„Ich gebe meine Position nicht freiwillig her“

Marathonmann Prödl bremst Silvestre aus

SCHWITZEN für sein ganz persönliches Karriere-Ziel: Sebastian Prödl will nicht nur dann Stammspieler sein, wenn ein anderer ausfällt.

Belek - Im Testspiel gegen den MSV Duisburg standen sie gestern eine Halbzeit lang Seite an Seite in der Innenverteidigung von Werder Bremen. Doch Mikael Silvestre und Sebastian Prödl taten das nur, weil Leitwolf Per Mertesacker geschont wurde.

Der Platz an dessen Seite wurde in der Hinrunde bislang von Prödl eingenommen – jetzt ist in Silvestre, bislang Linksverteidiger, ein Konkurrent dazugekommen. Doch Prödl bleibt locker: „Mikael war auch schon vorher eine Option. Ich weiß, dass er innen spielen kann. Das hat er bei Manchester und Arsenal getan. Doch ich gehe mit sehr viel Selbstvertrauen in die Rückrunde.“

Und mit dem Bonus, in der Hinrunde nicht eine Sekunde verpasst zu haben. Der 23-Jährige stand in allen 27 Pflichtspielen über 90 Minuten auf dem Platz, zudem bestritt er die Verlängerung in Genua – das macht 2 460 Minuten Einsatzzeit – und ist Ligarekord. „Mehr geht nicht“, schmunzelt Prödl, der sich im Sommer noch bescheiden mehr Spielpraxis gewünscht gefordert hatte. Die hat er nun bekommen und zeigt sich „sehr angespornt und motiviert“. Freilich sei ihm bewusst, dass er eigentlich nur durch die Verletzung von Naldo zur Stammkraft geworden ist – doch jetzt will er es auch bleiben. „Ich gebe meine Position nicht mehr freiwillig her“, verkündet Prödl.

Dass Werder angesichts des Ausfalls von Naldo überlegt, noch einen Innenverteidiger zu engagieren, kann Prödl nachvollziehen. „Und ich würde auch helfen, ihn in die Mannschaft zu integrieren. Aber wie gesagt: Ich werde weiter um meinen Posten kämpfen . . .“ Der Österreicher ist im vergangenen halben Jahr deutlich selbstbewusster geworden. Auch wenn er Fehler gemacht hat, die zu Gegentore führten, „habe ich insgesamt an Sicherheit gewonnen“.

Und er hat sich ein klares Ziel gesetzt: „Mit 24 Jahren will ich Stammspieler in der Bundesliga sein. Das ist mein Anspruch, den ich auch als österreichischer Nationalspieler an mich selbst habe.“ Im Klartext: Die Entscheidung fällt noch in diesem Jahr, ob Prödl dieses Ziel erreicht. Ende Juni wird er 24 Jahre. Sein Vertrag in Bremen läuft noch bis 2012. Und wenn er im Sommer nicht die klare Perspektive sieht, bei Werder eine feste Kraft zu bleiben, „dann muss ich mir sicherlich so meine Gedanken machen“.

Doch zunächst konzentriert sich Prödl ganz auf die Rückrunde mit Werder. Und es gibt genug zu tun. Vor allem in der Abwehr. „Wir haben zu oft schnelle Gegentore kassiert, dann noch eins und sind dann auseinandergefallen. Das darf uns nicht mehr passieren“, fordert der Österreicher und nimmt die gesamte Mannschaft dabei in die Pflicht: „Das Werder-Spiel steht generell sicher für Offensive und Spektakel, doch wir alle müssen jetzt erstmal für die Defensive arbeiten. Stehen wir gut, können wir an andere Sache denken.“

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