Auch für Pizarro, Naldo, Sokratis und Boenisch ist es heute vielleicht ein Werder-Finale

Mehr Abschied geht kaum, und es droht noch mehr

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Ein Sechserpack wird heute verabschiedet – und auch dieses Trio scheint auf dem Absprung: Claudio Pizarro, Naldo und Sokratis lassen ihre Zukunft in Bremen offen.

Bremen - Ob als Bierträger oder Bauchmuskeln – Sixpacks machen einfach Spaß. Werders Sechserpack dagegen nicht, heute um 15.25 Uhr wird es im Weserstadion eher traurig. Denn der Bundesligist verabschiedet vor dem Schalke-Spiel gleich ein halbes Dutzend seiner Spieler.

Tim Borowski, Tim Wiese, Marko Marin, Markus Rosenberg, Mikael Silvestre und Lennart Thy wollen oder müssen weg. Mehr Abschied geht kaum, doch es droht noch viel mehr. Auch für Claudio Pizarro, Naldo, Sokratis und Sebastian Boenisch könnte es heute der letzte Bundesliga-Auftritt für Werder sein. Ihre Zukunft ist offen, die des Vereins auch. Denn echte Neuzugänge hat Clubchef Klaus Allofs noch nicht präsentiert.

„Ich weiß es nicht“, antwortete Pizarro gestern auf die Frage, ob ihn die Werder-Fans heute letztmalig im Bremer Sturm sehen. Es ist immer noch nicht entschieden, ob der 33-Jährige das Bremer Angebot für einen neuen Zweijahres-Vertrag annimmt oder wechselt. Der Torjäger soll unbedingt bleiben, der neuen jungen Mannschaft Sicherheit geben – natürlich mit vielen Toren. Ob er darauf überhaupt Lust hat, ist unklar. Pizarro hat den Weg vom Auto zur Kabine zur persönlichen Rennpiste gemacht; da bleiben viele Fragen auf der Strecke . . .

Bilder vom Abschlusstraining

Abschlusstraining: Überraschungen im Kader

Naldo ist auskunftsfreudiger und zunächst auch ein bisschen optimistischer. „Ich denke schon“, lautete gestern seine Antwort auf die Frage, ob er auch in der nächsten Saison das Werder-Trikot trägt. Schließlich habe er ja noch einen Vertrag bis 2013. „Ich würde gerne bleiben, aber es muss auch alles passen. Ich möchte eine Perspektive sehen“, schränkte Naldo dann allerdings ein. Der Brasilianer macht sich Sorgen, dass Werder den Verlust vieler erfahrener Spieler nicht verkraften kann. Sein Plan: „Ich möchte nächste Woche mit Klaus Allofs sprechen. Ich will wissen, was hier geplant ist. Dann sehen wir weiter.“ Ein vorzeitiger Abschied ist denkbar und wird intern längst diskutiert. An Naldos Wert für die Mannschaft besteht kein Zweifel, aber es herrscht Skepsis, ob der 29-Jährige nach den vielen Verletzungen gesund bleibt. Außerdem könnte Werder in diesem Sommer noch eine Ablöse für Naldo kassieren. Interessenten in Brasilien wird es wieder geben – das hat der Winter gezeigt, und das bestätigte gestern auch Naldo mit einem breiten Grinsen: „Jetzt ist Ruhe, aber wenn ich in Brasilien Urlaub mache, geht es wahrscheinlich wieder los.“

Auch bei Sokratis ist mit Angeboten zu rechnen. Der Grieche hat eine überragende Saison gespielt – und das in einer Mannschaft, die sich in der Rückrunde wie ein Absteiger präsentierte. Als EM-Teilnehmer steht er im Juni auch noch auf einem der größten Jahrmärkte für Fußballer. Und ein klares Bekenntnis für Werder gibt‘s von Sokratis ebenfalls nicht, dabei hat der Club den Leihspieler des FC Genua gerade erst für eine Ablöse von 3,5 Millionen Euro für vier Jahre verpflichtet. „Ich bin Spieler von Werder Bremen. Was in Zukunft passiert, weiß ich nicht, da sollte man sich nicht festlegen“, ratterte der 23-Jährige gestern ziemlich nüchtern einen Standardsatz von Fußball-Profis herunter. Der ehrgeizige Grieche hatte schon vor Wochen erklärt, dass sein Verbleib nicht sicher sei. Nun belässt er es bei einem Verweis auf ein klärendes Gespräch mit Allofs, der Sokratis nicht ziehen lassen will.

Bei Sebastian Boenisch ist das unklar. Der polnische Nationalspieler bekommt zwar heute keine Blumen, aber auch keinen neuen Vertrag. Der alte läuft am 20. Juni aus. Nach eigenen Angaben hat der Außenverteidiger nicht einmal ein Angebot vorliegen. „Es gab Gespräche, aber noch keine Entscheidung“, bestätigt Allofs. Gut möglich, dass Werder auch den 25-jährigen aussortiert.

Und nicht nur ihn. Auch Denni Avdic und Florian Trinks dürfen sich trotz laufender Verträge nicht sicher fühlen. Werder will den Umbruch – und da muss Platz für Neue(s) geschaffen werden. „Wir haben unsere Vorstellungen – und die sind auch mit Namen hinterlegt. Aber die werden wir natürlich nicht öffentlich nennen“, merkt Allofs zu möglichen Neuzugängen an. In welcher Kategorie er dabei denkt, zeigt folgende Aussage: „Die EM spielt keine so große Rolle.“ Werder sucht die noch unbekannten Schmuckstücke. Die sollen dann irgendwann so funkeln, wie es Borowski, Wiese und Co. im Werder-Dress getan haben. Der Glaube daran dürfte gerade heute – am Tag des großen Abschieds – nicht leicht fallen. · kni

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