokratis/Prödl. Lukimya muss sich hinten anstellen, muss warten. „Meine Zeit wird kommen“, verspricht er und vermeidet tunlichst jedes kritische Wort. „Ich sehe mich nicht schlechter als die anderen, gebe jetzt aber bestimmt nicht den Stinkstiefel. Ich wusste doch von Anfang an, dass es schwierig wird, auf Anhieb in die Mannschaft zu kommen.“

Dass es bei ihm mal länger dauert, ist zudem normal. Denn wegen seines Widerstands gegen die Regeln eines Sportvereins wurde Lukimya stolze 15 Jahre alt, bevor er überhaupt den geregelten Fußball-Betrieb aufnahm. Besagter Trainer des SV Norden-Nordwest hatte ein Fenster in den Hinterhof und ein Auge auf Assani, lockte ihn. „Ich wollte trotzdem nicht, aber meine Eltern haben mich getriezt, weil auch sie mein Talent erkannt hatten. Gut, dass sie sich durchgesetzt haben“, sagt Lukimya und lacht kopfschüttelnd darüber, dass er damals noch ein Fußball-Muffel war: „Auf der Straße gespielt habe ich immer gerne. Aber ich musste beinahe gezwungen werden, mir mal ein Spiel im Fernsehen anzuschauen.“

Das hat sich geändert, mittlerweile ist Fußball Pflichtprogramm im TV. Lieblingsfilm: Fortuna Düsseldorf. Bei den Rheinländern wurde „Luki“ ein Star, der beste Verteidiger der zweiten Liga. Gerne hätte die Fortuna ihn behalten, allerdings war die Sache für den Spieler früh klar: „Ich wollte einen neuen Weg gehen.“ Erst verlief er sich aber, einigte sich mit dem 1. FC Köln. Der Transfer platzte, weil der FC abstieg. Düsseldorf witterte nochmal ein Chance, Werder gewann aber das Rennen. Lukimya erklärt, wieso: „Hier ist das Ziel der internationale Wettbewerb, bei der Fortuna der Klassenerhalt – das war für mich der entscheidende Faktor.“ Merke: Auch aus Straßenfußballern werden irgendwann nüchtern abwägende Karriere-Architekten.

Sachlich ist auch seine Einstellung zur Nationalmannschaft seines Heimatlandes. Bisher ist der Defensivspezialist („Meine Stärke ist meine Präsenz und meine Zweikampfhärte“) nur dreimal für die DR Kongo aufgelaufen. Es hätten weit mehr Länderspiele sein können. „Der Verein geht bei mir eben immer vor“, sagt Assani Lukimya. Und weil Reisen nach Zentralafrika – „du fliegst allein elf, zwölf Stunden – danach bist du platt“ – kein Vergnügen sind, hat er meistens verzichtet. Dabei schlägt sein Herz durchaus für den Kongo: „Das ist immer noch mein Land. Auch wenn ich in Deutschland aufgewachsen bin.“ Er spricht sogar noch die Regionalsprachen Lingala („etwas besser“) und Kisuaheli („etwas schlechter“).

Perfekt kann er Deutsch – und Playstation. „Meine Sucht“, lacht Lukimya, „an dem Gerät hänge ich wirklich viel rum, daran wird sich wohl auch nie etwas ändern.“ In den Duellen mit Eljero Elia hat er allerdings auch schon Pleiten kassiert. „Aber das war nur eine Phase. Elia weiß, wer wirklich der Bessere ist.“ · csa

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