Maximilian Eggestein macht auf sich aufmerksam

Nur keinen Druck

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Maximilian Eggestein am Ball. Der 18-Jährige hat gute Karten bei Cheftrainer Viktor Skripnik.

Bremen - Maximilian Eggestein kommt um 11.53 Uhr zur verabredeten Gesprächsrunde. Und vorweg gibt es gleich eine Ansage der Werder-Medienabteilung: „Um zwölf muss er in der Kabine sein!“ Bleiben also nur sieben Minuten. Kann ein 18-Jähriger in sieben Minuten erklären, was er sich von seiner ersten Saison als Bundesliga-Profi erwartet? Er kann es auf jeden Fall versuchen.

Also legt er los und formuliert mit klarer, lauter Stimme Sätze, die für einen Jungen in seinem Alter sehr abgeklärt wirken. Fast schon ein bisschen einstudiert. „Man sollte sich nicht direkt zu viel Druck machen“, sagt der Mittelfeldspieler und meint mit „man“ natürlich sich selbst. Außerdem: „Als erstes zählt für mich, mich persönlich weiterzuentwickeln, neue Erfahrungen zu sammeln.“

Sehr brav, sehr linientreu. Eggestein hütet sich, irgendwelche Erwartungen oder gar Ansprüche zu formulieren. Dabei war das Trainingslager in Zell am Ziller für ihn nach eigener Einschätzung „ganz ordentlich gelaufen“. Das kann man so sagen. Belege: Der Mittelfeldspieler kam in den Vorbereitungsspielen gegen RB Salzburg (4:0), 1860 München (3:1) und den FC Brünn (2:0) jeweils in der A-Elf als Spielmacher zum Einsatz. Viktor Skripnik schenkte dem Talent, das der Werder-Coach schon in der U17 und der U23 unter seinen Fittichen hatte, mehrfach das Vertrauen. Starke Signale, und es lässt sich behaupten, dass der Teenager auf dem Weg nach oben gleich mehrere Stufen im Sprung genommen hat. Doch Eggestein lässt sich weder Honig um den nur spärlich sprießenden Bart schmieren noch aus der Reserve locken. Es sei „noch viel zu früh“, um über eine Entwicklung zu sprechen: „Wir müssen jetzt abwarten, wie es weitergeht. Ich freue mich erstmal über jede Minute, die ich mich auf dem Platz zeigen konnte. Mein Ziel ist es, immer näher an die Profis heranzurücken.“

Vielleicht ist der gebürtige Hannoveraner, der vor vier Jahren vom TSV Havelse ins Nachwuchsleistungszentrum des SV Werder gewechselt war, schon näher dran, als er denkt. Jedenfalls lassen die Einsätze in den Testpartien klar erkennen, dass Skripnik den Teenager auf den Bundesliga-Prüfstand stellt. Wenn Eggestein nun auch noch gegen den FC Sevilla am Samstag (17.00 Uhr, Weserstadion) und bei West Ham United (2. August) zum Zuge kommen sollte, weiß er, dass er die ersten Härtetests bestanden hat.

Sportdirektor Rouven Schröder hat unlängst Eggesteins instinktiv gutes Verhalten auf dem Platz gelobt. „Er bewegt sich so clever, er weiß, wo die Kugel hinkommt“, urteilte der 39-Jährige über die Nachwuchshoffnung und hob deren „Handlungsschnelligkeit, Spielfreude und Kombinationsstärke“ hervor. Doch das sind nur wenige von vielen Voraussetzungen, um wirklich in der Bundesliga auf Dauer Fuß zu fassen. Maximilian Eggestein ist das klar. Deshalb seine Vorsicht. Aber verstecken will er sich eben auch nicht. „Der Unterschied zwischen Nachwuchs- und Herrenfußball ist natürlich gegeben – aber daran gewöhnt man sich“, sagt der Jung-Profi, der im Februar einen Vertrag bis 2018 unterschrieben hat.

Fitness-Einheit am Nachmittag

Mut macht ein Beispiel, dass Eggestein in der vergangenen Saison aus nächster Nähe verfolgen konnte. Davie Selke stieg von der U23 ins Bundesliga-Team auf, erzielte neun Saisontore und wurde für acht Millionen Euro an RB Leipzig verkauft. Eggestein speicherte für sich ab: „Es ist möglich, den Sprung zu schaffen. Davie hat es gezeigt.“

Aber wie schon erwähnt: Vergleichbares erwartet er von sich nicht. Jedenfalls nicht in der Selke-Geschwindigkeit. „Das ging schon ziemlich schnell“, staunte Eggestein, der bei Werder Bremen intern zwar hochgehandelt wird, aber noch nie in den U-Nationalteams des DFB vorspielen durfte. Dafür hat er schon zwei Bundesliga-Kurzeinsätze in der Vita stehen, weitere Berufungen sollen folgen. „Ich habe allerdings auch kein Problem damit, in der dritten Liga für die U23 zu spielen. Das ist eine gute Plattform, um sich zu empfehlen“, meint Maximilian Eggestein, der Besonnene.

csa

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