Vom Millionen-Flop zum Matchwinner

Zwei Tore als erste Rate: Ekici zahlt den Kredit zurück

Der Dank an höhere Mächte über ihm: Mehmet Ekici (r.) erlebte in Stuttgart einen perfekten Tag. 

Stuttgart / Bremen - Sein Trikot hatte Mehmet Ekici noch in der Hand, als er am Samstag die Mercedes-Benz-Arena verließ. Er nehme die Arbeitskleidung immer mit nach Hause, erklärte er.

Schließlich wollen viele von ihm beschenkt werden. „Verwandte, Freunde – ich werde die immer los.“ Aber dieses eine wird niemand bekommen, „das behalte ich“, sagte Ekici. Natürlich, schließlich ist es das Trikot, in dem er seinen bisher besten Tag als Werder-Profi erlebt hat. Zwei Tore waren ihm beim 4:1 (1:1)-Sieg über den VfB Stuttgart gelungen – wann hat es das schon mal gegeben?

Noch nie in eineinhalb Jahren, die Ekici mittlerweile für Bremen spielt. Er war in der gesamten Zeit ein uneingelöstes Versprechen auf zwei Beinen. Einer, der meilenweit hinter den Erwartungen zurückblieb. Und ewig wurden ihm die fünf Millionen Euro Ablöse, die Werder für ihn an Bayern München überwiesen hatte, vor die Nase gehalten. Motto: So teuer und doch so wertlos für die Mannschaft. Ekici, der Millionen-Flop.

Diese und schlimmere Bezeichnungen hat Ekici ertragen und trotzdem durchgehalten. Nun erlebte er ein Spiel, das viel von dem gezeigt hat, was Werder schon lange gerne von ihm gesehen hätte, sagte Trainer Thomas Schaaf: „Ich freue mich für ihn, dass er es jetzt geschafft hat. So wollen wir ihn erleben.“

Als zwischen dem VfB und Werder 15 Minuten gespielt waren, konnte niemand erahnen, dass der Nachmittag für Werder und für Ekici diesen phantastischen Verlauf nehmen würde. Die Mannschaft spielte schlecht, ließ sich von Stuttgart dominieren. Und Mehmet Ekici hatte gerade die erste Bremer Chance mit einem kläglichen Abschluss vergeben. Soweit die Momentaufnahme. 19 Minuten später wandelte sich alles. Kevin De Bruyne hatte den Ball einfach mal von rechts scharf und flach in den Strafraum gezogen, „weil solche Bälle immer gefährlich sind. Wenn einer den Fuß dranbekommt, geht es schon Richtung Tor“, meinte der Belgier. Sein Plan ging auf. Ekici hielt den rechten Außenrist hin, und zur eigenen Verwunderung zappelte der Ball im Netz. „Ich erwische den Ball glücklich, er titscht auf, fällt hinten rein“, schilderte er die Szene, in der ein bisschen der Zufall mitgeholfen hatte. Nicht so bei seinem zweiten Streich. Der 22-Jährige trat zum Freistoß an, nachdem Kapitän Aaron Hunt kurz zuvor aus fast identischer Position verschossen hatte. Ekici machte es besser, viel besser. Aus 22 Metern zirkelte der Spezialist für den ruhenden ball das Spielgerät unter die Latte – besser geht es nicht.

Für den Mann mit dem feinen Füßchen („Das habe ich mir als Kind auf den Bolzplätzen geholt“) war es die Doppelpack-Premiere in der Bundesliga und der dritte Treffer für Werder. Den ersten hatte er in der vergangenen Saison gegen seinen Ex-Club 1. FC Nürnberg erzielt, die anderen beiden am Samstag. Zeit, uneingeschränkt zufrieden zu sein? „Ich bin“, meinte Ekici wenig überraschend, „natürlich überglücklich“.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, ob er überhaupt in der Startelf gestanden hätte, wenn nicht Marko Arnautovic mit muskulären Problemen kurzfristig ausgefallen wäre. Thomas Schaaf beteuerte jedenfalls, dass „Memo“ für ihn bei den Überlegungen vor der Partie „nicht zur Diskussion gestanden“ habe.

Was wohl heißt, dass Ekici vom Hinrunden-Kurzarbeiter (nur drei Einwechslungen) zum Stammspieler geworden ist. Gegen Hamburg, Hannover und Stuttgart stand er dreimal in Folge in der Startelf. Das ist doch schon was. Dennoch will Ekici nichts von einem Durchbruch hören. Entsprechende Fragen beantwortete er lediglich mit einem verlegenen Lächeln und der Auskunft: „Ich werde jetzt nichts überbewerten oder abheben. Es war einfach ein Spiel, in dem alles gut geklappt hat.“

Die Einzelkritik: Ekici der Matchwinner

Sebastian Mielitz: Über ihn gibt es nichts Aufsehenerregendes zu berichten. Stuttgart stellte ihn kaum vor große Prüfungen Was er halten musste, hat er gehalten, zudem spielte er gut mit. Beim Gegentor mit den Fingerspitzen am Ball, aber machtlos. Note 3 © Nordphoto
Aleksandar Ignjovski: Der Serbe erhielt erneut den Vorzug vor Gebre Selassie und etabliert sich als Rechtsverteidiger. Ignjovski hatte zunächst Schwierigkeiten mit Gegenspieler Traore, steigerte sich aber und schaltete sich oft auch ins Angriffsspiel ein. Note 3 © Nordphoto
Assani Lukimya: Solide Leistung an der Seite von Sokratis. Nach anfänglichen Unsicherheiten wurde er immer stabiler. Note 3 © Nordphoto
Sokratis: Der Grieche war Werders Lebensversicherung. Bügelte speziell in der ersten Halbzeit die Fehler der Mitspieler aus, stoppte die VfB-Angreifer in höchster Not. Es war das Glück des Tüchtigen, dass Schiedsrichter Günter Perl die Armabwehr des Innenverteidigers nicht als Handspiel wertete und Elfmeter pfiff. Note 2,5 © Nordphoto
Lukas Schmitz: Der VfB stellte den Linksverterteidiger in Halbzeit eins vor einige Probleme. Dabei zeigte sich, dass Schmitz’ Stellungsspiel weiter verbesserungsfähig ist. Note 4 © Nordphoto
Zlatko Junuzovic (bis 89.): Er stand symbolisch für die ganze Mannschaft. Fand schwer ins Spiel, vergab eine hundertprozentige Chance, war beim Ausgleich nicht auf der Höhe des Geschehens und schwang sich dann doch noch zu einer passablen Leistung auf. Note 3,5 © 
Kevin De Bruyne: Er hatte nicht viele Aktionen, dafür aber die ganz wichtigen. Zunächst traf er mit einer Direktabnahme nach Elia-Vorarbeit den Pfosten – von da an war Werder wach und Stuttgart verunsichert. Dann bereitete er die erste Führung vor. Und zum schönen Schluss traf er mit einem abgebrühten Heber zum 4:1. Note 2,5 © Nordphoto
Aaron Hunt (bis 90.): Genauso abgezockt wie De Bruyne, als er den Ball zum 2:1 an VfB-Keeper Ulreich vorbeischob. Damit kaschierte der Kapitän, dass zuvor bei ihm nur wenig funktioniert hatte. Speziell in Halbzeit eins unterliefen ihm ungewöhnlich viele Fehlpässe. Aber Hunt war immer am Drücker und wurde mit dem Tor belohnt. Note 2,5 © Nordphoto
Eljero Elia: Wieder auf rechts aufgeboten. Doch an seinen starken Endspurt gegen Hannover knüpfte Elia nicht an. Erst spielte er einen Gefahr bringenden Leichtsinnspass (13.), dann schlug er die Einladung zum 1:0 aus, als er das beinahe leere Tor nicht traf (30.). Bereitete aber die Top-Chance für De Bruyne (Pfosten) vor. Note 4 © Nordphoto
Mehmet Ekici (bis 85.): Nur 35 Ballkontakte, nur 29 Prozent gewonnene Zweikämpfe – und dennoch: Es war sein Tag, es war sein Spiel. Glücklicher Treffer zum 1:0, herrlicher Freistoß zum 3:1 – Ekici avancierte zum Matchwinner. Note 2 © Nordphoto
Nils Petersen: Als Torjäger trat er nicht in Erscheinung. Dafür war er aber als Balldieb äußerst erfolgreich. Stiebitzte Kvist clever das Spielgerät, bereitete so Hunts Treffer zum 2:1 vor. Und vor dem Freistoß, der das 3:1 brachte, hatte Petersen Niedermeier den Ball abgejagt. Note 3 © Nordphoto
Sebastian Prödl (ab 85.): Note- © Nordphoto
Clemens Fritz (ab 89.): Note - © Nordphoto
Theodor Gebre Selassie (ab 90.): Note - © Nordphoto

Statt sich auf die Schultern zu klopfen, bedankte sich der in München aufgewachsene Türke lieber bei der Mannschaft, dem Trainer, dem Verein – ach, einfach allen. „Ich wurde von allen Seiten unterstützt, als es nicht einfach für mich war“, sagte er über den langen Anlauf in Bremen. Phasenweise galt er sogar als ein Kandidat für ein Ausleihgeschäft. Aber davon, beteuerte Ekici, „war nie die Rede. Es gab auch keine Wechselgerüchte.“

Thomas Schaaf hatte seinen Problemfall schließlich nie auf dem Markt feilgeboten, sondern ihm viel Kredit eingeräumt. Das, so Ekici, habe richtig gut getan: „Wir hatten sehr positive Gespräche. Der Trainer hat mir die Chance gegeben, und ich bin froh, dass ich jetzt etwas zurückzahlen kann.“ Die Tore in Stuttgart sollen dabei nur die erste Rate gewesen sein. · csa

Werder Bremen siegt in Stuttgart mit 4:1

Zum ersten Mal in dieser Saison hat Werder Bremen zwei Spiele in Serie gewonnen: Nach dem 2:0 gegen Hannover gab es beim VfB Stuttgart einen verdienten 4:1-Erfolg. © dpa
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