Mehrkosten für Polizeieinsätze sollen der Liga in Rechnung gestellt werden / Gesetzentwurf ist ein Novum in Deutschland

Bremer Idee: Bei zuviel Gefahr zahlt die DFL

Tianjin/Bremen - Der SV Werder macht in China gerade nicht nur Werbung für sich und die Bundesliga, sondern auch für das Land Bremen. Da schmerzt diese Nachricht aus der Heimat noch ein bisschen mehr: Das Land Bremen will als erstes Bundesland die Mehrkosten für Polizeieinsätze bei Risikospielen künftig dem Veranstalter in Rechnung stellen. Der Entwurf einer gesetzlichen Regelung des Senats richtet seine Forderungen zwar an die Deutsche Fußball-Liga, (DFL) doch letztlich werden die Kosten wohl bei Werder landen – und schließlich beim Fan durch höhere Eintrittspreise.

Die Diskussion gibt es schon ewig – und die Frage ist immer die gleiche: Warum muss der Steuerzahler für Polizeieinsätze bei Fußballspielen aufkommen, die den Vereinen Millionen einbringen? Die Clubs argumentieren unter anderem damit, dass für die Gewalt nicht nur der Fußball verantwortlich sei, sondern es sich auch um ein gesellschaftliches Problem handele. Die Innenministerkonferenz hat sich zuletzt darauf verständigt, an dem Ist-Zustand nichts zu ändern, weil eine Änderung juristisch schwierig umsetzbar sei. Es heißt aber auch, dass viele Bundesländer die Konfrontation mit ihren Clubs und deren Anhängern fürchten.

Die Bürgerschaft in Bremen tut das offenbar nicht. Sie hat auf Bestreben der SPD die Landesregierung aufgefordert, eine Kostenbeteiligung zu erlangen. Nun liegt ein Entwurf des Innenressorts vor – und der nimmt alle gewinnorientierten Veranstaltungen mit mehr als 3000 Besuchern und einem hohen Gefahrenpotenzial in die Pflicht. Der Grundschutz soll kostenlos bleiben. Für Werder würde das bedeuten: Die etwa 63000 Euro, die durch den Einsatz von bis zu 180 Beamten bei einem normalen Bundesliga-Heimspiel anfallen, werden weiterhin vom Land getragen. Die Mehrkosten von Risikospielen wie zum Beispiel gegen den Hamburger SV aber nicht mehr. Dort sind bis zu 900 Beamte im Einsatz, die Kosten steigen bis auf 360000 Euro. Macht eine Differenz von etwa 300000 Euro – und bei drei bis vier Risikospielen pro Saison eine Summe von rund einer Million Euro.

Das will weder die DFL noch Werder bezahlen. Wirklich äußern will sich Clubchef Klaus Filbry zu dem Thema nicht, „weil ich den Entwurf noch nicht gelesen habe“. Er verweist lediglich darauf, dass sich an der Meinung der DFL und von Werder nichts geändert habe und es einen Beschluss der Innenministerkonferenz gebe, „aus dem schert Bremen nun aus“. Das ist schon so etwas wie Kritik – wenn auch leise.

Es ist nun einmal eine sensible Geschichte. Das weiß auch Staatsrat Dr. Heiner Heseler aus dem Bremer Wirtschaftsressort, der mit Filbry in Tianjin auf PR-Tour für Werder und Bremen ist. Am Donnerstag wurde die Wirtschaftszone Teda besucht, gestern Vizebürgermeister Li Shengli. „Mir würde eine bundesweite Regelung besser gefallen“, gestand Heseler. Er rechnet aber fest damit, dass der Bremer Alleingang vom Parlament durchkommt. Nur die geplante Umsetzung schon für die neue Saison hält er für unwahrscheinlich: „Die DFL wird klagen – und das wird einige Jahre dauern.“

kni

Rubriklistenbild: © dpa

Mehr zum Thema:

Macron empfängt Putin in Versailles

Macron empfängt Putin in Versailles

Amerikas Vermächtnis: John F. Kennedys 100. Geburtstag

Amerikas Vermächtnis: John F. Kennedys 100. Geburtstag

IAA 2017: Darauf dürfen sich Auto-Fans freuen

IAA 2017: Darauf dürfen sich Auto-Fans freuen

Top 10: Die zehn verrücktesten Hotel-Geschichten

Top 10: Die zehn verrücktesten Hotel-Geschichten

Meistgelesene Artikel

Pizarro nach Mexiko?

Pizarro nach Mexiko?

Noch keine konkrete Anfrage für Kleinheisler

Noch keine konkrete Anfrage für Kleinheisler

Wegen Caldirola – keine Chance für Ü 22-Kicker

Wegen Caldirola – keine Chance für Ü 22-Kicker

Thomas Delaney kommt per Helikopter

Thomas Delaney kommt per Helikopter

Kommentare