Vor dem Spiel in München

Eggestein im Interview: „Keiner fährt gerne zu den Bayern“

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Hinten reinstellen und hoffen? Das ist nichts für Maximilian Eggestein. Für ihn muss es der Anspruch sein, gegen Bayern München gewinnen zu wollen.

Bremen - Maximilian Eggestein im Interview mit der DeichStube über Werders Chancen gegen Bayern München, inspirierende Gegenspieler und eine bedenkliche Entwicklung in der Liga.

Maximilian Eggestein war noch Grundschüler, zarte elf Jahre alt, als Werder Bremen am 20. September 2008 der bis dato letzte Sieg gegen den FC Bayern München gelang. An das 5:2 in der Allianz Arena kann sich der heute 21-Jährige nicht erinnern. „Ich habe aber davon gelesen“, sagt er über den Erfolg aus einer anderen Zeit.

Inzwischen ist Eggestein längst selbst Werder-Profi und will am Sonntag dabei mithelfen, dass die Bremer nach 16 vergeblichen Anläufen in der Bundesliga endlich mal wieder etwas holen gegen den Rekordmeister. „Das muss unser Anspruch sein“, betont Eggestein.

Im Interview mit der DeichStube hat er erklärt, was alles zusammen kommen muss, damit Werder Erfolg hat, warum er gleich mehrere Bayern-Spieler als Vorbild sieht – und weshalb er Florian Kohfeldt zutraut, das Trainerduell der Generationen gegen Jupp Heynckes zu gewinnen.

Herr Eggestein, die Zahlen dürften Ihnen bekannt sein: 0:6, 0:5, 0:6, 2:5, 1:6, 1:4 – seit Jahren schon kommt Werder in München unter die Räder. Worauf stellen Sie sich dieses Mal ein?

Eggestein: Eigentlich sind die Voraussetzungen wie in jedem Jahr. Bayern hat in der Tabelle wieder einen großen Vorsprung und agiert wieder sehr souverän. Trotz alledem nehmen wir uns vor, dort ein gutes Spiel zu machen. Unser Ziel darf es nicht nur sein, irgendwie gut auszusehen. Das bringt uns im Nachhinein nichts. Wir wollen etwas mitnehmen. Auch wenn wir wissen, dass wir in München lange nicht mehr gewinnen konnten, werden wir es trotzdem wieder versuchen. Das muss unser Anspruch sein. Wenn man gegen die Bayern 90 Minuten nur verteidigt, kann es am Ende ziemlich bitter werden.

Mutig sein, an die eigene Stärke glauben – das sind seit Jahren zwei der Bremer Kernaussagen vor Spielen gegen die Bayern. Was muss denn auf dem Platz konkret passieren, damit Ihre Mannschaft eine Chance hat?

Eggestein: Erstmal kommt es darauf an, dass wir einen guten Plan haben und den dann auch gut auf dem Platz umsetzen. Wir sollten nicht allzu früh in Rückstand geraten, weil das den Bayern in die Karten spielt. Natürlich brauchen wir auch ein gewisses Spielglück, dass die Bayern vielleicht nicht ihren besten Tag erwischen. Aber wir glauben auch daran, dass wir selber Chancen kreieren können. Wir haben genug individuelle Qualität, um nicht nur abzuwarten, sondern selbst mit dem Ball etwas anzufangen. Das passt zu uns als Mannschaft auch besser.

Maximilian Eggestein (r.) verlor in der Hinrunde 0:2 gegen den FC Bayern mit Corentin Tolisso.

Mal angenommen, alles läuft perfekt aus Bremer Sicht, und am Ende steht tatsächlich ein Auswärtssieg. Wäre das für Sie die größte Werder-Überraschung seit langer, langer Zeit?

Eggestein: Wahrscheinlich ja, und zwar nicht nur eine Werder-Überraschung, sondern sogar die Überraschung der Saison. Es rechnet ja keiner damit, dass wir etwas holen.

Ziehen Sie daraus, dass so gut wie niemand Ihrer Mannschaft in diesem Spiel etwas zutraut, eigentlich zusätzliche Motivation?

Eggestein: Klar wollen wir allen zeigen, dass wir stark genug sind, um dort zu bestehen. Man muss es aber auch realistisch sehen. Wir wissen, wie schwer es wird. Ich habe gerade erst gelesen, dass Frank Baumann (Werders Sportchef, Anm. d. Red.) beim letzten Werder-Sieg in München noch auf dem Platz stand. Das liegt schon lange zurück. Dementsprechend sind wir nicht so vermessen zu sagen, dass die Chancen fünfzig-fünfzig stehen.

Dass Bayern München das Maß aller Dinge in der Liga ist, ist klar. Aber was genau machen Spiele gegen diese Mannschaft so schwierig?

Eggestein: Schwer zu sagen. Heimspiele sind gegen die Bayern meistens ein Stück leichter, weil man durch die eigenen Fans gepusht wird. Generell haben die Bayern aber diese große individuelle Qualität. Leverkusen hat es am ersten Spieltag der Rückrunde ja gut gemacht, war sogar dran am 2:2, und dann haben die Bayern brutal zurückgeschlagen (Das Spiel endete mit 3:1 für den FCB, Anm. d. Red.). Das macht sie so stark. Sie lassen immer mal wieder etwas zu, aber wenn man das als Gegner nicht sofort ausnutzt, bestrafen sie es.

Eine ganz ähnliche Erfahrung haben Sie mit Werder beim 0:2 im Hinspiel gemacht...

Eggestein: Genau, da hat man es auch ganz gut gesehen. Wir haben 70 Minuten lang kein schlechtes Spiel gemacht. Da waren wir zwar nicht überlegen, denn Bayern hatte sehr viel Ballbesitz, hat uns aber nicht an die Wand gespielt. Dann kommt irgendwann Lewandowski und macht einfach zwei Tore. Das meinte ich vorhin mit dem Spielglück. Dass vielleicht ein Ball mal an den Pfosten fliegt oder wir gleich mit der ersten Chance in Führung gehen.

Seit Florian Kohfeldt Trainer ist, fallen Sie besonders durch Ihre starken Laufwerte auf. Freuen Sie sich darauf, dem Ball am Sonntag 14 Kilometer hinterher zu rennen?

Eggestein: (lacht) Ich spiele natürlich lieber mit dem Ball, aber gerade so eine Partie wie gegen die Bayern erfordert es, dass wir gegen den Ball extrem viel arbeiten. Da werde ich mich mit meiner Laufstärke einbringen.

Maximilian Eggestein (r.) im Gespräch mit DeichStuben-Reporter Daniel Cottäus.

Kommt Frust auf, wenn man rennt und rennt, den Ball am Ende aber wieder nicht bekommt?

Eggestein: Am schlimmsten ist es, wenn du merkst, dass du gar keinen Zugriff hast und der Gegner sich eine Chance nach der anderen erspielt. Das macht keinen Spaß. Wenn du den Gegner mit der Bereitschaft gegen den Ball aber in Schach hältst, und er nur hinten rum spielen kann, dann ist das gar nicht so schlecht.

Gibt es bei den Bayern einen Spieler, von dem Sie sich etwas abgucken?

Eggestein: Bayern hat viele Spieler, die mich inspirieren. Ich habe da jetzt aber keinen Speziellen. Wenn man sieht, wie James den Ball behandelt, wie torgefährlich Lewandowski ist oder wie abgeklärt Hummels agiert, dann ist das schon beeindruckend.

Derzeit haben die Bayern 13 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten RB Leipzig, und es scheint generell so, dass sich die Liga mit der Münchner Vormachtstellung abgefunden hat. Jedenfalls will kein Verein die Rolle des Bayern-Jägers haben.

Eggestein: Es ist schade, dass es sich so entwickelt hat. Wir würden uns alle wünschen, dass Bayern nicht ganz so weit weg wäre und es oben in der Tabelle etwas spannender zugehen würde. Dass kein Verein die Rolle des Jägers haben möchte, hängt auch mit dem öffentlichen Druck zusammen. Wenn ein Trainer jetzt sagen würde „Ja, wir wollen mit den Bayern konkurrieren“, und dann läuft es für seine Mannschaft in den nächsten Spielen nicht, wird er an dieser Aussage gemessen und direkt infrage gestellt.

Das Spiel in München ist auch ein Duell der Trainer-Generationen. Der 72-jährige Jupp Heynckes, der schon alles gewonnnen hat, trifft auf den 35-jährigen Florian Kohfeldt, dessen Karriere gerade begonnen hat. Kann Ihr Coach dem Grandseigneur schon ein Bein stellen?

Eggestein: Warum nicht? Florian ist immer für eine taktische Überraschung gut. Aber vergleichen sollte man die beiden nicht. Jupp Heynckes hat so viele Erfolge gefeiert, davor kann man nur den Hut ziehen. Unserem Trainer ist eine ähnliche Entwicklung nur zu wünschen.

Ex-Werder-Profi Sebastian Prödl hat Auswärtsspiele bei den Bayern mal mit einem Besuch beim Zahnarzt verglichen – mag keiner gerne, muss aber jeder mal hin. Trifft es das?

Eggestein: Ich finde den Spruch extrem gut. Es ist ein Beispiel aus dem Leben, das jeder kennt. Keiner geht gerne zum Zahnarzt, und in der Bundesliga fährt keiner gerne zu den Bayern.

Maxi Eggestein: Sein Werder-Weg in Bildern

Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein hat das geschafft, wovon viele nur träumen können: Er ist Profi-Fußballer geworden. Darauf hat der Defensivspieler lange hingearbeitet. © nordphoto
Maximilian Eggestein
2011 wechselte Eggestein vom TSV Havelse zum SV Werder und stach hervor. So schoss er in der Saison 2012/13 14 Tore für die U17 des Bremer Leistungszentrums. © imago
Maximilian Eggestein
Zur Spielzeit 2014/15 rückte er in Werders U23 in der Regionalliga Nord auf, wo er sich auf Anhieb als Stammspieler im offensiven Mittelfeld durchsetzen konnte. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Das blieb nicht unbemerkt. Unter dem damaligen Cheftrainer Viktor Skripnik feierte Eggestein beim 4:0-Sieg gegen den SC Paderborn im November 2014 sein Debüt bei den Profis. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Im Alter von 17 Jahren und 356 Tagen wohlgemerkt. Das macht ihn hinter Thomas Schaaf (17 Jahre und 353 Tage) zum zweitjüngsten Bundesliga-Spieler der Vereinsgeschichte. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Im Januar 2015 durfte Eggestein dann erstmals mit ins Trainingslager nach Belek, um sich weiter anzubieten und an den Profibereich gewöhnen zu können. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Sein Startelfdebüt feierte der gebürtige Hannoveraner über ein halbes Jahr später - im August 2015. Werder gastierte bei Hertha BSC. Das Spiel endete 1:1. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Vollends etablieren konnte sich der Mittelfeldspieler vorerst nicht bei den Profis. Eggestein war zunächst weiter in der U23 gefragt, mit der er im Mai 2015 den Aufstieg in die 3. Liga schaffte. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Mittlerweile ist der Jungprofi gereift, spielt im defensiven Mittelfeld eine immer größer werdende Rolle beim SV Werder. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Beim 3:0-Sieg gegen Schalke 04 im April 2017 schoss Eggestein sein erstes Tor für die Profis vor der eigenen Fankurve. Davon hatte Eggestein immer geträumt, wie er verriet. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Anfang Juli verlängerte der Mittelfeldspieler vorzeitig seinen Vertrag an der Weser. © nordphoto
Maximilian Eggestein
Zu Beginn der Saison 2017/18 war er häufig in der Startelf zu finden und stand in fast allen Partien auf dem Platz.  © Gumz
Maximilian Eggestein
Im Herbst 2017 wurde er außerdem erstmals in die deutsche U21-Nationalmannschaft berufen und bestritt die EM-Qualifikation mit dem Team. © imago

Schon gesehen?

Maxi Eggestein und Jerome Gondorf über den DFB-Pokalgegner Bayer Leverkusen.

Quelle: DeichStube

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